Mettmann: Mit der Froboess im Garten
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 12.07.2007Düsseldorf (RPO). Viele Stars traten nach dem Zweiten Weltkrieg in Mettmann auf.
Das Königshof-Theater an der Poststraße war eines der größten Kinos in Deutschland.Eröffnung
1954 wurde das Königshoftheater eröffnet.
1976 Eröffnung „Kino I + II“ in Ratingen.
1976 Umbau Weltspiegel-Lichtspiele in Weltspiegel-Theater.
1978 Schließung Königshoftheater Mettmann.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Menschen hungrig. Und das in zweierlei Hinsicht: Nahrungsmittel waren knapp und Vergnügungen ebenfalls. Filme gab’s kaum. Die Rosslenbroichs machten sich auf den Weg durch „Trizonesien“ und förderten Kopien zu Tage, die selbst gewieften Verleihern Respekt abnötigten. Für zwei Stunden vergaßen die Kinogäste ihre Sorgen. Brechend voll waren die noch funktionierenden Lichtspielhäuser. Das Weltspiegel in Mettmann war eines davon.
Mit „Wildschütz“ in Mettmann
Nach der Währungsreform bauten Rosslenbroichs das Weltspiegel um. Der Kino- und Theatersaal erhielt ein Bühnenhaus; 800 Menschen fasste das umgebaute Theater. Das erste große Gastspiel auf der neuen Bühne brachten die städtischen Bühnen Köln mit der Oper „Der Wildschütz“ von Albert Lortzing. Doch nach fünf Jahren war auch das Weltspiegel-Theater zu klein geworden.
Hubert Rosslenbroich wagte sich an ein Großprojekt: Den Mettmanner „Königshof“. An der Poststraße entstand eines der schönsten und größten Lichtspielhäuser in Deutschland, vergleichbar im Stil und in der Inneneinrichtung mit der Essener Lichtburg. Ganz großes Theater, Opern und Operette gab’s nun in Mettmann. Die Liste der Einträge ins Gästebuch dokumentiert dies eindrucksvoll. Unter anderem traten im Königshof auf: Willy Schneider, Marika Rökk, Camillo Felgen. Elisabeth Flickenschildt, Wolfgang Sauer, Bibi Johns, Charles Regnier, O.E. Hasse, Harald Juhnke, Peter Frankenfeld, Rene Carol, Fred Bertelmann, Willi Hagara und Helmut Zacharias. Und: Cornelia Froboess. Sie hatte einen besondern Draht zu den Rosslenbroichs und spielte bei ihrem Besuch in Mettmann mit den Kindern im Garten.
Die Prunksitzungen der KG Rot-Weiß im Königshof-Theater waren legendär. Das Eilemann-Trio, Toni Steingaß, Karl Poschinger und Jupp Schmitz gaben sich die Klinke in die Hand.
Wer heute in den alten Königshof kommt, spürt etwas von der Bedeutung und der Faszination, die von diesem Haus ausging. Die Riesenbühne, der große Orchestergraben, die Empore: Viele Mettmanner haben hier ihre ersten Karl-May-Filme gesehen, beklatschten Konzerte und Theateraufführungen, verfolgten Radiosendungen des NWDR.
Einen schmerzlichen und tiefen Einschnitt gab es 1972, als Hubert Rosslenbroich im Alter von nur 65 Jahren starb. Die beiden Töchter Margarete Papenhoff, geborene Rosslenbroich, und Gabriele Rosslenbroich, mussten ins kalte Wasser springen und die Kinotradition fortführen. Die Zeiten fürs Kino in den 70er und 80er Jahren wurden allgemein härter. Die Freizeitgewohnheiten änderten sich, der deutsche Film kränkelte, das Pantoffelkino – das Fernsehen– war die große Konkurrenz. Die Familie Rosslenbroich folgte dem Trend und baute aus einem großen Kino gleich drei: Das Weltspiegel mit 210 Sitzplätzen, das Smoky mit 134 und das Studio mit 63. Das Königshoftheater wurde 1978 geschlossen. Mit dem Bau der Stadthalle in den 80er Jahren verlor der Königshof seine Bedeutung. In den letzten Jahren erlebte das Kino in Deutschland und in Mettmann eine Renaissance. Familie Rosslenbroich bietet nach wie vor ein topaktuelles Programm an. (Ende)
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