Erkrath: Kein maximaler Gewinn
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 28.04.2007Düsseldorf (RPO). ANALYSE Der Rat bringt den Bebauungsplan Posemarré auf den Weg. Die Opposition kritisiert einen fehlenden Spielplatz und zu dichte Bebauung entlang der Düssel. Grüne fordern regenerative Energie.
Städtebauliche Ziele
Einige Gesichtspunkte, die laut Baugesetzbuch bei der Planung zu beachten sind.
- eine nachhaltige Entwicklung, soziale, wirtschaftliche und umweltschützende Anforderungen. - Verantwortung gegenüber künftige Generationen
- dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodenordnung
- menschenwürdige Umwelt, Schutz und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, Klimaschutz, städtebauliche Gestalt, baukulturelle Erhaltung und Entwicklung des Orts- und Landschaftsbildes.
Der Rat der Stadt Erkrath hat den Satzungsbeschluss für die Bebauung des ehemaligen Posemarré-Geländes erlassen. Was sich auf verwaltungsdeutsch ziemlich nüchtern anhört, heißt im Klartext nichts anderes, als das der Bebauungsplan nun nicht mehr verändert wird und damit endgültig auf den Weg gebracht worden ist.
Im Herzen von Alt-Erkrath wird ein neues Wohnviertel entstehen, dessen wahre Dimensionen wohl erst erkennbar sind, sobald die ersten Mauern hochgezogen sind. Vor drei Jahren waren es hunderte von Bürgern, die sich in einem Werkstattverfahren an den Plänen für ihre Neue Mitte beteiligten. Am Donnerstag im Rat war es nicht mal mehr eine Handvoll, die sich für den Fortgang des Projekts interessierte.
Ist alles so gelaufen, wie es sich die Mehrheit der Erkrather vorgestellt hat? Oder überwiegt der Eindruck, die Politiker werden schon richtig entschieden haben? Oder hat sich Frustration breit gemacht, mit dem Gefühl, als Bürger sowie so nicht viel ändern zu können?
Kinder, Kunst und Kommerz
Anwohner der Gerberstraße haben es so formuliert: Von den vorher viel gepriesenen vier „K’s“: Kinder, Kunst, Kultur und Kommerz sei leider nur noch der Kommerz übrig geblieben. Kommerz deshalb, weil die Bebauung immer weiter verdichtet wurde. Eine viel gepriesene Sichtachse entlang der Düssel mit einem je zehn Meter breiten Schutzstreifen, wie von den Grünen gefordert, wird es so nicht geben.
Natürlich wäre es schön gewesen, den Fluss frei zu legen, doch in den vergangenen Jahrzehnten hat die Düssel niemals frei gelegen, sondern war Teil eines für die Öffentlichkeit unzugänglichen Industriegeländes. Die Verwaltung formuliert es nüchtern: Wäre wirklich ein Grünstreifen vorgesehen, wäre die gesamte Bebauung des Geländes in Frage gestellt. Ursprünglich war die Rede davon, den Bavierpark bis an die Düssel zu erweitern. Ganz abgesehen von den nicht verwirklichten Plänen, eine neue Stadthalle zu errichten und den Festplatz an der Gerberstraße zu verlegen. Was bleibt? Die Grünen kritisieren, dass im Baugebiet ein Spielplatz für die erwarteten 150 Kinder fehlt. CDU und FDP sind der Ansicht, die vorhandenen Anlagen im Bavierpark reichen vollkommen aus. Im übrigen hat der Investor versprochen, doch kleinere Spielmöglichkeiten anzubieten.
Alternative Energien
Die Grünen sprechen sich für den Einsatz von alternativen Energien wie Geothermie (Erdwärme) und Photovoltaik aus. Die Mehrheit sagt, nicht nötig. Und schließlich und endlich noch ein Antrag, das denkmalgeschützte Kontorgebäude zu erhalten. Auch in diesem Punkt ist sich die Mehrheit vollkommen einig und stimmt mit Nein. Das Kontorgebäude steht einer Erschließungsstraße im Weg und darüber hinaus werden schon genug historische Gebäude erhalten.
Beteiligung = Mogelpackung?
Interessant, ein Zitat von Hasso von Blücher aus dem Jahr 2004.Damals wehrte er sich vehement gegen den Vorwurf, das für Bürger offen stehende Werkstattverfahren könne eine „Mogelpackung“ sein. Er habe es gar nicht nötig, mit dem Bauprojekt Posemarré maximalen Gewinn zu erzielen.
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