Mettmann: Notarztdienst neu formiert
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 26.01.2008Düsseldorf (RPO). Immer mehr Ärzte wandern aus Deutschland ab. Am Evangelischen Krankenhaus Mettmann ist die Situation noch zufriedenstellend. Ein neu gegründeter Verein stellt die Notfall-Versorgung sicher.
Dr. Walter Linde (56), Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Mettmann (EVK), legt die jüngste Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes auf den Schreibtisch. Auf 125 (!) Seiten suchen Kliniken händeringend nach Ärzten. Lediglich auf einer Seite bewerben sich Ärzte um eine Stelle. „Wir haben in Deutschland einen akuten Mangel an Ärzten”, sagt er.
Mediziner für die Ambulanz
In Mettmann sieht die Situation besser aus. Aber auch dort wird es schwieriger, alle notwendigen Positionen zu besetzen. „Wir bräuchten noch zwei Ärzte in der chirurgischen Ambulanz, um gerade am Wochenende eine schnellere Versorgung der Patienten zu gewährleisten.” Viele Notfallpatienten suchen an Samstagen und Sonntagen die Ambulanz im Mettmanner Krankenhaus auf und fahren nicht zur ärztlichen Notfallpraxis nach Ratingen. Hinzu kommt, dass nach der Schließung des Wülfrather Krankenhauses der Zustrom aus der Kalkstadt zugenommen hat.
Erweiterung geplant
Das Evangelische Krankenhaus Mettmann hat vor, die Bettenkapazität zu vergrößern. Deshalb sollen noch in diesem Jahr die Planungen für einen Erweiterungsbau auf den Weg gebracht werden. Geplant sind rund 47 Betten. Derzeit verfügt das Krankenhaus über rund 250 Betten.
Nach der neuen Baupauschale fließt Geld vom Land für das Projekt. Das Investitionsvolumen beträgt rund 7 Millionen Euro.
„Wie können wir auf den Mangel reagieren?”, fragt Dr. Linde. Das Einkommen der Ärzte ist zwar nach den letzten Tarif-Verhandlungen angehoben worden. Doch viele Mediziner wandern aus Deutschland ins europäische Ausland ab. Dort ist die Vergütung besser. „Von 11000 Studienabgängern, kommen nur noch die Hälfte in den deutschen Kliniken an, der Rest geht ins Ausland oder arbeitet in nicht ärztlichen Berufen”, weiß der Facharzt für Anästhesie. Den Ärzten ein höheres Einkommen zukommen zulassen, scheitert zum einen an der staatlichen Deckelung. Das bedeutet: Die Krankenhäuser arbeiten nach Fallpauschalen und die Krankenkassen rechnen diese Pauschalen ab. Eine Gallen- oder Blinddarmoperation wird in ganz NRW gleich bezahlt. Da ist wenig Spielraum. Zum anderen: „Wenn die Ärzte höhere Gehälter bekämen, müssten wir in der Pflege, Verwaltung oder in der Technik sparen, doch das ist auch nicht hilfreich.”
Arbeitszeitgesetz
Der Kreis ist Träger des Rettungsdienstes und hat den Notarztdienst über Verträge mit den Kliniken organisiert. Diese haben auch aufgrund des Arbeitszeitgesetzes immer mehr Probleme, den Notarztwagen mit qualifizierten Ärzten zu besetzen. Positiv hat sich da der neu gegründete Notarztdienst-Verein entwickelt, den Dr. Linde vor einem Jahr mit auf den Weg gebracht hat. Der Verein dient der Sicherstellung der Notärztlichen Versorgung und Fortbildung und setzt auch auswärtige Notärzte meist für Nacht- und Wochenenddienste ein.
Da der Kreis die Kosten für den Notarztdienst über die Krankenkassen abrechnet, sind auch hier die Mittel begrenzt. 20 Euro erhalten die Ärzte für eine Stunde. „Das ist eine untere Grenze”, sagt Dr. Linde. Früher waren es lediglich 13 Euro.
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