Mettmann: Kinofans gratulieren
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 24.08.2007Düsseldorf (RPO). Die Familie Rosslenbroich betreibt in dritter Generation das Weltspiegel-Theater.
Filmhistoriker Dr. Gerd Albrecht erinnert an die 100-jährige Geschichte des Mettmanner Lichtspielhauses.Nun wissen wir es ganz genau: Das Mettmanner Kino ist das älteste Kino Deutschlands, das sich seit Gründung in den Händen einer Familie befindet und immer am gleichen Ort Filme gezeigt hat. Dies hat der Filmhistoriker Dr. Gerd Albrecht herausgefunden, der anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Kinos einen Streifzug durch die Filmgeschichte unternahm.
Film als Vorpremiere gezeigt
Die Familie Rosslenbroich hatte Stammkunden und Freunde ins Weltspiegel-Theater eingeladen. Margarete Papenhoff und Gabriele Rosslenbroich nutzen den Abend, sich bei den treuen Kinofans und bei ihren Mitarbeitern zu bedanken. Als besonderes Schmankerl präsentierten die Kinoinhaber ihren Kunden den Film „Ein fliehendes Pferd“ mit Katja Riemann und Ulrich Tukur als Vorpremiere.
Auszeichnungen
Als sich am Mittwoch der Vorhang im Weltspiegel öffnete, wurde zeitgleich das Mettmanner Kino in Hamburg von Staatsminister Bernd Neumann für sein hervorragendes Jahresfilm-Programm 2006 ausgezeichnet. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater schenkte eine Gedenkplatte: 100 Jahre Kino Mettmann
Wie sehr sich Kino in den letzten 100 Jahren verändert hat und noch verändern wird, zeigte Albrecht anhand von Filmbeispielen. Da gab’s die Stummfilmzeit bis 1930. Menschen ergötzten sich an kleinen Anekdoten oder schaurig schönen Dramen. Musik kam vom Grammophon oder von der Kapelle. „Schon damals war es ein Wagnis, Kino zu machen“.
Der Wirt und Konditor Josef Rosslenbroich hatte den Mut, als 34-Jähriger Neuland zu betreten. In Zeiten, in denen es das Fernsehen noch nicht gab, rannten die Menschen ins Kino, um sich hier zu amüsieren. Die Einnahmen stimmten, aber es gab auch hohe Ausgaben. Denn: Das Mettmanner Kino war, so Albrecht, immer auch ein Stück Erlebniswelt. Und dafür musste Personal eingestellt und geworben werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete das Mettmanner Kino einen ungeheuren Zulauf. Der Film „Grün ist die Heide“ zog binnen einer Woche 8098 Menschen in die Vorstellungen. Als das Fernsehen flächendeckend in den 60er Jahren in die Wohnstuben kam, wurde es für die Kinos schwieriger, sich am Markt zu halten. Farbe und Breitleinwand führten nicht zu dem erhofften Erfolg. In den 70er Jahren kam die Zeit der Taschen- und Programmkinos. Das große Weltspiegel wurde in kleinere Säle umgebaut.
Die Familie Rosslenbroich, so Dr. Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater in Berlin, machte nicht den Fehler, Kino nur nach betriebswirtschaftlichen Gründen zu betreiben oder den Fehler zu begehen, selbstverliebtes, Kino zu machen. Also am Publikumsgeschmack vorbei. Das Ergebnis: stolze 100 Jahre Weltspiegel in Mettmann. Aber: In den nächsten Jahren kommen neue Herausforderungen auf die Kinos zu. Das digitale Zeitalter und 3-D-Filme werden auch die Lichtspielhäuser erreichen. Große Investitionen scheinen unumgänglich. Die Filmverleiher haben dies angekündigt.
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