Erkrath: Historische Fenster strahlen wieder
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Düsseldorf (RPO). St. Franziskus in Trills gehört zu den wenigen Kirchen im Erzbistum Köln mit wertvollen neugotischen Fenstern, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Bis Weihnachten sollen alle Fenster gesäubert, restauriert und durch Verbundglas geschützt sein. Zurzeit ist die Südseite in Arbeit.
Seit einigen Wochen scheint die Sonne ungewohnt hell ins Kirchenschiff von St. Franziskus in Trills. Der Grund: Nachdem die farbenprächtigen neugotischen Fenster an der Nordseite restauriert und wieder eingebaut wurden, sind nun die Fenster der Südseite in der Werkstatt Oidtmann in Linnich bei Aachen.
Es gibt nicht mehr viele Kirchen aus der Zeit um 1900 im Erzbistum Köln, die komplett über ihre ehemalige Verglasung verfügen. Und ein Gotteshaus mit einem so groß angelegten Bildprogramm wie in Trills finde sich in der Region kein zweites Mal, sagt Hans-Josef Rosenbach, Mitglied des Kirchenvorstandes. Schon deshalb war es für das Erzbistum keine Frage, die historischen Fenster, die aus der Zeit zwischen 1881 und 1903 stammen, langfristig zu sichern. Etwa ein Drittel der auf rund 230 000 Euro geschätzten Kosten muss die Pfarrgemeinde selbst aufbringen.
Spenden willkommen
Rund 230 000 Euro wurden für die Sanierung der Kirchenfenster veranschlagt. 70 Prozent davon werden aus dem zentralen Haushalt des Erzbistums Köln bezahlt. Den Rest, rund 70 000 Euro, muss die Pfarrgemeinde selbst aufbringen.
Spenden können auf das Konto der Pfarrgemeinde bei der Kreissparkasse Düsseldorf, Konto 3302601, BLZ 301 502 00, Stichwort "Spende Kirchenfenster Trills" eingezahlt werden. Quittungen werden ausgestellt.
Hertel & Lersch repariert
Rosenbach befasst sich seit Jahren mit den Fenstern und den Geschichten, die sie erzählen. Ganz besonders hat es ihm das Lästerfenster an der Nordseite angetan. Vermutlich handele es sich um einen speziellen Entwurf für die Trillser Kirche, denn so ein Motiv habe er noch nirgendwo gesehen.
Die Fenster des Kirchenschiffes stammen alle aus der Werkstatt der Düsseldorfer Glasmacherei Hertel & Lersch, deren Mitinhaber Carl Hertel seinerzeit an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat. Vermutlich sind auch die Fenster des Chores aus der gleichen Werkstatt, dies ist aber nicht ganz sicher. Kirchenfenster von Hertel und Lersch waren in vielen deutschen und niederländischen Gemeinden sehr begehrt.
Bei den historischen Fenstern ist in den 70er Jahren Plexiglas von außen vorgesetzt worden. Das ist heute nicht mehr zeitgemäß, außerdem ist das System marode, berichtet Rosenbach. Einerseits rieselt der Kitt aus den Ritzen, andererseits haben sich Algen zwischen Plexiglas und Kunstglas gebildet. Nun werden von außen klare Verbundglasfenster eingesetzt, ähnlich den Autoscheiben. Sie können im Ernstfall auch Schäden von den wertvollen Buntglasfenstern abhalten. Im neuen System werden die historischen Fenster in einem Abstand von vier Zentimetern vor der Verbundglasscheibe angebracht, so dass Luft zwischen den Scheiben zirkulieren kann und ein Veralgen nicht mehr möglich ist.
Die historischen Scheiben werden zuvor vorsichtig von Staub und Algen gereinigt. Außerdem müssen einige Beschädigungen von früher beseitigt werden. Wo Notverbleiung eingesetzt wurde, sorgt nun Verklebung dafür, dass die Schadstellen nicht mehr auffallen.
Ende August soll die Südseite fertig sein, anschließend wird mit den Fenstern im Chor begonnen. Auch dort werden zunächst die neuen Verbundglasscheiben angebracht, so dass das Tageslicht im Herbst den Chorbereich aufhellt. Dann werden die historischen Scheiben in Linnich gereinigt und instand gesetzt. Mit etwas Glück sind die Fenster bis Weihnachten wieder an ihren alten Platz, möglicherweise wird es aber auch etwas länger dauern. Im Vordergrund müsse die Qualität der Arbeit stehen, betont Rosenbach, die Reparaturdauer sei Nebensache.
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