Mettmann: Lange Haare und gute Musik
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 07.08.2007Düsseldorf (RPO). In der Mitte der 60er Jahre bildeten sich die ersten Bands in der Kreisstadt.
Es gab Auftritt im Paul-Schneider-Haus in Hochdahl und in der Aula des Konrad-Heresbach-Gymnasiums.Beatgruppen
Es gab in Mettmann in den 60er Jahren unter anderem folgende Gruppen: „The Trash“, „The Extremes“, „The Roadrunners“, „The Artificials“, „He & The Rest“, „Progress“, „The Backwoodsmen“, „Bag’s Grove“, „The Blues Society“, „Rhythm Power Limited“, „Bluesy Mind“ und „Wotan“.
Die Gruppen gastierten in Mettmann und Umgebung. Einige gewannen sogar Wettbewerbe und Preise.
Mitte der 60er Jahre gab’s in Mettmann eine muntere Beatszene. Ausgehend vom Konrad-Heresbach-Gymnasium ergriff die Bewegung junge Leute in der Kreisstadt. Die „Revoluzzer“ oder „Gammler“ – wie sie von Teilen der Erwachsenen genannt wurden – ließen sich die Haare länger wachsen, trugen grüne Parkas, trafen sich vor oder im „Eduscho“ an der Freiheitstraße und stellten sich gegen das „Establishment“. Aufmucken, unbequem sein, motzen, Erwachsene provozieren war damals „in“ und ein Stück Jugendkultur. Erwachsene beobachten das Treiben mit Misstrauen und befürchteten bisweilen die Verrohung der Sitten.
Hinzu kam eine Musikszene, die sich an den Vorbildern in Liverpool und in Amerika orientierte. Beatfans waren junge Mettmanner Musiker oder Musikbegeisterte, die heute als brave Musikschullehrer oder Architekten, Lehrer oder Wissenschaftler ihr Geld verdienen. Einer von ihnen, der bis heute dem Musikgeschäft treu geblieben ist, ist Wolfgang Pieker. Die alten Strategen von damals haben sich in den letzten Jahrzehnten mehrfach getroffen und über die alten Zeiten geplaudert.
Gammler verschwunden
Ein Blick zurück: Typisch für die damalige Zeit war eine Meldung aus dem Jahr 1967 in der Niederbergischen Zeitung: „Der 19-jährige Mettmanner Gammler Wilhelm Räther ist seit Oktober verschwunden. Er war auf dem Weg zu einem Gammlertreffen in Frankfurt. Bei seinem Verschwinden trug er eine Gammlerjacke, auf der die Worte ,Gammler´, ,Love‘, und ,Hippies’ geschrieben waren, sowie eine hellblaue Nietenhose.“ Fünf Wochen später meldete die Zeitung, dass Räther von der Polizei in Hamburg aufgegriffen worden war. Ob er den Hamburger Starclub besucht hatte, wurde offen gelassen. Bereits 1964, so Wolfgang Pieker, hatte sich in Mettmann die erste Beatgruppe mit dem Namen „The Trash“ gebildet. In der Besetzung Hill, Klaft, Weisenborn, Breuer und Pietschmann wurde Beatmusik gespielt. Weitere Gruppen in ähnlicher Besetzung folgten. So „The Extremes“, „The Roadrunners“ und 1966 „The Artificials“ mit Jürgen Eckel, Jochen Sulanke, Pit Miethke, Eitel Riemenkasten und Ferdinand Rotter. Im Jahr 1967 gastierte die Mettmanner Beat-Band „Progress“ mit Jochen Sulanke (Hammond-Orgel), Günter Emmerich (Solo-Gitarre), Jürgen Eckel (Baß-Gitarre) und Frank Reuter (Schlagzeug) im Paul-Schneider-Haus in Hochdahl. Die RP berichtete damals: „Sie überzeugten mit Beatle-Mähnen und origineller Kleidung, beherrschten aber auch ihre Instrumente ausgezeichnet. Der Sänger der Gruppe, August Klages, fehlte krankheitsbedingt.“ „Progress“ setzte sich aus drei auseinander gegangenen Bands zusammen: „Roadrunners“, Artificals“ und „Gentles“. Um 1967 formierte sich die Gruppe „He & The Rest“ mit Hill, Klaft und Weisenborn. Die „Kreisbeatmeister“ traten im Januar 1968 in der Aula des KHG bei „Beat für Ceylon“ auf. (wird fortgesetzt).
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