Erkrath: Graffiti soll an Autobahn
VON NINA BOSSY - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Erkrath (RP). Zwischen dem Hildener Kreuz und Erkrath könnte eine Betonwand besprüht werden. Autofahrer würden dann nicht nur ständig eine monotone Mauer sehen. "Bei Laune bleiben, heißt beim Fahren bleiben", sagt der Ministerialrat.
Typisch Autobahn: Monoton hässlich ist die richtige Beschreibung für die große Lärmschutzwand an der A46 zwischen dem Hildener Kreuz und der Abfahrt Erkrath. "Daran könnten Sie etwas mit meiner Hilfe ändern", versprach Bauingenieur Michael Heinze. Der Ministerialrat für Verkehr, Bauen, Wohnen, Wirtschaft und Energie war Referent bei der Diskussions-Veranstaltung zum Thema Graffiti im frei-evangelischen Gemeindezentrum in Unterfeldhaus – und brachte mit seiner Idee eine überraschende Wende in den Abend.
Sprayer dürfen Vorschläge machen
"Langweilige Strecken verstärken die Gefahr, dass ein Sekundenschlaf auf der Autobahn überrascht", erklärte Michael Heinze den 30 Zuhörern. "Bei Laune bleiben, heißt beim Fahren bleiben!" Und mehr: Hinze bot den Erkrathern an, dass die Vorbereitung der Sichtbetonwand für eine künstlerische Gestaltung durch sein Amt durchgeführt und finanziert werden könnte. "Sprechen Sie mit den zuständigen Gremien, suchen Sie junge Künstler und reichen Sie Vorschläge ein."
Dass der Abend, zu dem der Arbeitskreis Tourismus in Erkrath (AkTiE) eingeladen hatte, sich so entwickeln würde, war zunächst nicht zu erahnen. Anfangs gab Wolfgang Schröter, Leiter der Erkrather Polizeiwache, handfeste Tipps, wie man sich längerfristig gegen unerwünschte Graffitis schützen kann. "Rufen Sie die Polizei, erstatten Sie Anzeige und entfernen Sie schnellstmöglich die Farbe, um den Tätern nicht auch noch zu Ruhm zu verhelfen."
Auch Harald Giebels, Justizpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, betonte, dass es sich bei illegalem Sprayen nicht um ein Kavaliersdelikt handelt: "Natürlich hat Graffiti einen soziokulturellen Hintergrund. Aber sie verliert jede Akzeptanz, wenn fremdes Eigentum beschädigt oder verunstaltet wird." Andreas Bialas, SPD-Sprecher im Kulturausschuss des Landtags, kennt die Zahlen: "Verunstaltungen durch Farbschmierereien richten jährlich in Deutschland einen Schaden in Höhe von 200 bis 500 Millionen Euro an."
Illegalen Graffitis vorbeugen und zugleich die Kreativität der jungen Generation nutzen – das Hildener Kreuz als potenzielle Lösung für die Probleme entfachte das Interesse der Anwesenden und entflammte eine Diskussion: Während der eine die graue Wand in Gedanken mit Neandertaler und Museum verziert sah, plädierte eine andere Besucherin "für eine größere Spannbreite und mehr künstlerische Freiheit". Für Zündstoff ist gesorgt. Erkrath debattiert über Graffiti, Abhilfe, Nutzen und ein konkretes Projekt. Lokal und zukunftsträchtig.
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