Mettmann: Panne mit Poller
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 14.02.2009Düsseldorf (RPO). Um Punkt 10 Uhr sollte gestern der Poller an der Mühlenstraße selbständig hochfahren. Erst mit Hilfe eines Technikers setzt sich die mit einem Motor gesteuerte Sperre in Bewegung. Kritik gibt es von Geschäftsleuten.
Die neuen Poller in der Fußgängerzone findet Hans-Günther Kampen richtig gut. Mit einem Fässchen Bier wurde gestern auf Einladung der UBWG-Fraktion im Beccofino sogar groß gefeiert, dass nun Autos und Lastwagen nur noch in der Zeit von morgens vier bis zehn Uhr durch die Mettmanner Innenstadt fahren dürfen.
Bevor sich allerdings der Poller an der Mühlenstraße feierlich aus dem Boden erhob, war erst mal die Hilfe der Stadt gefragt. Denn um Punkt 10 Uhr bewegte sich der eigentlich elektronisch gesteuerte Poller keinen Millimeter. "Wir haben bei der Stadt angerufen. Die haben sofort Ludger Steffen rausgeschickt und er der hat den Fehler behoben", sagt Kampen.
Sender ausleihen
Kosten: 25 000 Euro
Standorte: Mühlen-/Breite Straße und Höhe Möbelhaus Lensing.
Technik: Induktionsschleifen und kleine Ampeln verhindern, dass der Poller hochfährt, wenn ein Auto unmittelbar davor oder drauf steht.
Ausnahmen: Wer Möbel geliefert bekommt oder umzieht, kann bei der Stadt für 40 Euro Pfand einen Sender ausleihen.
Ob es jetzt dran lag, dass auf dem Poller deutlich lesbar "Made in Italy" steht, das wollte Beccofino-Wirt Guiseppe Di'Martino natürlich nicht bestätigen. "Da hatte Berlusconi seine Hände im Spiel", scherzte der Italiener, der sich selbst vehement für den Poller stark gemacht hatte. Der Lieferverkehr mit Lastwagen habe immer wieder dafür gesorgt, dass er plötzlich die Stühle beiseite räumen musste. Fußgänger seien von Autos belästigt worden, die verbotswidrig durch die Innenstadt fahren.
Aufgrund der Ausschreibung konnten die Kosten von geplanten 60 0000 Euro auf nunmehr 25 000 Euro reduziert werden. Wer außerhalb der Anlieferzeiten versucht, in die Innenstadt einzufahren, hat keine Chance mehr. Es sei denn, er ist Anwohner oder Berechtigter und hat einen Handsender, der auf Wunsch den Poller öffnet. Ein zweiter Poller ist in Höhe des Möbelhauses Lensing installiert worden.
Nicht mehr mit Taxi zum Arzt
Massive Kritik an der Poller-Lösung übt unterdessen Ralf Engelbracht von der Königshof-Apotheke an der Freiheitstraße 28 . Gehbehinderte Patienten könnten nun nicht mehr mit dem Auto oder dem Taxi vor das Ärztehaus an der Freiheitstraße vorfahren. "Das ist doch kompletter Wahnsinn, das hilft Freibier wenig", so Engelbracht im Gespräch mit der Rheinischen Post. Seiner Ansicht nach hätte genau das Gegenteil passieren müssen, nämlich dass die Fußgängerzone wieder für den Autoverkehr frei gegeben wird. In anderen Städten wie Aachen hätte man dies so gemacht und schon sei wieder Leben in der Innenstadt gewesen. "Als man noch mit dem Auto durch die Stadt fahren konnte, hatte ich zehn Angestellte, jetzt nur noch drei", sagt Engelbracht. Als man noch mit dem Auto durch die Stadt fahren konnte, habe es auch keine leer stehenden Geschäfte gegeben. Das habe man bei der UBWG aber offensichtlich vergessen, so Engelbracht enttäuscht.
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