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Mettmann: Mit Hartz-IV Maserati fahren

VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 20.01.2007

Düsseldorf (RPO). Prozess gegen Jihad O. in Wuppertal fortgesetzt. Ein Gutachter soll nun klären, ob der Mettmanner schuldfähig ist. Vorwurf der Anklage: Räuberische Erpressung gegen Autohändler. Haftbefehl gegen Langenfelder ist aufgehoben.

Info

Schuldfähig

Der Prozess gegen Jihad O. wird am Dienstag, 23. Januar, fortgesetzt. Das Gericht entschied, Jihad O. von einem Gutachter untersuchen zu lassen, da er stark drogenabhängig gewesen sein soll.

Ihm wird unter anderem vorgeworfen, mehrere Frauen aus Osteuropa in Bordellen zur Prostitution gezwungen zu haben.

Ali A. hatte einen großen Traum. „Einmal im Leben wollte ich Maserati fahren“, sagte der 35 Jahre alte Langenfelder gestern vor dem Wuppertaler Landgericht. Mit reumütigem Augenaufschlag erklärte der wegen räuberischer Erpressung angeklagte Vater von sechs Kindern Richter und Staatsanwalt ausführlich, wie er seinen Traum wahr machte.

Denn finanziell sah es bei dem in Beirut geborenen Ali A. nicht so aus, als könnte er sich einen 370 PS starken italienischen Sportwagen leisten. „Ich lebte von Hartz IV“, gab A. vor Gericht zu. Als ihm jedoch der ebenfalls Angeklagte Mettmanner Jihad O. seinen Traum-Maserati für eine Anzahlung von 5000 Euro anbot, konnte Ali A. nicht widerstehen. „Jihad und ich kannten uns aus dem Sandkasten, meine Familie war seine Familie“, sagte Ali A. Über Jihad O. kam er in Kontakt mit einer Leasing-Firma in Bad Oeynhausen. Einen Maserati gab es dort für 8000 Euro Anzahlung plus monatliche Raten zwischen 1200 und 1500 Euro. Die Anzahlung sollte verfallen, wenn die Raten nicht bezahlt werden sollten. Da er als Hartz-IV Empfänger den Wagen nicht auf seinen Namen laufen lassen konnte, sollte der Düsseldorfer Tattoo-Studio Inhaber Hans-Dirk K. offiziell in den Papieren stehen.

Nicht vor Mord zurückschrecken

Doch Probleme gab es schon bei der Abholung des Wagens. Statt 8000 Euro brachte Ali A., von Freunden geliehene 5000 Euro mit. Er soll bei der Leasing-Firma massiv darauf bestanden haben, den Wagen mitzunehmen. Auch der Mettmanner Jihad O. soll beim Geschäftsführer der Firma, Michael W., angerufen haben. „Die Familie Z. ist groß und mächtig, die schrecken nicht mal vor Mord zurück“, soll Jihad O gesagt haben. Der Traum vom Maserati war nach wenigen Wochen ausgeträumt. Weil Ali A. die Raten nicht zahlte, holte die Leasing-Firma den Maserati in Langenfeld wieder ab. Gefunden haben sie den Sportwagen mit einem heimlich eingebauten Satelliten-Gerät, denn so ganz freiwillig wollten Jihad O. und Ali Z. den Standort des Sportwagens nicht herausrücken. Vielleicht weil sich das gute Stück in einem bedauernswerten Zustand befunden haben soll. Laut Aussage des Leasing-Unternehmers Michael W. soll der Wagen ohne Sitze und Armaturenbrett regelrecht „ausgeschlachtet“ worden sein. Michael W. sprach von Reparaturkosten in Höhe von 13 000 Euro.

Dennoch soll Ali A. mit Jihad O. den Händler massiv bedroht haben. „Er werde ihm die Knochen brechen, wenn er nicht seine 5000 Euro zurück erhalte, hieß es. Auch Frau und Tochter des Geschäftsführers sollen von Jihad O. und Ali Z. indirekt bedroht worden sein. Wegen des Vorwurf der räuberischen Erpressung saß Ali. Z. sechs Monate in Untersuchungshaft. Weil ihn wahrscheinlich eine Bewährungsstrafe erwartet, wurde er gestern frei gelassen.

Quelle: RP

 
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