Wülfrath: Heimat auf der Wilhelmshöhe
VON FLORIAN TESCHE - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010Düsseldorf (RPO). Seit 75 Jahren gibt es die Siedlung Wilhelmshöhe. Werner Buckard erinnert sich an die Straßenbahn und an den alten Bahnhof. Damals waren die Anwohner noch Selbstversorger mit großen Gärten hinterm Haus.
"Sehen Sie den Grünstreifen hier? Da fuhr früher mal eine Straßenbahn entlang, vom Wülfrather Bahnhof über die Maikammer bis nach Mettmann." Werner Buckard lächelt, wenn er von längst vergangenen Zeiten erzählt. Sein ganzes Leben hat er in der Siedlung Wilhelmshöhe verbracht, die jüngst ihr 75-jähriges Bestehen feiern konnte. Eine Straßenbahn gibt es in Wülfrath nicht mehr, der Bahnhof ist stillgelegt. Besagter Grünstreifen dient heute für spontane Grill- und Plauder-Abende unter Nachbarn und wird seit zweieinhalb Jahren von einem Ehepaar gepflegt. "Die müssen jede Woche ran", sagt Buckard. Schließlich passieren täglich Gymnasiasten die Siedlung auf dem Weg zur Sporthalle Fliethe – und lassen hier und da schon mal etwas fallen, "bestimmt nur aus Versehen", sagt Buckard schmunzelnd.
51 Familien
Die Wilhelmshöhe wird in diesem Jahr 75. Werner Buckard (76) lebt bis heute in dem von seinem Vater errichteten Haus.
Mit Ehefrau Helene bekam er zwei Kinder. Buckard ist Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Wilhelmshöhe, in der sich 51 Mitgliedsfamilien organisieren.
Mühevoll errichtete Häuser
1935, zum Zeitpunkt der Fertigstellung, bestand die Wilhelmshöhe aus zehn mühevoll errichteten Doppelhaushälften. "Das war eine richtige Handwerkersiedlung. Ich erinnere mich noch lebhaft an das Plumpsklo." Die Grundstücke waren bis zu 1300 Quadratmeter groß. "Damals musste man sich noch selbst versorgen. Wir haben Gemüse und Kartoffeln angebaut." Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ging dann eine Verkleinerung der Grundstücke einher. "Die großen Grundstücke brauchten wir nicht mehr, wir konnten alles in den Läden kaufen."
Noch heute macht sich die Umstrukturierung bemerkbar, denn die Häuser, die auf dem eigenen Grundstück angebaut wurden, boten Platz für mehr Generationen. "Meine Tochter hat direkt neben meinem Haus gebaut", erzählt der zweifache Vater. "Meine Brüder und eine Nichte wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft." Fast wie in alten Zeiten, als die Großfamilien noch unter einem Dach lebten und die Kinder in ihrer Freizeit Schabernack trieben. "Vom Nachbarsbauern haben wir die Zuckerrüben stibitzt", offenbart der 76-jährige Buckard, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Wilhelmshöhe.
An den Krieg denkt keiner mehr
Eine kleine Narbe am Zeigefinger zeugt noch heute von einem Ernteunfall. Es sind nicht nur die positiven Erlebnisse, an die sich Buckard zurückerinnert. "Gegen Ende des Krieges explodierte ein paar Meter neben unserem Haus eine V2. Die Dächer der zehn Häuser wurden abgedeckt, da saßen wir gerade beim Mittagessen." An den Krieg denkt heute niemand mehr, wenn sich die Siedler zum jährlichen Sommerfest zusammenfinden oder eben abends auf dem Grünstreifen. Sauberkeit und Ordnung herrschen in der Wilhelmshöhe und ihre Bewohner sind stolz auf die Siedlung – "auch die jüngeren", so Buckard. "Die übernehmen zunehmend Aufgaben in der Siedlergemeinschaft." Um die Zukunft seiner Heimat mache er sich keine Sorgen – "im Gegenteil", sagt er.
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