Wülfrath: Ein Mann für alle Fälle
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2009Düsseldorf (RPO). Die Wuppertaler Bühnen präsentieren in der Stadthalle das Ein-Personen-Stück "Hamlet fällt heute leider aus".
Mit Thomas Braus in der Paraderolle kommt das Publikum voll auf seine Kosten."Hamlet fällt heute leider aus", tönte eine Stimme aus dem Off. Hauptdarsteller Motzenklotz habe sich beim Treppensturz ein Bein gebrochen. "Die Karten behalten ihre Gültigkeit. Wir wünschen einen guten Heimweg. Auf Wiedersehen in diesem Theater!" Die Besucher des Gastspiels der Wuppertaler Bühnen, "Heute weder Hamlet", blieben natürlich auf ihren Plätzen. Heiter eingestimmt auf ein Ein-Personen-Stück, auf einen Theaterabend, der zu einer Sternstunde der Schauspielreihe in der Wülfrather Stadthalle wurde.
Es gibt weder Hamlet noch sonst irgendwas, macht Vorhangzieher Ingo Sassmann den Zuschauern klar, während er ein paar Requisiten wegräumt. Und weil die partout nicht gehen wollen, beginnt er zu erzählen – von der Arbeit im Theater, vom Applaus, den immer die anderen kassieren, vom "ewigen Leben, das es nur auf dem Theater gibt und das jeden Abend neu entsteht." Mit Blick auf die Bedeutung seiner Funktion weist Sassmann in die Kunst des Vorhangziehens ein, die passend zur jeweiligen Szene, tragisch, beschwingt, stockend sein muss. "Der Vorhang ist das Wichtigste. Man kann Theater zu Hörspielmachen, wenn man ihn nicht öffnet."
Romeo und Julia
Die Schauspielreihe wird in der Stadthalle am Freitag, 27. März, 20 Uhr fortgesetzt:
. "Romeo und Julia", von William Shakespeare. Gastspiel des Landestheaters Burghofbühne, Dinslaken.
Vorverkauf: Vier Wochen vor der Vorstellung im Bürgerbüro, bei Funk+Fernsehen Bast, in der Wülfrather Medien Welt und im Zigarrenhaus Schlüter.
Eintritt: 16,50 Euro. 8,80 Euro ermäßigt . Freie Platzwahl.
Schauspiel im Zeitraffer
Vollblutschauspieler Thomas Braus machte allein aus dem differenzierten Umgang mit dem Vorhang ein Kabinettstück. Als Darsteller der verschiedensten Rollen, die in Shakespeares "Hamlet" vorkommen, war er genial. Denn Vorhangzieher Sassmann war ursprünglich einmal Schauspieler, Rollenfach "erster Charakterdarsteller mit Liebhaberverpflichtung". Während er von seiner hoffnungsvollen Karriere erzählt, die durch einen Rauswurf am Theater Bruchsal je zerstört wurde, präsentiert er "Hamlet" im Zeitraffer.
Mit Brokatschal elegant um den Hals geworfen deklamiert er ein Stück des Hamlet-Monologs, "Sein oder Nichtsein". Mit Haarkranz verkörpert er die wahnsinnig gewordene Ophelia. Er ersticht als Hamlet den hinterm Vorhang lauschenden Polonius, um sofort in dessen Rolle zu schlüpfen und röchelnd zusammen zu brechen. Pannen und Kollegenscherze gibt Sassmann/Braus so zum Besten, dass es dem Publikum die Lachtränen in die Augen trieb. Beispielsweise schoben ihm in "Hamlet" feixende Kollegen einen wabbeligen, warmen Totenschädel des Yorick unter. In Bruchsal flog das Gebiss des Intendanten und Hauptdarstellers aus "Raub der Sabinerinnen" an die Bühnenrampe, was das Sprechen höchst erschwerte.
Von Rainer Lewandowski
"Heute weder Hamlet" von Rainer Lewandowski, ist eine Liebeserklärung an das Theater. Die Wülfrather Freunde des Theater ließen sich vergnüglich darauf ein, gelegentlich einbezogen zu werden. Mit Thomas Braus in der Paraderolle kamen sie vollends auf ihre Kosten vom Exkurs in Schauspielunterricht, Prozedur des Vorsprechens, Schauspieler-Eitelkeiten bis zur Dramaturgie des Verbeugens.
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