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Mettmann: Opfern Sicherheit geben

VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010

Düsseldorf (RPO). Personen auf den Gleisen100 Notfallseelsorger kümmern sich um zusammengebrochene junge Menschen. Viele Opfer waren im Ungewissen um Freunde, die vielleicht verletzt oder tot waren. Ein Helfer ist der Mettmanner Jürgen Draht.

Ein Zug des Deutschen Roten Kreuzes aus dem Kreis Mettmann hält sich in Bereitschaft. Die Ereignisse werden unerwartet schrecklich. www.rp-online.de/mettmann  Foto: RPO
Ein Zug des Deutschen Roten Kreuzes aus dem Kreis Mettmann hält sich in Bereitschaft. Die Ereignisse werden unerwartet schrecklich. www.rp-online.de/mettmann Foto: RPO

Der Notfallseelsorger des Kirchenkreises Düsseldorf – Mettmann, Jürgen Draht, stand gestern immer noch unter dem Eindruck des schrecklichen Geschehens bei der Loveparade in Duisburg. Der Mettmanner hatte sich für den Einsatz freiwillig gemeldet und kümmerte sich mehrere Stunden lang um weinende und zitternde junge Menschen, die ohne helfen zu können miterleben mussten, wie ihre Freunde schwer verletzt oder gar getötet wurden.

Eine zeitlang musste sich Draht bei seiner seelsorgerischen Arbeit zudem um seine beiden Kinder sorgen. Er selbst hatte seinem Sohn und seiner Tochter geraten, auf dieses "friedliche Fest" zu gehen – nicht ahnend, welche Katastrophe sich dort entwickeln würde. Er hatte seine Kinder aus den Augen verloren und konnte sie, wie viele andere Eltern auch, wegen der zusammengebrochenen Handynetze auch telefonisch nicht erreichen.

Aus Gerüchten wird Gewissheit

Der Mettmanner war mit Kollegen aus anderen Städten bereits seit 13.30 Uhr auf dem Gelände des Festivals – Stunden bevor die Katastrophe geschah. Zunächst gab es plötzlich Gerüchte, es habe Tote gegeben. Als daraus dann Gewissheit wurde, koordinierte Draht die Arbeit der Seelsorger an einem der Behandlungsplätze und sprach auch selbst mit jungen Leuten, die der Panik entkommen waren und nach dem Inferno unter Schock standen. Zunächst waren mit dem Mettmanner Pfarrer 15 Notfallseelsorger im Einsatz, später dann etwa einhundert.

Das Schlimmste für viele war die Ungewissheit, was mit den Freunden oder Bekannten geschehen war, die sie in dem Gedränge verloren hatten, als die Panik ausbrach.

Lebten sie noch? Waren sie verletzt? Jugendliche, die vielfach noch nie einen Menschen hatten sterben sehen, saßen vor dem Seelsorger, der ihnen zuhörte und tröstende Worte suchte. "Ich habe versucht, ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu geben", sagte Draht rückblickend. Und er glaubt, dass ihm dies auch gelungen ist. Einige haben sich nach dem Gespräch bei Jürgen Draht bedankt dafür, dass er ihnen zugehört und sich um sie gekümmert hat.

Er sorgte dafür, dass jeder, der an dem Behandlungsplatz der Notfallseelsorger eintraf, auch einen Gesprächspartner bekam. "Wir haben zugehört und den Menschendas Gefühl gegeben, zur Ruhe zu kommen und wieder ein bisschen innere Stabilität zu gewinnen", sagte Draht. Er weiß allerdings auch: Die Gespräche waren seelische Erste Hilfe. so mancher wird längerfristig professionelle Hilfe benötigen.

Bis 2.30 Uhr war Draht im Einsatz, bevor er selbst zur Ruhe kam. Er ist überzeugt, dass er den erschütterten Menschen helfen konnte. Und er ist natürlich erleichtert darüber, dass seine Kinder das Inferno unversehrt überstanden.

Info

Chaos auf der Loveparade - ein Überblick

Helfer aus dem Kreis

Hilfsorganisationen aus dem Kreis Mettmann waren im Einsatz.

Darunter der DRK Kreisverband Mettmann, die Malteser Langenfeld, die Ratinger Feuerwehr.

Die Ratinger übernahmen die Einsatzabschnittsleitung, das DRK stellte einen Betreuungsplatz für bis zu 500 Verletzte.

Fotos
Die Erkratherin Melanie Goeres entkommt der Katastrophe in Duisburg knapp. Am Montag sieht sie schreckliche Bilder in der RP und erkennt, welches Glück sie gehabt hat. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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