Wülfrath: Leben in der Wildnis
VON LARS MADER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2012Wülfrath (RP). Waldlehrerin Uta Wittekind bietet am Wülfrather Zeittunnel ein Training an und zeigt, wie man sich im Wald ernähren und schlafen kann. Viele Menschen hätten keinen Bezug mehr zur Natur, sagt sie.
Uta Wittekind ist Waldpädagogin und kann scheinbar alles. Kaninchenfallen bauen, Flitzebogen schnitzen und wenn sie durstig wird, presst sie sich schnell einen grünen Cocktail aus heimischen Pflanzen. Ihr Wissen gibt sie gerne weiter und bietet deshalb am Zeittunnel und in den umliegenden Wäldern ein Wildnistraining an. Unter ihren Waldschülern ist an diesem Tag auch die Familie Kalhöfer aus Remscheid.
Laubschlafsack bauen
Deren erste praktische Aufgabe ist es, einen Laubschlafsack zu bauen. Das ist ein kleiner Unterschlupf, der notfalls im Wald Schutz vor Regen und Kälte bieten kann. Sohn Lennart möchte dessen Bauweise demnächst auch mit seinem Freund in den Remscheider Wäldern ausprobieren. Seine Schwester Malena scheint noch nicht ganz von der Nützlichkeit der Überlebenstechniken überzeugt, aber man weiß ja nie, wann man in die Lage gerät, sich ein Stück Wild zum Abendessen schießen zu müssen. Ein wenig näher an die Natur heranzurücken, findet ihre Mutter Sabine wichtig. Deren Großmutter ist noch auf einem Bauernhof groß geworden. Ihr Mann Martin findet Spaß am Wildhüterdasein und schafft es, ein Lagerfeuer ganz ohne Grillanzünder zu entfachen, an dem sich die Gruppe Würstchen und Forellen braten kann.
Umweltbildung
Der Bund Deutscher Forstleute definiert: Waldpädagogik ist waldbezogene Umweltbildung. Sie umfasst alle den Lebensraum Wald und seine Komponenten sowie Funktionen betreffenden Lernprozesse, die den Einzelnen und die Gesellschaft in die Lage versetzen, langfristig, ganzheitlich und dem Gemeinwohl verpflichtet zu denken und zu handeln.
In den drei Stunden mit Waldfrau Wittekind kann man vieles ausprobieren, wie das Schnitzen von Flöten aus bambusartigem japanischem Knöterich. Aber man ahnt, dass für ein Überleben in der Natur nahezu ein Studium der Waldwissenschaft nötig ist. Will heißen, dass die Verbindung zwischen Mensch und Wald ein Kulturwissen hervorgebracht hat, das erlernt werden muss. Und weil die meisten Eltern heute keine Jäger und Sammler mehr sind, braucht es Waldlehrerinnen wie Uta Wittekind. Sie bietet viele verschiedene Zugänge zu diesem Wissen an, zum Beispiel auch Kurse mit spannenden Titeln wie Ohren-Wanderung oder Wellness im Wald.
Zur Hochform läuft sie auf, wenn sie von Ihren beiden Hilfslehrern, dem Uhu Uwe und dem Wüstenbussard Merlin, begleitet wird. Beeindruckend ist auch, wie sie sich in ein Brennnesselfeld stellt, bei dessen erstem Anblick dem Stadtmenschen als erster Gedanke kommt, dass hier schon lange nicht gemäht worden sei. Wittekind zieht aus der vermeintlichen Unkrautwiese zielsicher den nützlichen Spitzwegerich hervor, denn viele nur aus der Apotheke kennen. Und dann wird aus der Waldfee ganz schnell eine Kräuterhexe, die den gerupften Pflanzen ansehen kann, wie viele Kinder man erhoffen kann. Waldwissen ist eben häufig auch Halbwissen; dann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
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