Erkrath: Horst Janson fehlt Schwung
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Düsseldorf (RPO). Mit der Komödie "Männer sind auch Menschen" konnte das Tournee-Theater Thespiskarren in Erkrath
nicht restlos überzeugen. Horst Schäfer als Schulfreund Bruno bringt etwas Pep in die Veranstaltung.Liebeskomödie im März
Mit der Liebeskomödie "Zusammen ist man weniger allein" von Anna Bechstein geht es am 17. März (20 Uhr) weiter im Erkrather Theaterprogramm. Eine weltfremde junge Putzfrau mit Zeichentalent wirbelt als neue Mitbewohnerin die friedliche Männer-WG eines stotternden Historikers und eines schürzenjagenden Kochs durcheinander. Es spielen Silvia Seidel, Ottokar Lehrner, Lutz Bembenneck, Ursula Rehm und Kyra Mladeck. Karten zu 14, 16 und 18 Euro gibt's beim Kulturamt im Rathaus, Tel. 0211/24074009.
"Was ist denn hier los?", fragt Dieter Lichtenstein (Horst Janson) seine vierte Frau Victoria (Astrid Straßburger), als er sie beim Kofferpacken in der gemeinsamen Wohnung überrascht. "Ich gehe", antwortet sie und er folgert "willst du damit sagen, du verlässt mich?" Es stecke kein anderer Mann dahinter, begründet die vernachlässigte Ehefrau ihren Auszug: "Ich habe genug von dir, weil ich nie genug von dir hatte". Kein Aufbrausen, kein Wutausbruch. So richtig will man den Akteuren die Entrüstung nicht abnehmen. Zäh startet die Komödie "Männer sind auch Menschen" von Curth Flatow auf der Bühne der Erkrather Stadthalle, und zäh plätschert das Geschehen die gesamte Vorstellung vor sich hin. Hin und wieder sorgt mal ein Gag für Lacher, aber insgesamt fehlt es am Schwung, den man von Flatow-Komödien eigentlich gewohnt ist.
Leutselige Slibowitz-Runde
Gut, Horst Janson als die Hauptfigur des Stückes ist mit seinen 74 Jahren nicht mehr der Jüngste, in einer kürzlich gesendeten Fernseh-Talkshow wirkte er indes wesentlich frischer als in der Erkrather Stadthalle. Da wurde Horst Schäfer als Schulfreund Prof. Dr. Bruno Steguweit, der sich nach 41 Jahren zum ersten Mal wieder meldet, seiner Rolle schon eher gerecht. Überzeugend bringt der im Zwiegespräch mit Dieter rüber, was er so alles an seiner angetrauten Ille hat: Sie kauft für ihn die Kleidung, sie sorgt für das gesunde Biogemüse auf dem Tisch, sie kümmert sich um cholesterinfreien Brotaufstrich und legt die klassische Musik auf, die beide vor dem Einschlafen genießen. Erst als die Schulfreunde ihr Wiedersehen mit immer mehr Slibowitz begießen, zeigt Bruno, wie er sich wirklich fühlt – und diesen frustierten Ehemann mimt er exzellent. Da gibt's kräftigen Szenenapplaus, als er ganz trocken erzählt, wie er seine geliebte Butter im Kühlschrank seiner Praxis zwischen Blut- und Urinproben versteckt, damit Ille sie ihm nicht wegnimmt.
Ille (Birgit Anders) heißt übrigens Sybille, sie trifft im zweiten Teil des Stücks zu einem Gespräch unter Frauen mit Victoria in Dieters Wohnzimmer zusammen. Resolut macht Ille nun Victoria klar, was sie alles anstellt, damit ihr Bruno gar nicht erst Geschmack an anderen Frauen findet. Und dann gibt's da noch den Möbelpacker Paul Fischer (Holger Hanewacker), mit dessen Freundin Jasmin Dieter mal einen Seitensprung hatte und die nun ein Kind bekam. Paul droht Dieter Schläge an, falls er der Vater von Jasmins Kind sein sollte, und ist ganz happy, als der Gen-Test dies nicht bestätigt. Schließlich winkt doch noch ein Happy-End, Victoria will's doch nochmal mit Dieter versuchen, seit er sich plötzlich doch in die Vaterrolle versetzen kann.
Obwohl ausverkauft, war es eines der schwächeren Stücke in der Erkrather Theatersaison 2009/2010. Das Publikum belohnte die Mühen des Ensembles vom Tournee-Theater Thespiskarren mit angemessenem Pflichtapplaus. Vielleicht ist die Truppe mit der Komödie bereits zu lange auf Tour und hat von ihrer Spielfreude, die ihr ein Kritiker im Februar 2008 noch bescheinigte, inzwischen einiges verloren.
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