Erkrath: Neandertaler kein Denkmal
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 17.07.2008Düsseldorf (RPO). Das Rheinische Amt für Denkmalpflege lehnt eine Unterschutzstellung der Figur im Neandertal ab.
Die Hochdahler SPD startet eine Imagekampagne für den Beton-Gesellen. Statue ohne wissenschaftlichen Wert.Die Statue des Neandertalers am Zentralparkplatz im Tal ist kein Denkmal. Zu diesem Urteil kommt Dr. Sabina Gierschner, Oberkonservatorin beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege in Pulheim. Damit schließt sie sich dem Urteil der Unteren Denkmalbehörde in Erkrath an, welches die Statue ebenfalls als nicht denkmalwürdig eingestuft hatte.
Zwei Anträge aus Erkrath wurden bei der Unteren Denkmalbehörde im Januar eingereicht, berichtete gestern der Chef der Denkmalbehörde in Erkrath, Tiefbauamtsleiter Helmuth Hentschel. Bei einer ersten Prüfung schon kam die Erkrather Denkmalschützerin Dagmar Kuntner zu der Einschätzung, dass die seit 1930 im Neandertal stehende Figur nicht die Eigenschaft eines Denkmals besitzt.
Kommission begutachtete Figur
Dem schloss sich jetzt die Pulheimerin Gierschner an. Über die Neandertaler-Figur sei in der Denkmalkommission am 20. Juni diskutiert worden. Dabei sei Einigkeit hergestellt worden, dass die Figur kein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes sei. Gierschner erklärt in einem Schreiben an die Stadt Erkrath, das der RP vorliegt: „zum einen weist die Plastik keine ausreichenden künstlerischen Eigenschaften auf und ist gestalterisch einer das Volkstümliche karikierenden, eher trivialen, den touristischen Geschmack bedienenden Auffassung verpflichtet.“ Zudem verliere die Plastik mit dem Abriss der ihr einst gegenüber gelegenen Gaststätte Neanderhöhle ihren historischen Kontext. Als Einzelstück erfülle es nicht die vom Denkmalschutz geforderten Kriterien zur Unterschutzstellung.
Zeitgeschmack
Die vom Hochdahler Franz Moch geschaffene Statue des Neandertalers steht seit 1930 im Neandertal an der Düssel.
Den Fachleuten vom Neanderthal Museum ist sie ein Dorn im Auge. Denn sie gibt den Neandertaler nicht nach wissenschaftlichen Kriterien wieder, sondern zeigt den Zeitgeschmack und die Vorstellungen der Menschen damals über den 1856 entdeckten Wilden.
Dem historischen Neandertaler kommt die Darstellung näher, die im Foyer des Museums steht. Sie wurde nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt – enthält aber auch noch einen guten Teil schöpferische Freiheit und Phantasie.
Tiefbauamtsleiter Hentschel legt dabei wert auf die Feststellung, dass seine Erkrather Behörde den Neandertaler als Denkmal nicht „abgelehnt“ habe. „Wir sagen nur: Die Kriterien sind erfüllt oder sie sind es nicht.“
Die Erkrather SPD hat nach dieser Ablehnung ihr Herz für den steinernen Neandertaler entdeckt. Robert Himmrich, Sprecher der Hochdahler, sieht den „Liebesentzug“ durch die Denkmalschützer als nicht gerechtfertigt an. Dies habe der Neandertaler „nicht verdient“. Auf ihrer Homepage betreibt die Hochdahler SPD nun Imagewerbung. Besucher der Seite können abstimmen, ob sie zu dem Neandertaler halten oder nicht.
Ein „Denk mal“
Die SPD beruft sich dabei auf das Lexikon Brockhaus, in dem stehe: Ein Denkmal sei ein zur Erinnerung an bestimmte Personen oder Ereignisse errichtetes Werk. Und an dem steinernen Neandertaler hängen nun einmal für viele Menschen aus nah und fern jede Menge Erinnerung – unter anderem in ungezählten Erinnerungsfotos. Himmrich wörtlich: „Wenn das kein ,Denk mal’ im wörtlichen Sinne ist!?“
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