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Kreis Mettmann: Fest der toten Dichter

VON MONIKA SPANIER - zuletzt aktualisiert: 01.09.2007

Düsseldorf (RPO). Im Gebäude der Kreispolizei Mettmann stellen 14 Freizeitkünstler des Malkreises Johannes-Haus aus. Die Werke lassen innere Freude spüren und viel individuelle Begeisterung für das künstlerische Gestalten.

Künstlerin Uschi Plasa (l.) erklärt der Besucherin Birgit Kuhnen ihr Bild „Blütenzauber“. Es ist eines von vielen Kunstwerken zwischen Realismus und Abstraktion. Foto: RPO

Die Kulturinitiative Unterfeldhaus klärt mit einem neuen Projekt über Straßennamen auf. Literarische Entdeckungstour mit Lesungen und Musik. Auch Dieter Prochnow kommt.

Vierzehn Freizeitkünstler stellen bis zum 28. September ihre Werke im Gebäude der Kreispolizeibehörde Mettmann aus. Ihr „Tatort“ ist nur wenige hundert Meter entfernt: Der Malkreis des Johannes-Hauses an der Düsseldorfer Straße trifft sich schon seit 30 Jahren jeden Montag zum gemeinsamen kreativen Schaffen. Viele Mitglieder sind schon mehrere Jahre, manche sogar jahrzehntelang dabei. Die Resultate sind es wert, einmal der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

Farbenfrohe Blumenmotive wie die großen Mohnblüten in Rot-Orangetönen von Uschi Plasa, bunte Landschaften und Stillleben in Acryl- oder Aquarelltechnik schmücken das Foyer. Im ersten Stock des Dienstgebäudes zeigt sich Traditionelles ebenso wie Experimentierfreudiges. Exotische Urlaubslandschaftsmotive sind hier ebenso zu finden wie grafisch-abstrakte Bildserien. Eindrucksvolle Farbgebung zwischen Realismus und Abstraktion fällt etwa bei den szenischen Darstellungen von Elisabeth Mann ins Auge.

Info

Ab Montag Vorverkauf Ausstellung im Foyer

Was? Projekt „Dichterstraßen-Straßendichter“

Wo? Garten-Center Wächter, Max-Planck-Straße

Wann? So, 18. November, 18 Uhr

Eintrittskarten? 8 Euro

Vorverkauf? Ab Montag, 3. September, bei Schreibwaren Siebert, Buchhandlung Weber und GartenCenter Wächter (Vorrat begrenzt)

Kunstausstellung: Die Werke des Malkreises Johannes-Haus sind der Öffentlichkeit bis Samstag, 28. September, täglich von 9-18 Uhr, zugänglich.

Werke: Es handelt sich um exotische Urlaubslandschaftsmotive ebenso wie um grafisch-abstrakte Bildserien.

Ausstellungsort: Foyer der Kreispolizeibehörde Mettmann, Adalbert-Bach-Platz 1.

Warum male ich?

Warum male ich eigentlich? Antworten auf diese Frage ziehen sich als roter Faden durch die gesamte Ausstellung. „Weil es mir Spaß macht, wäre als Antwort zu wenig“, empfindet Werner Koll. „Ich habe dabei eine unbeschreibliche innere Freude, die noch gesteigert wird, wenn im Umfeld ein ähnliches Interesse spürbar ist.“ Für Ingrid Müller bilden Sehnsucht, Lebenserfahrung und Hoffnung das Fundament ihrer Bilder. Erst mit 73 Jahren entdeckte sie das Malen als wunderbares neues Hobby. Hinter dem Offensichtlichen das Wesen ihrer Motive herauszuarbeiten ist das Bestreben von Edith Nordsieck. Bei Gisela Born ist es dagegen die pure Lust an der bunten Welt der Farben, die sie zum Pinsel greifen lässt. „Ohne Farben wäre mein Leben grau“, sagt auch Johanne Margarete Lohse. Für sie macht die Malerei gute Zeiten noch besser und spendet in schlechten Zeiten Trost. Elisabeth Mann war schon in ihrer Kindheit von Kunst beeindruckt. Nun macht es ihr Freude, langsam die Geheimnisse der Techniken zu ergründen. Ina Guischard findet vor allem das Arbeiten in der Gruppe bereichernd.

Anregungen und Erfahrungen werden weitergegeben, neue Techniken ausprobiert und auch das persönliche Gespräch kommt nicht zu kurz. Während die einen konsequent an ihrem eigenen Thema arbeiten und ihre Motive mitbringen, freuen sich andere über Anregungen von Eva Koch. Sie leitet die Gruppe seit sieben Jahren. Ihre persönliche Begeisterung für die Kunst und fürs Malen wirkt ansteckend. „Ich empfinde es als Freude, meine Kenntnisse weiterzugeben. Dabei erweitern sich nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern oft auch die Sichtweisen.“ Gemalt wird in Aquarell oder Öl, in Acryl oder mit Pastellkreide.

Als Stadtteil der Dichter und Denker wird sich Unterfeldhaus beim nächsten Projekt der Kulturinitiative vorstellen. Ob Gerhart Hauptmann, Theodor Fontane, Peter Rosegger oder Heinrich von Kleist, Friedrich Hebbel oder Wilhelm Raabe – insgesamt sind es 25 Größen der Literaturgeschichte, an die Straßenschilder im Wohngebiet zwischen Ankerweg und Max-Planck-Straße erinnern.

Den „Club der toten Dichter“ wollen die Ehepaare Ilse und Werner Kretschmer sowie Regine und Richard Hübner als Initiatoren zu neuem Leben erwecken. Unter dem Motto „Dichterstraßen – Straßendichter“ werden vier Persönlichkeiten besonders herausgehoben. Rainer Maria Rilke (1875-1926), der aus Prag stammende österreichische Lyriker, wird mit seiner außergewöhnlichen Liebesbeziehung zu Lou Andreas-Salomé vorgestellt.

Mit der weit gereisten Intellektuellen, die eine verheiratete Frau war, verband Rilke eine intensive Beziehung. Sigmund Freud sah in der Freundin Muse und Mutter zugleich. Rilke begleitete die Angebetete auf einer Russlandreise nach Moskau und St. Petersburg. Gottfried August Bürger (1747-1794) werden die Unterfeldhauser als einen „jungen Wilden“ des Sturm und Drang kennen lernen.

Sein Name ist untrennbar mit den Abenteuern des Baron von Münchhausen verbunden – den Lügengeschichten. Carl Zuckmayer (1896-1977), der in Mainz als Sohn eines Fabrikanten für Weinflaschenkapseln aufgewachsen ist, wird mit einer Szene aus seinem wohl populärsten Werk vorgestellt: „Hauptmann von Köpenick“. Der Autor des „Fröhlichen Weinbergs“ oder des „Teufels General“ (großartig verfilmt von Helmut Käutner mit Curd Jürgens in der Hauptrolle) oder der Seiltänzerkomödie „Katharina Knie“ musste in der Zeit des Nationalsozialismus ins Exil flüchten.

Erich Kästner (1899-1974) wird sich nicht nur als Kinderbuchautor empfehlen, so liebenswert seine Romane wie „Pünktchen und Anton“, „Das doppelte Lottchen“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“ auch sind. Kästner, der in Leipzig, Berlin und München lebte, war Autor von Unterhaltungsromanen ebenso wie unerbittlicher Moralist. Unter den Nationalsozialisten wurden seine Werke verbrannt.

Leute treffen

Aus den Werken dieser vier Dichter lesen Dieter Prochnow, Peter Welk, Janin Roeder sowie ein Überraschungsgast. Piano-Jazz machen Dr. Roland Koschmieder und Richard Hübner. Nach der Lesung ist Gedankenaustausch beim „Dichter-Straßenfest“ mit Essen, Trinken und Leute treffen.

Quelle: RP

 
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