Mettmann: Kirche muss sich einmischen
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012Mettmann (RP). Präses Dr. Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, spricht beim CDU-Jahresempfang im Best-Western-Hotel. Sein Thema: "Politische Verantwortung aus dem Glauben heraus". Das Neue Testament enthält eine Kompassnadel.
Langjährige Mitglieder
50 Jahre CDU: Siegfried Dosin, Dr. Klaus Hansmann, Ernst August Kortenhaus, Ingrid Siebeke.
40 Jahre Mitglied: Gert Peter Bock. 25 Jahre Mitglied: Diethelm Löckenhoff und Steffen-Lutz Matzkowitz.
Dank für die Arbeit im Vorstand ging an Sebastian Schorn, Michael Lauer und Marc Ratajczak.
Im Mittelpunkt des CDU-Neujahrsempfangs im Best-Western-Hotel stand das Referat von Präses Nikolaus Schneider über das Thema "Politische Verantwortung aus dem Glauben heraus".
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland schlug die Brücke vom Alten Testament bis zur Gegenwart. Während im Alten Testament klare Aussagen über die Verbindung von Gott und dem Gemeinwesen enthalten seien, finde man im Neuen Testament kaum Aussagen über das Zusammenwirken oder das Gegensätzliche von Politik und Glauben. Jesus weise im Gespräch mit Pilatus daraufhin, dass er keine politische Macht beanspruche.
Bergpredigt ist immer aktuell
Allerdings, so Schneider, enthalte die Bergpredigt zahlreiche ethische Verhaltensregeln, die den Menschen (auch heute noch) als Richtschnur dienten.
Im Römerbrief freilich ändere sich das Bild: Dort ist von der Anerkennung der Obrigkeit die Rede. "Wenn allerdings die Obrigkeit das eigene Volk bekämpft, hat sich die politische Führung diskreditiert", sagte Schneider.
Martin Luther, so Schneider weiter, wende seine Rechtfertigungslehre konsequent auf das Verhältnis der Christen zur Obrigkeit an: Der einzelne Christ, gerecht gesprochen durch den Glauben an Gottes Wort, sei aufgerufen, durch freiwillige Unterwerfung unter die Obrigkeit durch Schwert- und Predigtamt zu handeln und damit dem Nächsten zu dienen. Das heißt: Allen Menschen zu dienen, auch den Ungläubigen, damit der Friede im Reich der Welt gewahrt bleibt. Der Christ gehöre damit aber keineswegs zum Reich der Welt, sondern bleibe allein Bürger des Reiches Gottes. "Die Reformierten unter Calvin waren es", so Schneider, "die den demokratischen Gedanken in die Kirche gebracht haben." Das heißt: Es gab eine kollektive Leitung und Wahlen in der Kirche.
Während der Naziherrschaft kam das Verhältnis Kirche und Staat auf den Prüfstand. Der evangelisch-reformierte Theologe Karl Barth wurde zum theologischen Lehrer der Bekennenden Kirche. Sie war eine Widerstandskirche gegen staatliche Vereinnahmung, ansatzweise auch gegen die systematische Verletzung elementarer Menschenrechte. Auf der anderen Seite gab es die Deutschen Christen. Sie waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. Mit ihrer Gleichschaltungspolitik und dem Versuch, durch die Übernahme des Arierparagraphen in die Kirchenverfassung Christen jüdischer Herkunft auszuschließen, lösten sie den Kirchenkampf mit anderen evangelischen Christen aus. "Wenn die Deutschen Christen überlebt hätten, dann hätten wir heute nicht das Recht als Kirche aufzutreten", sagte Schneider.
Auf die Gegenwart bezogen betonte er, dass das Neue Testament kein geeignetes Navigationsgerät für das politische Handeln sei, aber es beinhalte eine Kompassnadel. Der Staat habe die Aufgabe für Recht und Ordnung zu sorgen. Und: Die Geistlichkeit müsse sich einmischen. Sie dürfe aber nicht parteiisch sei, aber parteilich. Das bedeute: Sich für die Armen, Kranken und Bedürftigen einsetzen. Und hier verbinde sich Kirche und Politik in einer Art Handlungsmaxime.
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