Erkrath: Orgelmusik von Frauen
VON GUNDEL SEIBEL - zuletzt aktualisiert: 19.04.2008Düsseldorf (RPO). Die aus Osaka stammende Kirchenmusikerin Yasuko Takahashi-Töpfer hat in der Literatur gestöbert.
Am Sonntag spielt sie im Konzert Werke von Fanny Mendelssohn-Bartholdy und Clara Schumann.Künstlerinnen geben in einem Orgelkonzert am Sonntag in der Evangelischen Kirche an der Bahnstraße den Ton an. Orgel spielen wird nur eine, nämlich Yasuko Takahashi-Töpfer. Aber die Kompositionen, die sie vorträgt, sind ausschließlich von Frauen. Bewusst hat die Unterbacher Kirchenmusikerin Takahashi-Töpfer die Stücke nach dem Geschlecht ausgewählt. „Es ist sehr spannend“, sagt sie, „wenn man sich auf die Suche nach Komponistinnen der früheren Jahrhunderte begibt.“ Literatur findet man wenig. In vielen Kirchengemeinden durfte bis ins 19. Jahrhundert die Orgel nur von Männern gespielt werden. Zwar vermutet man deutsche und italienische Komponistinnen im 18. Jahrhundert, aber Gedrucktes findet man nicht, sagt Takahashi-Töpfer.
Konzert in Erkrath
Das Konzert in der Evangelischen Kirche Bahnstraße in Erkrath findet am Sonntag, 20. April, um 18 Uhr statt.
Solistin ist die aus Japan stammende Yasuko Takahashi-Töpfer.
Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird um eine Spende gebeten. Der Erlös ist zur Erhaltung der Orgel bestimmt.
Musik von Komponistinnen
Mit Fanny Hensel-Mendelssohn, der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, hat sie die erste Komponistin von Orgelmusik gefunden. Clara Schumann darf in diesem Zusammenhang nicht fehlen. Die weiteren Komponistinnen, von denen am Sonntag Stücke gespielt werden, sind aus dem letzten Jahrhundert. In Osaka geboren, hat Takahashi-Töpfer als Schülerin zunächst Klavier gespielt. Orgel spielt man in Japan erst seit dem 19. Jahrhundert, die erste wurde aus England eingeführt. Eine fachliche Ausbildung für Orgelmusik gibt es in Japan seit 50 Jahren. Früh genug für die Unterbacher Kirchenmusikerin, die in Osaka im Hauptfach Orgelmusik studierte. 1985 kam sie mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Düsseldorf. An der Robert Schumann Musikschule absolvierte sie ein Aufbaustudium. Das Staatsexamen schloss sie 1988 mit der Reifeprüfung für Konzertorgelmusik ab. Parallel dazu hat Takahashi-Töpfer in Kaiserswerth ein Studium für Kirchenmusik absolviert, mit Abschluss A-Musikerin.
Mit dieser umfangreichen Ausbildung war Takahashi-Töpfer dann zehn Jahre lang Kantorin in Mülheim/Ruhr. Als sie vor zwei Jahren heiratete, war es wichtig, mehr Zeit für die Familie zu haben. So kam die Düsseldorferin 2006 nach Unterbach. Der evangelischen Unterbacher Gemeinde ist ihr erstes Kinderkonzert beim Gemeindefest in nachhaltiger Erinnerung. In Unterbach singt sie mit zwei Kinderchören, einem Jugendchor und einem Frauenchor. Um die Freude an der Musik schon bei den Kleinsten zu fördern, singt sie jetzt auch im Kindergarten.
Mit der protestantischen Gemeinde in Osaka ist Takahashi-Töpfer quasi aufgewachsen. Jeden Sonntag verbrachte die Familie in der Gemeinde, mit Gottesdienst, Essen und anschließenden Sitzungen und Workshops. Damals weigerte sich die junge Frau, getauft zu werden. „Als Kind fand ich Kirche langweilig“, gesteht sie freimütig. Aber in der Düsseldorfer Johanneskirchen-Gemeinde wurde Yasuko dann im April 1989 getauft.
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