Erkrath: Gefahr für die Pipeline
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 15.10.2009Düsseldorf (RPO). Bürger haben eine Karte mit Bombenabwürfen und Stellungen der Wehrmacht in Erkrath erstellt. Sie vermuten, dass dort immer noch Munitionsreste oder Blindgänger liegen, die die bereits verlegte CO-Pipeline gefährden.
Nach Recherchen der Interessengemeinschaft Erkrath könnte die in Erkrath fertig verbaute CO-Pipeline zum Teil eventuell in ehemaligen Schützengräben und Bombenteppichen liegen. Wolfgang Cüppers und seine Mitstreiter haben nicht nur in den Archiven geforscht, sondern auch mit Zeitzeugen gesprochen, die zum Teil selbst in Flakstellungen versucht haben, die englischen Bomber zu bekämpfen.
Als gesichert gilt: Im Zweiten Weltkrieg hat es 30 Luftangriffe auf die damalige Gemeinde Erkrath gegeben. Dabei wurden 8226 Stab-Brandbomben und 1326 jeweils rund 14 Kilo schwere Phospor-Bomben auf Erkrath abgeworfen. Dazu kamen 111 Sprengbomben sowie Leuchtbomben und Blindgänger der Flugabwehr. Durch die Bomben starben in Erkrath elf Menschen und 23 Gebäude wurden komplett zerstört. "Nach unseren Recherchen ist nach dem Krieg nicht gezielt nach Bomben- und Munitionsresten gesucht worden", sagt Cüppers. Akten vom Munitionsfunden gebe es nur, wenn Bürger oder Bauunternehmer Reste gefunden haben. Die IG-Erkrath hat nun einen Stadtplan angefertigt, der aufzeigen soll, wo die Gemeinde Erkrath durch Bombenabwürfe betroffen war. Mit dem Material soll die Stadt nun bei der Bezirksregierung vorsprechen, deren Hausaufgaben man quasi erledigt habe.
Daten und Fakten
Die Pipeline ist 67 Kilometer lang und verbindet die Bayer Werke Uerdingen und Dormagen.
Die mit Kunststoff ummantelten Stahlrohre sind in 1,40 Meter Tiefe verlegt. Vorgeschrieben ist nur ein Meter.
Der Druck beträgt 13,5 bar, ausgelegt ist die Leitung aber für 100 Bar.
Reste in der Erde
Die IG Erkrath geht davon aus, dass heute noch Munitions- oder Bombenreste in der Erde liegen und unerkannt eine potentielle Gefahr für die in 1,40 Meter Tiefe liegende CO-Pipeline darstellen könnten. Denn: Eine gezielte Suche nach Munitions- und Bombenresten habe es nach dem Krieg nicht gegeben. "Generell konnte in den Akten nichts festgestellt werden, dass irgendwo in Erkrath gesucht worden ist. Es gibt nur Akten, wenn Bürger etwas gefunden hatten." Aktenkundig ist etwa der Munitionsfund eines Zwölfjährigen im Jahr 1972 in der Nähe des Stinderbachtals. In den Quellen gefunden wurden auch Angaben eines englischen Soldaten, der nach dem Krieg damit beauftragt wurde, Handgranaten zu räumen. Statt die abzutransportieren habe er sie acht Fuß tief im Boden vergraben.
"Das war zwar abseits der heutigen Pipeline, aber wer sagt uns, dass woanders nicht ebenso vorgegangen wurde", sagt Cüppers. Das wäre alles nicht so tragisch, wenn vor dem Bau der Pipeline nach Kampfmitteln gesucht worden wäre. Doch Wingas und Bayer haben einräumen müssen, den Bau in einigen gefährdeten Abschnitten ohne Prüfung vorangetrieben zu haben. Insgesamt gibt es nach Angaben der Bezirksregierung entlang der 67 Kilometer langen Trasse nach Luftbildaufnahmen insgesamt 14 Verdachtsfälle, die fast ein Viertel der Baufläche betreffen. Dazu gehört ein ehemaliger Laufgraben der Wehrmacht entlang der Autobahn 3 an der Ohligser Heide. Regierungspräsident Jürgen Büssow kündigte vor kurzem an: "Zur Not wird das von Hand ausgebuddelt. Bei Kampfmitteln höre der Spaß nun wirklich auf." Die Bezirksregierung möchte den Betreibern nichts durchgehen lassen, "wo irgendeine Sicherheitsfrage offen bleibt". Vor dem Bescheinigen der Kampfmittelfreiheit dürfe die CO-Leitung nicht in Betrieb genommen werden. Auch Bodenbewegungen und Eingriffe in den Boden seien bis dahin verboten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum