Mettmann: Mehr Geld allein reicht nicht
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 01.06.2011Düsseldorf (RPO). Kinderarmut ist häufig eine Folge von Bildungsarmut und Ghettobildung.In einer Diskussion tauschen sich Vertreter aus Kirche, Politik und Sozialwesen über Wege aus dem Teufelskreis aus.
Schüler, die im Mathe-Unterricht nur an ein Butterbrot denken können, weil sie mit knurrendem Magen in die Schule kommen. Kinder, deren Leben sich in den eigenen vier Wänden abspielt, weil vor der Haustür kein Platz zum Spielen ist und die keine Turnschuhe besitzen, um am Sportunterricht teilzunehmen. "Sie sind arm, weil ihre Eltern arm sind. Doch jedes Kind ist wichtig und hat ein Recht darauf, gesund groß zu werden", betonte Michaela Hofmann vom Caritasverband zur Eröffnung.
Um das Thema Kinderarmut und ihre vielen Geschichten drehte sich auch die anschließende Podiumsdiskussion im Kaplan-Flintrop-Haus. Moderiert von RP-Redakteur Christoph Zacharias, machten Vertreter aus Politik, Kirche, Kinderschutzbund und Job-Center ihre Positionen deutlich und wiesen unterschiedliche Wege, um aus dem Teufelskreis auszubrechen.
Franz Meurer
Der katholische Priester leitet seit 1992 die Gemeinde in Höhenberg-Vingst. Der Kölner Stadtteil gilt als sozialer Brennpunkt, in dem Meurer mit ungewöhnlichen Ideen etwas bewegt.
Rund um die Hochhausfassaden legte er mit seiner Gemeinde Blumenbeete an oder organisiert Sommercamps für sozial benachteiligte Kinder und verfasst Bewerbungsmappen für Schüler.
"Wir müssen Geld gezielt in die soziale Infrastruktur investieren und unterschiedliche Projekte besser miteinander vernetzen", betonte Kerstin Griese MdB (SPD). Marc Ratajczak MdL von der CDU sprach sich dafür aus, finanzielle Mittel vor Ort intelligenter zu verteilen und Nils Lessing von den Grünen möchte bürokratische Hemmschwellen abbauen und Angebote für Kinder, wie das Mittagessen in der Schulmensa für alle kostenfrei anbieten.
Chancengleichheit erreichen
"Wir müssen eine andere Qualität erreichen. Bildungschancen sind abhängig vom Viertel und mehr Geld bedeutet nicht gleich mehr Know-how", betonte dagegen Franz Meurer. Er arbeitet als katholischer Pfarrer in einem sozialen Brennpunkt in Köln und setzt sich mit ungewöhnlichen Mitteln für die Menschen dort ein. Er sieht den Weg aus materieller und geistiger Armut in einer Gesellschaft, die umdenkt und solidarisch ist, anstatt auszugrenzen.
"Kinder brauchen keine Pakete, sondern Partner und informierte Eltern", unterstrich auch Sylvia El Mohammed vom Mettmanner Kinderschutzbund. Sie regte einen Hauswirtschaftsunterricht an, der auf das Leben vorbereitet. "Kinder müssen wissen, was ein Einkauf kostet und wie sie mit Geld richtig umgehen."
Verordnungen und Erlasse betrachtet auch Uwe Weinand mehr als Hemmnis denn als Hilfe. "Wir sind in Deutschland überreguliert", betonte der stell. Geschäftsführer des Mettmanner Jobcenters. Es müssten sich in den Köpfen allerdings noch viele Schalter bewegen, damit Ehrenamt ein Wert an sich werde. "Wer sich engagiert, ist allzu häufig der Dumme."
Aus seiner persönlichen Erfahrung wies Pfarrer Franz Meurer jedoch darauf hin, dass sich nur dann etwas bewege, wenn Sachverstand und Engagement vor Ort zusammen kämen.
Als Beispiel nannte er ein Denk- und Sprachtraining, zu dem es nicht nur eine deutsche, sondern auch eine türkische Anleitung gebe. "Denn unsere türkischen Familien wollten auch, dass ihre Kinder schlau werden."
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