Mettmann: Ein herrliches Schauspiel
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 19.09.2006Düsseldorf (RPO). „Tintenherz“ begeisterte in zweimal ausverkaufter Stadthalle.
Anspruchsvolles Laientheater glänze in dem Theaterstück nach dem Bestseller von Cornelia Funke.WÜLFRATH „Er ist einer meiner besten Schurken“, sagt Autor Fenoglio mit einem Anflug schriftstellerischer Eitelkeit. Jetzt steht Basta, die Verkörperung des immer zu brutalen Handgreiflichkeiten bereiten Bösen in der Wülfrather Stadthalle vor ihm. Buchbinder Mo hat ihn sowie den mächtigen, goldgierigen Capricorn und andere Typen aus dem Roman „Tintenherz“ herausgelesen. Die Begabung des Vorlesers, zu Papier gebrachte Personen lebendig werden zu lassen, wurde zum Fluch. Die realen Menschen befinden sich in der Gewalt der Fantasiefiguren. „Tintenherz“, Schauspiel nach dem Bestseller von Cornelia Funke, stand unter der Gesamtleitung von Thomas Gerhold auf der Bühne der Stadthalle. Als Theaterprojekt der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde. Zweimal vor ausverkauftem Haus und einem begeisterten, von einer Vielzahl licht- und pyrotechnischer Einfälle hingerissenen Publikum.
Weitere Mitwirkende
Ensemble aus Susannes Ballettschule, Mettmann mit märchenhaftem Tanz von züngelnden Flammen und Feen
Choreografie: Susanne Guss
Musik: Thomas Gerhold, Synthesizer, Cajon. Tom Daun, Harfe, Akkordeon. Rafael Daun, Dudelsack, Schalmei, Gitarre. Ekkehard Daun, Flöten, Percussion
Kostüme: Sabine Sylvester-Bierwas
Kulissen: ein Team von zehn Malern und Bühnenbauern
Wundervolles Farbenspiel
Bühnenmeister Frithjof Kuhlmann zog alle Register. Er tauchte Capricorns „Kathedrale“ in ein bedrohliches Farbenspiel. Hell loderten in den Flammen die (angeblich) letzten Exemplare des Buches „Tintenherz“, die Capricorn hatte zusammen rauben lassen. Die „Kathedrale“, ein riesiges Hintergrundbild, zu dem eine Fotografie der Innenansicht des Kölner Doms als Vorlage diente – per Computer optisch in die Breite gezogen- war der Blickfang.
Nach der erfolgreichen Aufführung von „Momo“ vor zwei Jahren, an der zahlreiche Persönlichkeiten und Gruppen aus dem Gemeindeleben mitwirkten, wurde „Tintenherz“ mit Spannung erwartet. Einen Vergleich brauchte es nicht zu scheuen. Im Gegenteil. „Tintenherz“ bot anspruchsvolles Laientheater, zudem mit klangvoller Musik von Thomas Gerhold und den Daun-Brüdern „Tre fratelli“. Eine runde Sache, bei der die Akteure, die um die zu bewältigenden Textmengen nicht zu beneiden waren, zu Hochformen aufliefen.
Pfarrer Rolf Breitbarth spielte nuancenreich den Buchbinder Mo, der nach einer Idee sucht, die Schurken wieder in die mittelalterliche Tintenwelt zu bekommen. Judith Gerhold, die als Tochter Meggie ihre eigene Vorlesebegabung entdeckt und hilft, die Geschichte zu einem glücklichen Ende zu bringen. Karin Wermbter war eine erfrischend deftige Tante Elinor, die mit flotten Sprüchen, Flüchen und Sprüngen die Lacher auf ihrer Seite hatte. Klaus Pöcking als Basta und Diakon Rolf Schmitz als Flachnase lieferten als Handlanger des bösen Capricorn (Manfred Edelstein) ein herrliches Kammerspiel.
Treffend besetzt auch die Rollen Wolfgang Schwalfenberg (Erzähler), Randy Amankwa (Staubfinger), Irene Pöcking (Mortala), Erik Habermann (Farid), Dr. Helmut Wermbter (Fenoglio), Mareyke Vogelskamp (Resa), David Gerhold (Schatten).
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