Mettmann: Kahlschlag im Tal
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 08.11.2011Mettmann (RP). Für die Sanierung der L 239/Mettmanner Straße nach dem Erdrutsch wird zunächst der Hang gesichert. Dafür mussten sämtliche Bäume weichen. Eine neue Bepflanzung soll die Böschung fester machen.
Es riecht nach frisch aufgewühlter Erde, der Blick schweift über leere Hügel, ein Kran verlädt Holzstämme: An der Baustelle entlang der L 239/Mettmanner Straße haben die Baggerführer ganze Arbeit geleistet: Zur Sanierung der Erdrutschstelle ließ Straßen NRW zunächst auf mehrere hundert Meter den absturzgefährdeten Hügel roden. Das stößt bei Anwohnern nicht auf Gegenliebe: "Sieht so die Rettung des Schwarzbachtals aus?" fragt Anwohner Gerd Pfankuchen.
Bäume, die über 100 Jahre alt seien, würden abgeholzt, und auch der Hang werde großflächig abgetragen. Bei derartigen Eingriffen in die Landschaft hätte man auch gleich die Trasse – wie planfestgestellt – neu bauen können, so Pfankuchen weiter. Es werde regelrecht "eine Schneise ins Tal geschlagen".
Umleitung, Busverkehr
Die Sanierung der L 239 dauert noch sieben Wochen. Umleitung über L 422 und L 156.
Die Busse der Linie 749 fahren Richtung Mettmann ab der Haltestelle "Formerstraße" eine Umleitung, in Gegenrichtung ab der Haltestelle "Am Hügel".
Zwischen den Haltestellen "Am Hügel" und "Ratingen, Zur Hütte" fährt ein Pendelbus. "Schwarzbachtal" und "Buschmühle" werden auf die Mettmanner Straße in Höhe der A44 verlegt. "Mergelsberg", "Gruitershof" und "Schule Nussbaum" entfallen (Ersatz: "Ratingen, Zur Hütte").
Der Hang ist abgerutscht
Wie berichtet, war der Hang an einer Stelle nach längeren Regengüssen Anfang Januar großflächig abgerutscht, nachdem zunächst ein Baum keinen Halt mehr in dem aufgeweichten Erdreich gefunden hatte und auf die Fahrbahn gekracht war. Schon damals musste die Feuerwehr etwa 60 weitere absturzgefährdete Bäume fällen beziehungsweise mit Hilfe des THW sogar sprengen lassen.
Der wässrige Lehmboden liegt auf einer glatten Schieferplatte. "Das ist wie ein Spiegelei in einer Teflon-Pfanne", beschrieb der Ratinger Feuerwehr-Chef René Schubert die Lage. Oberhalb des Hangs hatte sich das Wasser einen anderen Weg gesucht, weil ein Abfluss durch Schnee und Eis versperrt war.
Zunächst müsse der Hang umfangreich gesichert werden, sagte Christine Benz von Straßen NRW. Dazu habe man auch Gelände zukaufen müssen, um die Krone der Böschung abflachen zu können. Der Hang werde nach dem Abholzen mit Hilfe von sogenannten Faschinen befestigt: Das sind Reisig- oder Rutenbündel, die netzförmig auf dem Hang aufgebracht werden. Sie bieten Pflanzen Halt, die mit ihren Wurzeln den Hang stabilisieren sollen. Mit Faschinen werden Böschungen oder Ufer gesichert.
Zur Wiederaufforstung von normalen bis steilen Hängen verwendet man meist Faschinen aus Totholz (Reisig von Birken und Nadelgehölzen). Dadurch wird eine Bodenerosion während der Wachstumsphase der Anpflanzung vermieden.
Diese Arbeiten sollen noch in dieser Woche beginnen. Nach der Hangsanierung werde die Fahrbahn auf einer Länge von etwa 400 Metern komplett neu aufgebaut: Der "Vollausbau" bedeutet zunächst ein Auskoffern bis auf 70 Zentimeter und ein nachfolgender kompletter Deckenaufbau. Dabei werde die Fahrbahn um etwa einen halben Meter auf fünf Meter auch verbreitert, so Binz weiter.
Kosten: 550 000 Euro
Die Kosten für die zweimonatigen Arbeiten liegen bei 550 000 Euro. Die L 239 / Mettmanner Straße ist im Bereich der Baustelle komplett gesperrt, Anwohner können von den freien Seiten anfahren.
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