Mettmann: Gesundheit: Reform unter Lupe
VON SABINE SCHÖLING - zuletzt aktualisiert: 20.10.2006Düsseldorf (RPO). Podiumsdiskussion zur Gesundheitsreform im Evangelischen Krankenhaus. Experten befürchten, Krankenversicherte werden verstärkt die Kassen wechseln. CDU Stadtverband lud ein.
Gut 546 Seiten stark ist der neue Gesetzentwurf, hinter der sich die viel diskutierte Gesundheitsreform verbirgt. Volker Eichert, Vorstand des CDU Stadtverbands Mettmann, hatte zu einer Podiumsdiskussion im evangelischen Krankenhaus geladen, um Eckpunkte des Gesundheitskompromisses zu klären.
Vertreter der Gesundheitsverbände erklärten das Verfahren zur „Farce“, denn der Zeitraum von nur drei Tagen, nachdem der umfassende Entwurf aus Berlin auf die Tische geflattert war, sollte bis zur Debatte ausreichen, um den „Stoff“ zu verstehen.
Gesundheit muss was wert sein
Kürzen
Der Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform ist am vergangenen Donnerstag vorgelegt worden.
Ab 2007 werden Krankenhäuser Rechnungen an Kassen um 0,7 Prozent kürzen müssen, gleichzeitig steigen die Kosten der Krankenhäuser um 5 – 6 Prozent.
Kernfrage bei der Diskussion am Mittwoch abend war, ob es den Versicherten nun durch die Reform an den Kragen gehe. „Die Gesundheit muss einem was wert sein!“, sagte Eichert. Doch die Details gäben wahrlich Grund zur Debatte und Orientierungslosigkeit.
Die „Kopfpauschale“ für alle Versicherten war ein Thema dabei: Für jeden „Normalgesunden“ sollen die Kassen mit einem einheitlichen Satz ausstaffiert werden, für Schwerkranke mit besonders teurer Behandlungsnotwendigkeit ist eine „Prämie“ vorgesehen. Hier wird befürchtet, dass trotz gewollter Gerechtigkeit eine Versichertenwanderung stattfindet wird, wie man in Holland erlebt hat.
Verschärfter Wettbewerb
Also ein verschärfter Wettbewerb auch aus Imagegründen unter den Kassen. Mehr Transparenz, weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung der Versicherten und Belohnung für Teilnahme an „Check-up“, Vorsorge und Therapieverhal ten – „Viel Vergnügen bei zukünftigen Prozessen deswegen“ wünschte Rudolf Henke den Juristen angesichts der Komplexität der Details.
Eine verbesserte Verknüpfung der Schnittstellen zwischen Ambulanz, Station und Rehabilitation stehen weiterhin auf dem Plan, auch ein Rückkehrrecht Versicherter in die letzte Versicherung ist angedacht. Ab 2009 werden Ärzte eine Gebührenordnung mit festen Euro-Beträgen einhalten müssen. Insgesamt wird befürchtet, dass die Qualität der medizinischen Versorgung nachlässt durch die Reform.
Bernd Huckels, Leiter des evangelischen Krankenhauses in Mettmann sieht durch Druck der Kassen und Kostensteigerung eine Mehrbelastung von 500 Millionen Euro auf die Krankenhäuser zukommen.
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