Mettmann: Gemalte Mahnmale
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.11.2006Düsseldorf (RPO). Itzchak Belfer zeigt in der Sparkasse beeindruckende Bilder.
Als Kind hat er im Warschauer Waisenhaus von Janusz Korczak gelebt. Ein Porträt heißt: „Der letzte Weg“.WÜLFRATH „Ich lebe in der Zeit damals und ich lebe in der jetzigen Zeit“, sagte Itzchak Belfer. Gestern morgen baute der Maler und Bildhauer aus Tel Aviv (geboren 1923) seine Ausstellung gemeinsam mit Pfarrer Klaus-Peter Rex in der Kreissparkasse Goethestraße auf. 30 großformatige Exponate – 20 Originale in Öl, Tusche oder Aquarell und zehn laminierte Fotokopien – werden bis Donnerstagabend, 9.November, in der Schalterhalle zu sehen sein. Die Lebhaftigkeit und die warme Herzlichkeit des junggebliebenen ehemaligen Zöglings von Janusz Korczak bestechen.
„Korczak lebt in mir. Was er sagte, ist so aktuell in der Erziehung. Er kämpfte für die Anerkennung der Rechte der Kinder“, stellte er fest, um anschließend aus einem Brief Korczaks an Josef Arnon, Lehrer im gleichen Waisenhaus im Warschauer Ghetto, zu zitieren. „Der Glauben an das zukünftige Leben muss mit dem Kind verbunden sein – wie die Hoffnung mit der Quelle.“ Die Bilder in der Schalterhalle machen den Spagat deutlich, in dem Belfer, der die Zeit von 1930-1938 in dem Kinderheim verbrachte, lebt. Sein künstlerisches Thema ist Kinderarzt und Waisenhausleiter Dr. Janusz Korczak, sind die Kinder, die ihn umringen, ist die Enge des Warschauer Ghettos.
Veranstaltungen
Veranstaltungen mit Itzchak Belfer:
Dienstag, 7. November, 18 Uhr, Gymnasium, Kastanienallee, Gespräch Belfern mit Schülern über den Holocaust.
Mittwoch, 8. November, 18 Uhr, Stadtkirche, Vortrag Belfer über Kinderheim Dom Sierot.
Freitag, 10. November, 19.30, Gemeindezentrum Süd, Tragical „Im Schatten der Mauer –Janusz Korczak“.
Die Aufführung 9. November, ist ausverkauft.
Verängstigte Kinderaugen
„Die Bilder müssen eigentlich wie ein Triptychon zusammen hängen“, zeigte er auf drei expressive Bilder, die möglicherweise bald im Gymnasium hängen werden. Dargestellt sind das Waisenhaus mit Erzieherin Stefa, Korczak im Ghetto mit Kindern, schließlich die Kinder in einem düsteren Pulk vor einem Güterzug zum Abtransport nach Treblinka. Große verängstigte Kinderaugen blicken Betrachten von vielen Bildern an. Kinderarme strecken sich zu Korczak hoch, der seine Arme beschützend um die ihn umringenden Kinder legt.
Korczak ist zudem auf verschiedenen Porträts zu sehen. „Der letzte Weg“, nennt Belfer eine Tuschezeichnung, die Korczak und die Kinder, August 1942, zusammengepfercht auf dem Weg zum Vernichtungslager zeigt. „So sah es im Ghetto aus. 400 000 Juden, so viele Menschen auf kleinem Raum“, deutete Belfer auf eine Szenerie, mit er die von Menschen überfüllten Straßen und Häuser festhielt. Alle Bilder sind zu erwerben. Schwarz-weiß Kopien kosten 50 Euro, farbige 100 Euro, Originale 1000 bis 3000 Euro. Für einige Bilder gibt es bereits Interessenten.
Als Rex bei der Sparkasse nach einer Ausstellungsfläche nachfragte, stieß er auf spontane Zustimmung. „Kein Problem“, sagte Bernhard Lück, Leiter Öffentlichkeitsarbeit. Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff hieß gestern Belfer bei den Aufbauarbeiten Willkommen. Belfers nächste Ausstellungsorte sind Wuppertal und London.
In Wülfrath wird zurzeit diskutiert, das Gymnasium nach Janusz Korczak zu benennen. Laut Pfarrer Rex gibt es in Deutschland mehrere Grundschulen und ein Gymnasium, die den Namen tragen.
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