Kreis Mettmann: Eine Marienfigur von heute
VON GABRIEL KORDS - zuletzt aktualisiert: 09.10.2007Düsseldorf (RPO). Iris Berben in der Rolle der Frau M. war das Glanzlicht der Aufführung des Marienoratoriums im Dom zu Neviges.
Multimedialer Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 2008: Die Wallfahrtskirche wird 40 Jahre alt.Heute Wiederholung
Burggrabes monumentales Werk berührt durch Licht- und Wasserkunst in Verbindung mit Musik, Gesang und Sprache:
Es ist eine großartige Konfrontation mit Widersprüchen in der Auseinandersetzung mit der Figur Marias, die nie verletzt, sondern stets verbindet.
Weitere Aufführung heute, 20 Uhr, Mariendom Neviges.
Abendkasse ab 17.30 Uhr
Eigentlich ist Helge Burggrabes Marienoratorium „Stella Maris“ untrennbar mit der Kathedrale von Chartres verbunden, für deren 1000-Jahr-Feier es vor einem Jahr entstand. Um es im Dom zu Neviges aufzuführen, musste es angepasst werden, denn Lichtinstallationen und Kulisse „müssen in dem Raum entstehen, in dem sie wirken sollen“, sagte Burggrabe vor der Aufführung. In Neviges leitete das Oratorium, das den Lebensweg Marias darstellt, das 40-jährige Baujubiläum des größten Doms der Moderne ein. Die musikalische Leitung oblag dem Kölner Domkapellmeister Professor Eberhard Metternich, dessen Vokalensemble die Chor-Partien übernahm.
Was tut dieser Vater?
Unangefochtenes Glanzlicht der Aufführung war Iris Berben, die als „Frau M.“ eine Marienfigur von heute spielte. Sie verzichtete auf jede szenische Darstellung und rezitierte lediglich die Lyrik des Zeitgenossen Wolfgang Teichert. Die Monologe genossen dieselbe Freiheit wie das ganze Werk; mitunter flossen moderne Begriffe mit ein, Frau M. nennt ihr Kind einmal „Migrant“. Später ärgert sie sich über die Andersartigkeit ihres Sohnes und fragt gen Himmel: „Und was tut dieser Vater? Die Sorge habe ich. Alleinerziehend.“
Hier scheint die Lyrik etwas barsch und gezwungen an die Gegenwart anknüpfen zu wollen, was jedoch im Kontext des ganzen Werkes kaum störend wirkt, da es eine sehr pluralistische Auseinandersetzung mit der Figur Marias nicht nur fördert, sondern fordert. Anders kann der Zuhörer die akustischen und optischen Reize, die auf ihn einwirken, auch kaum verkraften. Die Sprache zitiert Meister Eckhart genau wie Rainer Maria Rilke und eben Wolfgang Teichert, die Musik bedient sich der Gregorianik des Charter Bischofs Fulbert, dem das Werk gewidmet ist, und schlägt die Brücke zur Moderne.
Hier zeigt sich die Qualität des Komponisten, denn seine Musik nutzt alle zeitgenössischen Freiheiten, verliert aber nie den roten Faden aus den Augen. Die meisterhaft in das Geschehen eingepassten Interludien, gespielt von Emmanuelle Bertrand am Violoncello und dem Komponisten selbst auf der Blockflöte, verliehen dem Stück meditative Kraft und Ruhe. Die Ruhe war immer wieder Thema, dreimal sangen Knaben des Kölner Domchores „Je suis le silence“ (Ich bin die Stille) in den Kirchenraum.
Im Kontrast zur stets besungenen Ruhe stand die Bewegung der Akteure, die von immer neuen Positionen im Dom sangen, sprachen und spielten. Diese Bewegung fand sich wieder im bewegten blauen Scheinwerferlicht, in das der Kirchenraum im Wechsel mit einem satten Rot getaucht wurde. Das Blau der Maria wurde durch die Bewegung zugleich zum Blau des Meeres.
„Stella Maris“ bedeutet „Meeresstern“ und ist schmückendes Beiwort für Maria. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch eine auf die Chorwand projizierte Wasseroberfläche, auf der die Musik visualisiert wurde.
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