Mettmann: Gottesdienst an der Fundstelle
VON ELLEN KOLLENDER - zuletzt aktualisiert: 18.09.2006Düsseldorf (RPO). Zum Ökumenischen Gottesdienst hatten evangelische und katholische Kirche im Kreis Mettmann eingeladen.
An der Fundstelle hieß die Frage „Schöpfung oder Evolution?“. Christen sehen heute keinen Widerspruch mehr.Als Galileo Galilei zu Beginn des 17ten Jahrhunderts behauptete, die Erde drehe sich um die Sonne und dies wissenschaftlich erklärte, hörte die katholische Kirche das nicht gerne. Ihr geozentrisches Weltbild, nach dem die Erde Mittelpunkt des Universums war, wankte. Galilei kam in Arrest und. Erst 1992 rehabilitierte ihn die römisch-katholische Kirche.
Auch der Fund des Neandertalers vor 150 Jahren stüzte ein Weltbild und entzündete die Streitfrage: Schöpfungsglaube oder Evolutionstheorie? Ist der Mensch ein Produkt des Zufalls und der Naturgesetze oder Werk göttlicher Schöpfung? Diese Fragen standen Samstag im Mittelpunkt eines ökumenischen Open-Air Gottesdienstes. Dort, wo alles begann, an der Fundstelle des Neanderthalers, wagten Neanderthal Museum und Kirchen im Kreis Mettmann den Dialog. Superintendent Frank Weber und Kreisdechant Winfried Motter predigten.
Gott gegen Darwin
„Garten Eden oder Evolution“ war das Thema des ökumenischen Open-Air Gottesdienstes.
Es gibt eine Führung zu diesem Thema. Sie kann über das Neanderthal Museum gebucht werden. % 02104/979715.
Am Mittwoch, 20. September, 18 - 21.30 Uhr lädt das Neanderthal Museum mit der Evangelischen Akademie Düsseldorf ein zur Podiumsdiskussion „Gott gegen Darwin“.
Streit Bibel gegen Wissenschaft
„Das ist ja vielleicht eine Veranstaltung! Dass Christen nie dazu lernen“, empört sich eine Dame im inszenierten Streitgespräch über Schöpfung und Neanderthaler. Wie könne man so einen Platz auswählen, wenn man an die Bibel glaubt? „Da gibt es doch nur eine Schöpfungsgeschichte.“ „Das kommt darauf an, wie man es versteht“, entgegnet man ihr. Schließlich seien mit sieben Tagen nicht sieben mal 24 Stunden gemeint. Die Sieben sei eine Gotteszahl. Sie besage etwas über den Wirkungsbereich Gottes. „Er hat die Chips des Lebens mit Informationen ausgestattet und dafür gesorgt, dass alles so kommt, wie es gekommen ist.“ „Ihr könnt doch nur die Kränkung nicht überwinden, vom Neanderthaler abzustammen“, spottet die Dame.
Die Anwesenden schmunzelten. Aufmerksam verfolgen sie den Streit, der sich neben dem Altar abspielte. „Wir verstehen die Bibel unterschiedlich“, wurde die Frau beschwichtigt. Verstand und Vernunft könnten den Glauben nicht hindern. Die Bibel dürfe sich naturwissenschaftlich irren und trotzdem religiös die Wahrheit sagen.
Schöpfungsglaube und Evolution sind für Christen heute kein Widerspruch mehr, sagte Weber. Die Schöpfungsgeschichte sei keine Welterklärung, sondern Glaubensbekenntnis. Er forderte die Rehabilitierung des Neandertalers, der keineswegs defizitär, wild und unmenschlich war, sondern intelligent und komplex. Auch sprach der Superintendent von einer Überwertung des Menschen und zitierte Dietrich Bonhoeffer: „Wir versuchen ständig über uns, das Menschliche hinauszuwachsen. Gott will, dass wir Menschen sind.“
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