Wülfrath: Märchenhaftes zum Abschluss
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.11.2011Wülfrath (RP). Der Ferienspaß des Kinder- und Jugendhauses ging mit fantasievollen Spielen zu Ende. Kinder mit Handicap nahmen teil und waren begeistert. Das Konzept soll weitergeführt werden.
Der zweiwöchige Ferienspaß des Kinder- und Jugendhauses endete auf dem Hauptschul-Gelände mit märchenhaften Aktionen. Angegurtet und festgehakt hangelten Abenteuerlustige über eine Strickleiter zu Rapunzel hoch. "Man braucht Mut und muss schwindelfrei sei", sagte Peer nach vollbrachter Tat.
Der gestiefelte Kater hatte Spuren hinterlassen, die es barfüßig auf einem "Sensi-Pfad" zu erfühlen galt. Dosenwerfen war dem Tapferen Schneiderlein und "Sieben auf einen Streich" nachempfunden. Bei den geschminkten Gesichtern junger Ausdruckstänzerinnen hatte "Tanz der Vampire" Pate gestanden.
Inklusion
Der Begriff Inklusion bedeutet laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Einbeziehung, Dazugehörigkeit, Einbeschlossenheit, Einschluss.
Idee: Kein Kind oder Schüler soll mehr als "andersartig" angesehen werden. Alle Kinder sind förderungswürdig. Inklusion wird zudem als konsequente Weiterführung von Integration gesehen.
Dosenwerfen mit der linken Hand
Zu den 30 Ferienspaßteilnehmern, die sich beim Abschlussfest mit Begeisterung die Aktionen aussuchten, an denen sie Spaß hatten, zählten vier Kinder mit Behinderung. Jens, der wegen eines Muskelschwunds eigentlich auf den Rollstuhl angewiesen ist, bewegte sich lieber auf dem Boden sitzend vorwärts. Dosenwerfen machte er locker mit links. "Ich bin Linkshänder". Mo (Moritz), ein Junge mit Down-Syndrom, lief fröhlich von Aktion zu Aktion, testete aus, freute sich, zwischen vielen Kindern zu sein.
In jeder Ferienspaß-Woche nahmen erstmals vier, zum Teil unterschiedliche, Kinder mit Behinderung teil. "Wir sind froh, dass der Kreis dafür eine Integrationskraft finanziert. Uns war wichtig, eine Struktur zur Verfügung stellen zu können.
Eltern brauchten die Kinder nur anzumelden und keine Anträge mehr zu stellen", resümierte Jugendhaus-Leiterin Simone Feldmann. "Mo ist glücklich und strahlt über das ganze Gesicht. Er nimmt keine Sonderstellung ein, sondern gehört dazu", freute sich Elisabeth Seidler. An zwei vorigen Ferienspaß-Aktionen habe ihr Sohn auch teilgenommen, allerdings nur stundenweise.
Sehr angetan vom Miteinander behinderter und nichtbehinderter Kinder zog Integrationshelferin Anja Kobinski Bilanz. "Jens erster Satz war, ich heiße Jens und bin selbstständig", erzählte sie. Sie lobte die Hilfsbereitschaft der Kinder, die stolz mal den Rollstuhl schoben oder Mo beim Überqueren der Straße an die Hand nahmen.
Selbst im Rollstuhl sitzen zu dürfen, fanden sie cool. Sie fragten Jens nach seiner Erkrankung und der erzählte bereitwillig seine Geschichte. "Ich empfehle sehr, die Ferienaktionen so weiter zu führen", sagte Kobinski. "Wir stehen dahinter", so Jasmin Heimbach, Koordinatorin bei Pro Mobil.
"Wenn man Inklusion ernst nimmt, ist es selbstverständlich, dass Behinderte und Nichtbehinderte zusammenspielen", betonte Werner Schäfers, Amt für Menschen mit Behinderung.
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