Erkrath: Nur die Liebe zählt
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008Düsseldorf (RPO). Beim Komödienabend in der Erkrather Stadthalle gab’s viel Beifall für den klassischen Seitensprung. Autor René Heinersdorff bescherte dem Publikum nach der Pause so manche Überraschung.
Der Neurosen-Kavalier
Als nächste Komödie steht „Der Neurosen-Kavalier“ auf dem Spielplan der Erkrather Stadthalle: Mittwoch, 5. März, 20 Uhr.
In der Produktion des Tournee-Theaters-Thespiskarren spielen Claus Biederstaedt, Karin Dor, Kerstin Fernström und Gunther Beth.
Zum Inhalt des Stückes: Im Kostüm des Weihnachtsmannes plündert der Titelheld die Kasse und landet auf seiner anschließenden Flucht in der Praxis eines Psychiaters.
Der Einzelkartenverkauf beim Kulturamt hat begonnen unter Tel. 0211 2407-4009
Was kann denn jetzt noch kommen? Das mögen viele Besucher der Komödie „Alles Liebe“ zu Beginn der Pause in der Erkrather Stadthalle gedacht haben. Schließlich war in diesem Moment das Zusammentreffen aller Kontrahenten in der klassischen Geschichte um einen Seitensprung bereits erfolgt, die Luft war eigentlich raus. War sie aber nicht. Autor René Heinersdorff hatte noch so manche Überraschung für die zweite Hälfte parat.
Ein wenig zäh hatte es zunächst angefangen. Draußen war der Winter zurückgekehrt und es schien, als müssten sich auch Karsten Speck (als Thomas), Jenny Jürgens (seine Frau Dani), Astrid Kohrs (Jenny) und René Heinersdorff (deren Mann Gilbert) erst warm spielen. Die Geschichte ist wie viele andere Beziehungskisten auch: Thomas betrügt Dani mit Jenny, Gilbert kommt dahinter, steckt es Dani, die wiederum vertraut sich ihrer Freundin Jenny an, und Gilbert nimmt zwischendurch Kontakt mit Thomas auf. Schließlich lädt Dani alle unabhängig voneinander zum Essen ein, die Katastrophe scheint vorgezeichnet.
Das Stück lebt vom Wortwitz
Das Stück lebt vor allem vom Wortwitz, der Autor Heinersdorff ist hier noch um Klassen besser als der Schauspieler Heinersdorff. Mal lässt er seine Darsteller auf der Bühne philosophieren, mal strotzen Szenen vor Schlagfertigkeit, plötzlich wird er sarkastisch. „Meine Ehefrau ist schwanger, weiß nicht warum, und ich rege mich hier auf, weil ich meine Mitte nicht finde“, lässt er sich selbst in einer Szene jammern. Und Astrid Kohrs darf ihrem Liebhaber „Ich will kein Kind von dir, weil mein Kind Gefühle haben und gut aussehen soll“ entgegenschleudern. Sowas freut jeden Liebhaber. Als Jenny ihren Gilbert (der im Stück einen Urologen mimt) mal mit einer Krankenschwester beim Techtelmechtel bei Käse und Wein auf der Station ertappt, lässt Heinersdorff ihn beteuern: „Es war nie etwas und es ist vorbei.“ Klar, dass daraufhin die Frage „Wie kann etwas vorbei sein, was nie war?“ kommt.
Je turbulenter es zugeht, umso besser steigen alle Akteure in ihre Rollen ein. Langeweile kommt für sie nicht auf, selbst beim Umbau des Bühnenbildes sind sie gefordert, machen aus dem Wohnraum eine Galerie, schleppen Tisch und Stühle an, dann ein Sofa, und schließlich, als wieder beide Paare in ordnungsgemäßer Zusammensetzung in ihren Betten liegen, sind diese hochkant an einer Stellwand angelegt. Das Publikum schaut wie von der Decke aufs Bett und honoriert den Gag mit Szenenapplaus. Und damit hat sicher keiner gerechnet: Gilbert und Jenny kuscheln wieder friedlich vereint und beteuern sich ihre Liebe.
Es klingelt. In der Tür steht Bianca, die Krankenschwester, mit der nie etwas war. Die Wölbung des Bauches verrät etwas anderes. Mit verdientem, langen Beifall geht der Theaterabend zu Ende.
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