Mettmann: Evolution auf Tour
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 28.10.2009 - 19:00Düsseldorf (RPO). Das Neanderthal Museum sieht die Lehre von der Entwicklung der Arten gegen die Bibel in der Defensive. "EVOLUTIonTOUR" soll die Wissenschaft Darwins spielerisch vor allem Kindern begreifbar machen.
Darwins Evolutions-theorie geht auf Reisen. In zwei Übersee-Containern werden die Grundsätze der wissenschaftlichen Theorie von der Entwicklung der Arten anschaulich erläutert. Gestern eröffneten der Vorstand der Stiftung Neanderthal Museum, Gert Kaiser, und Museumsdirektor Gerd C. Weniger die Ausstellung "EVOLUTIonTOUR" im Beisein von geladenen Gästen und vielen Schülern. Sie soll bis Ende 2010 auf öffentlichen Plätzen zu sehen sein.
150 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Darwins "Über die Entstehung der Arten" und 200 Jahre nach der Geburt des weltberühmten Forschers sehen Kaiser und Weniger die wissenschaftliche Lehre und Forschung von der Entwicklung des Lebens auf unserer Erde in der Defensive. Vor allem in den USA greifen die Ideen sogenannter Kreationisten um sich, welche die Evolutionslehre ablehnen und darauf bestehen, dass Gott die Erde und alle Lebewesen geschaffen hat.
Geöffnet
Zehn Standorte für die Ausstellung in NRW stehen bereits fest.
Die Ausstellung ist im November am Neanderthal Museum zu sehen an den Wochenenden von 10 - 18 Uhr. Für Schulen dienstags und donnerstags 10 - 13 Uhr.
Fitness, Sex, Zufall, Mutation
Die Ausstellung, an der die stellvertretende Leiterin des Neanderthal Museums, Bärbel Auffermann, mit ihrem Team zwei Jahre lang gearbeitet hat, soll vor allem jungen Menschen spielerisch verdeutlichen, was Evolution ist. Sie soll die Rolle erklären, die Fitness, Sexualität, Partnerwahl, Zufall und Mutation bei der Entwicklung der schier unendlichen Zahl der Lebewesen gespielt haben.
Besucher können den Urknall hören, wie sich Wissenschaftler ihn heute vorstellen, können die Zeit rückwärts drehen, die sexuellen Gewohnheiten von Tieren entdecken. Etwa: "Er sucht ihn, Freundin kein Hinderungsgrund." Was sich dahinter verbirgt, sieht der Betrachter, wenn er die Kugel, in der diese "Anzeige" zu lesen ist, umdreht: Es geht um Graugänse, bei denen Homosexualität nicht ungewöhnlich ist.
Der Europarat hat 2007 in einem Bericht "The Dangers of Creationism in Education" auf die Gefahren durch kreationistische Bestrebungen für das Bildungssystem Europas hingewiesen und einen Aktionsplan gegen diese Einflüsse gefordert. Der Europarat sieht Anzeichen für die Entstehung einer antiwissenschaftlichen Haltung in der Bevölkerung und warnt vor der Verbreitung kreationistischer Irrlehren in den Schulen Europas. Museums-Chef Weniger wies warnend auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa hin, nach der 37,5 Prozent der deutschen Bevölkerung dem Gedankengut der Kreationisten nahe stehen. Weniger: "Wir brauchen eine stärkere Hinwendung zu den Naturwissenschaften."
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