Mettmann: Kunststoff im Kaffee
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008Düsseldorf (RPO). Ratten und Mäusekot in Bäckereien und seit fast zehn Jahren abgelaufene Fleischkonserven deckten die Verbraucherschützer 2007 auf. Der Kreis Mettmann will die Zahl der Betriebskontrollen erhöhen.
Ratten im Keller einer Bäckerei, Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums einer Schweinefleischkonserve um fast zehn Jahre, eine Kunststofffolie im Kaffeepulver, die auf den ersten Blick wie ein menschlicher Finger aussieht, Mäusekot in der Backstube: Mit unappetitlichen Vorfällen haben sich die Verbraucherschützer des Kreises im vergangenen Jahr auseinandersetzen müssen.
Trotz solcher Extremfälle ist es um die Qualität von Lebensmitteln, Kosmetika und um die Hygiene in den Betrieben der Hersteller und des Handels gut bestellt, sagte gestern Nils Hanheide, Ordnungsdezernent des Kreises Mettmann und zuständig für den Verbraucherschutz. Er legte im Ausschuss des Kreistages für Ordnung und Wirtschaftsförderung gestern den Jahresbericht des Amtes für Verbraucherschutz vor.
Sünder verwarnt
Verbraucher haben 213 Beschwerden vorgetragen.
Das Amt hat 381 Verwarngelder in Höhe von insgesamt 12 405 Euro erhoben, 622 Verfahren eingeleitet, davon 16 Strafverfahren.
Eine Großbäckerei erhielt einen Strafbefehl über 9000 Euro, eine Backstube wurde voübergehend geschlossen.
Hotline Tel. 02104 99-1856
10 000 Proben gezogen
Insgesamt wurden von den Kontrolleuren im vergangenen Jahr 10 000 Proben gezogen im Zuständigkeitsbereich des Amtes, das neben dem Kreis Mettmann und der Stadt Düsseldorf in einer Kooperation auch die Kreise Neuss, Viersen und Kleve umfasst. In diesem Einzugsbereich leben rund 2,4 Millionen Einwohner.
Allein im Kreis Mettmann wurden 1766 Lebensmittelproben gezogen und untersucht. 266 Proben wurden beanstandet, das waren knapp 15 Prozent. Die Beanstandungen beziehen sich aber nur in wenigen Fällen auf so drastische Vorkommen wie eingangs beschrieben. Häufig bemängelten die Prüfer dagegen formelle Fehler wie unkorrekte Auszeichnung der Waren oder geringfügige Überschreitungen des angegebenen Haltbarkeitsdatums. Im Kreis Mettmann gibt es 4700 Lebensmittelbetriebe, von denen 4100 kontrollpflichtig sind. Tatsächlich kontrolliert wurden 1700, das entspricht einem Anteil von knapp 42 Prozent.
Neben den Lebensmittelproben wurden auch in 129 Fällen im Kreis Mettmann Kosmetika untersucht. 23 Proben wurden bei diesen Untersuchungen beanstandet (18 Prozent).
Im Amt für Verbraucherschutz hat Leiterin Dorothea Stangier zehn Stellen für Lebensmittelkontrolleure, von denen im Berichtsjahr allerdings nur sieben besetzt waren. Seit Januar 2008 sind acht Mitarbeiter beschäftigt und demnächst, so kündigte Hanheide an, werden alle zehn Stellen besetzt sein. Dann sollen mehr Betriebe kontrolliert werden. Der Kreis Mettmann bildet verstärkt Lebensmittelkontrolleure aus. Auf dem Arbeitsmarkt, so Hanheide, seien diese hochspezialisierten Fachkräfte nicht zu bekommen.
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