Erkrath: Erfolgreiches Kirchenasyl
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 21.02.2009Düsseldorf (RPO). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lenkt ein: Die afghanische Familie Sharifi erhält ein Asylverfahren in Deutschland. Vier Wochen versteckte die evangelische Gemeinde Hochdahl Eltern und Kinder vor den Behörden.
Das Kirchenasyl der afghanischen Familie Sharifi im Paul-Schneider-Haus in Erkrath ist nach vier Wochen beendet. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg hat angekündigt, die Familie werde nicht nach Italien abgeschoben, das Asylverfahren werde in Deutschland stattfinden. Eine entsprechende Mitteilung erhielt der Rechtsanwalt der Familie, der Erkrather Peter Knitsch, überraschend am Mittwochabend.
Behörde respektierte das Asyl
Der evangelische Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann teilte den glücklichen Ausgang des Streits mit der Ausländerbehörde des Kreises Mettmann gestern mit. Vier Wochen hatte die evangelische Kirchengemeinde Hochdahl den beiden Erwachsenen und den drei Kindern im Paul-Schneider-Haus sogenanntes "geheimes Kirchenasyl" gewährt. Pfarrer Volker Horlitz zeigte sich erleichtert – nicht zuletzt deshalb, weil der Kreis Mettmann trotz eines Haftbefehls das Asyl respektiert habe.
Wie es weitergeht
Die Familie erhält eine Aufenthaltsgestattung.
Im Asylverfahren wird geprüft, ob in Afghanistan für sie Gefahr für Leben oder Freiheit besteht.
Die Familie wird voraussichtlich im Übergangsheim wohnen.
Die Kinder gehen zur Schule, die Eltern erhalten keine Arbeitsgenehmigung.
Die älteste Tochter Sonya (17) besuchte das Hochdahler Gymnasium von Schulleiter Dieter Smolka. Der Sohn Soheil (15) geht auf die Carl-Fuhlrott-Schule und die jüngere Tochter Sameera (10) auf die Sechseckschule. Die Eltern besuchten einen Deutschkurs bei der Volkshochschule. In der gemeindeeigenen Wohnung lebte die Familie bei heruntergelassenen Rollläden aus Angst vor Entdeckung.
Horlitz sagte gestern: "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen." Besonders gefreut habe ihn die tatkräftige und spendenfreudige Unterstützung durch die Gemeinde. Superintendent Frank Weber aus Haan wünscht sich, dass von diesem Geist im Sinne von Dietrich Bonhoeffer und Edith Stein auch künftig wieder mehr in der Kirche zu spüren sein werde. Rechtsanwalt Knitsch räumte gestern ein, der Bescheid vom Mittwoch habe ihn überrascht. "Das war wie ein Wunder." Er ist überzeugt, erst das Kirchenasyl habe diesen Umschwung bei den Behörden ermöglicht. Er setzt nun alle Hoffnungen in das Asylverfahren. Knitsch ist überzeugt, die Behörden in Afghanistan seien nicht in der Lage, westlich orientierte Menschen wie die Sharifis vor den Taliban zu schützen.
Erika Koch vom Freundeskreis Flüchtlinge zeigte sich gestern sehr erleichtert. Zusammen mit Irmtrud Piegeler und Gitta Wolfseher hat sie sich um die Familie gekümmert. Wolfseher hat jeden Morgen die Kinder zur Schule gefahren. Irmtrud Piegeler erzählte, ihr sei es darum gegangen, der Familie das Gefühl von Geborgenheit zu geben. Sonya Sharifi dankte gestern alle, die in den letzten Wochen geholfen hatten – auf Deutsch.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum