Erkrath: Einsteigen und wohlfühlen
VON LISA-MARIE SCHNELL - zuletzt aktualisiert: 04.08.2011Erkrath (RP). Reportage Mehr als 10 000 Fahrgäste haben den Erkrather Bürgerbus bereits benutzt, um aus ihren Wohngebieten in die Innenstadt zu kommen. Die Fahrer sind sehr beliebt und wollen so oft wie möglich ans Steuer.
Man kennt sich im Erkrather Bürgerbus. "Moin!", grüßt Fahrer Fred Hartenhauer und hilft den Fahrgästen beim Verstauen der Einkäufe. Auch der Anschnallservice ist in den 1,50 Euro Fahrpreis inbegriffen, im Bürgerbus herrscht Gurtpflicht. Der Polizist im Ruhestand ist seit Gründung des Bürgerbusses als Fahrer dabei und sagt: "Es macht Spaß."
Jürgen Hampel, Initiator des Projekts und selbst manchmal hinterm Steuer, fügt lachend hinzu: "Manche Fahrer sind regelrecht fahrbesessen." Die Fahrgäste, meist Senioren, schätzen die familiäre Atmosphäre im Bus. Irmgard Lehbach findet die Busfahrer "ausgesprochen nett und hilfsbereit." "Einmalig gut", lautet ihr Fazit zum Bürgerbus. "Halt!" ruft ein Fahrgast, wohl in der Befürchtung, nicht rechtzeitig an der Haltestelle rausgelassen zu werden. Fred Hartenhauer reagiert und fährt rechts ran. "Der Bürgerbus fährt eine schöne Strecke und der Preis ist günstig, da kann man nicht meckern", erzählt Ursula Jahn. "Auch die Fahrer sind alle sehr nett."
Verlust gering
Etwa 1000 Alt-Erkrather pro Monat nehmen die Möglichkeit wahr, sich aus den Wohngebieten in die Innenstadt chauffieren zu lassen. Vor kurzem konnte der 10 000ste Fahrgast begrüßt werden.
Ursprünglich war mit einem Verlust von bis zu 10 000 Euro im Jahr gerechnet worden. Zuletzt waren es jedoch nur 1700 Euro.
Eine Runde durch Erkrath hat mittlerweile 40 Haltestellen.
Vor allem die neue Route kommt bei den Erkrathern sehr gut an. Seit Mitte Juni fährt der Bus auf seiner Runde mehrmals durch das Zentrum. "Ohne den Bus müsste ich immer das Taxi nehmen und käme gar nicht mehr in den Ortskern", sagt Marga Schilling, die den Bürgerbus fast täglich nutzt.
Rheinbahn mit im Boot
Neben Erkrath bieten auch Städte im Umkreis den Service an. Wuppertal und Velbert verfügen jeweils über zwei Bürgerbusse, in Heiligenhaus ist einer in Planung. Der Erkrather Bus ist jedoch der Erste, bei dem die Rheinbahn mit ins Boot geholt wurde. An der nächsten Haltestelle steigt Marga Schilling aus und Dieter Spinrath nimmt im Bus Platz. Er ist Mitglied im Bürgerbusverein. "Ich fahre auch ganz ordentlich", schallt es vom Fahrersitz. "Und ich halte mich ordentlich fest!", kontert Dieter Spinrath. Wo ein normaler Linienbus passen muss, kommt der Bürgerbus noch mühelos hin. Besonders die engen und steilen Straßen in den Wohngebieten kann er abfahren und erspart so den Senioren den Fußweg.
"Ich komme aus Unterbach", sagt Fahrer Fred Hartenhauer, der sich in Erkrath aber trotzdem gut auskennt. "Deshalb der dezente Hinweis an meinem Sitz." erklärt er grinsend und deutet auf eine leuchtend gelbe Umhängetasche mit der Aufschrift "Düsseldorf". "Du kannst froh sein, ein Visum bekommen zu haben", ruft der Kollege Jürgen Hampel. Die Stimmung ist blendend und versprüht die Atmosphäre einer Stadtrundfahrt durch Alt-Erkrath.
Die nächsten Bürger steigen zu und zwischen Fahrgästen und Fahrer kommt ein Gespräch über Reifen und Autofelgen auf – im Linienbus kaum denkbar. Zweimal seien schon Kontrolleure der Rheinbahn eingestiegen. Die Fahrer des Bürgerbusses sitzen ehrenamtlich hinterm Steuer. Werktags gibt es drei Schichten à drei bzw. vier Runden, am Samstag wird nur ein Fahrer benötigt. Der Bouleplatz ist sowohl Anfangs- als auch Endstation der Route. Fred Hartenhauer hilft den letzten Mitfahrenden beim Aussteigen und übergibt den Bus an seine Ablöse Rudi Birkenstock, der schon mit den nächsten Fahrgästen am Erkrather Bouleplatz wartet.
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