Erkrath: Erkrath gut behandelt
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 06.02.2007Düsseldorf (RPO). Dr. Ludger Stratmann hatte mit seinem Programm „Machensichmafrei, bitte“ in Erkrath ein volles Haus.
Zuschauer bat den Kabarettisten, ein wenig „langsamer“ zu sprechen.Dr. Ludger Stratmann
Geboren am 23.Juli 1948 als achtes von neun Kindern in Verl (Westfalen). Die Jugend und Schulzeit verbrachte er in Essen, machte eine Sparkassenlehre, anschließend Abendgymnasium und Studium der Medizin.
Als Allgemeinmediziner ließ er sich bis 2002 in Bottrop nieder. Bereits 1988 wurde Stratmanns Theater in Essen konzipiert, dort und auf vielen anderen Bühnen praktiziert er seitdem mit seinen von Medizinsatire und Ruhrpottslang geprägten Programmen.
Husten, Gliederschmerzen, Triefnase, die Diagnose war schnell gestellt: Grippaler Infekt. Die Hausärztin verordnete Bettruhe. Und der Patient hielt sich daran. Jedenfalls bis 19.30 Uhr. Um 20 Uhr hatte er nämlich noch einen Arzttermin, den er unbedingt einhalten wollte. Bei Doktor Stratmann in der ausverkauften Erkrather Stadthalle. Und er tat gut daran. Das Programm „Machensichmafrei, bitte“ war so starke Medizin, dass es die Krankheitssymptome für gut zweieinhalb Stunden vergessen ließ.
„Boa, is datt voll hier“
Zum Auftakt lässt Stratmann die Erkrather als Kleingärtner Jupp an der Hauptversammlung des Kleingartenvereins Bottrop-Batenbrock-Süd teilhaben und herrschte Zuspätkommende gleich an, dass er sich doch pünktliches Erscheinen zur Versammlung erbeten habe. Erzählt in bestem Kohlenpottslang von den Problemen, mit denen sich die Gärtner rumschlagen, beispielsweise der Schneckenjagd, bei der jede Menge Pils draufgegangen ist. Dann aber wechselte Stratmann in den Bereich, in dem er als praktizierender Arzt viele Jahre Erfahrungen sammelte: ins Wartezimmer.
„Boo, is datt voll hier. Wen war der Letzte?“ - ja, mit der Grammatik nimmt er es nicht so genau. Aber das ist genauso Programm wie das Schnellsprechen, mit dem ein Besucher sichtlich seine Probleme hat: „Ein bisschen langsamer bitte“ ruft er auf die Bühne hinauf.
Als Jupp begrüßt Stratmann imaginäre Bekannte im Wartezimmer, bezieht Leute aus dem Publikum als Stichwortgeber ein und mosert über Gott und die Welt. „Jetzt wartese schon eine Stunde“, murmelt er vor sich hin. „Stell dir mal vor, du wartest eine Stunde und hast nix“, fügt er empört hinzu und meckert weiter vor sich hin.
Auch der Verballhornung der deutschen Sprache nimmt sich der Jupp an. Hier werde ich geholfen. Ich wünsche Sie ein schönes Wochenende. Geiz ist geil. „Geil, das Wort hab ich früher mit hochrotem Kopf meiner Geliebten unter der Bettdecke ins Ohr geflüstert. Und wie sie dann reagiert hat, das war geil“, gesteht er. Er berichtet von den Eskapaden der Oma Schmalzick, die immer kurz vor dem Atemstillstand stand.
Von Tante Leni, die ihn als Kleinkind dauernd knutschte und ihm die Lust am Küssen vermieste. „Die hatte so wulstige Lippen wie vier Strauchtomaten. Seitdem krieg ich immer Asthma, wenn ich Strauchtomaten sehe“. Und natürlich sei für ihn später nur eine schmallippige Frau in Frage gekommen, gesteht er.
Pointen auf der neuen DVD
Und er erzählt von einem Freund, der seine vierte Frau im Wartezimmer kennen gelernt hatte, die aber schon zwei Jahre später unter der Erde war.
Er habe ihn damals gewarnt, berichtet Jupp: „Ich hab gesagt, nimm keine Frau aus dem Wartezimmer, die sind angekränkelt“. Ohne Zugabe ließen die Erkrather Dr. Stratmann nicht gehen, und geschickt brachte er noch einen Gag, ohne die Pointe zu verraten: „Die findet ihr auf meiner neuen DVD“
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