Erkrath: Grüne wollen Gesamtschule
VON STEPHANIE JOSST - zuletzt aktualisiert: 19.11.2008 - 12:15Düsseldorf (RPO). Auf einer Podiumsdiskussion in Hochdahl fordern die Grünen eine neue Schule in Erkrath.
Jungen und Mädchen aus der Mitte des Kreises Mettmann müssen heute weite Wege in Kauf nehmen.Einen neuen Vorstoß zur Gründung einer Gesamtschule in der Mitte des Kreises Mettmann, in Erkrath, unternehmen derzeit die Grünen. Sollte die geringe Resonanz auf die Informationsveranstaltung der Grünen im Bürgerhaus Hochdahl allerdings das Interesse der Eltern widerspiegeln, steht der neue Anlauf unter keinem guten Stern. Der Einladung folgten mehr Kommunalpolitiker als Erziehungsberechtigte schulpflichtiger Kinder.
Die Grünen und ihr Gastredner Eberhart Kwiatkowski, Schulpflegschaftsvorsitzender der Gesamtschule in Heiligenhaus und Vorsitzender der Landeselternkonferenz NRW, sehen großen Bedarf für diese Schulform. „Im Jahr 2008 mussten landesweit laut Presseberichten etwa 16 000 Schülerinnen und Schüler aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden, kreisweit waren es Hunderte“, erklärte Kwiatkowski.
Neue Gesamtschule
Um eine Gesamtschule zu gründen, sind mindestens 112 Anmeldungen für ein vierzügiges fünftes Schuljahr nötig. Ein neues Gesetz fordert zusätzlich Ausgewogenheit der Empfehlungsschreiben der Grundschulabgänger.
Ein Drittel braucht eine Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums, der Rest muss sich gleichmäßig zwischen Real- und Hauptschule aufteilen.
Die Zahl der Plätze stagniert
„Doch obwohl Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen und auch bei uns im Kreis Mettmann immer beliebter werden, stagnieren die Plätze seit Jahren.“ Die Leidtragenden seien letztendlich die Kinder. Sie müssen, falls sie an einer der fünf Gesamtschulen in Monheim, Langenfeld, Ratingen, Velbert oder Heiligenhaus oder gar in Düsseldorf, Solingen oder Wuppertal angenommen werden, weite Schulwege in Kauf nehmen. Im Falle einer Ablehnung müssten sie auf Gymnasium, Realschule oder Hauptschule ausweichen.
An Gesamtschulen, so sind sich deren Befürworter einig, werde die Chancengleichheit größer geschrieben, als beim klassisch deutschen, mehrgliedrigen Schulsystem. „Deutschland ist Weltmeister im Aussortieren“, sagte die Solingerin Sylvia Löhrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag. „Aber es ist nicht gerecht, bereits für ein zehnjähriges Kind die richtige Schulform auszusuchen.“ Schließlich entscheide die Wahl maßgeblich über die Zukunftschancen des Grundschülers.
Die Grünen setzen auf eine Individualisierung des Lernprozesses. „Voneinander und miteinander Lernen“ laute das Motto. „Das ist in einer Gesamtschule möglich, das beweisen die guten Beispiele in Skandinavien, deren Schulsysteme vorbildlich funktionieren“, ergänzt Löhrmann. Seit der Einführung des Zentralabiturs in NRW sei auch hier amtlich, dass Gesamtschulen entgegen weit verbreiteter Vorurteile gute Bildungsarbeit leisten. „Die Gymnasien lagen lediglich um 0,28 Punkte besser. Das kann man getrost unter den Tisch kehren.“ Ob eine Gesamtschule im mittleren Kreisgebiet errichtet werden kann, hängt vor allem davon ab, ob sich genügend Gesamtschul-Befürworter zusammenfinden, die sich im Stadtrat Gehör verschaffen.
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