Mettmann: Pipeline dicht? Bayer prüft
VON D. SCHMIDT-ELMENDORFF - zuletzt aktualisiert: 17.12.2009Düsseldorf (RPO). Am Mittwoch lud der Betreiber der umstrittenen Giftgasleitung zur öffentlichen Druckprüfung nach Baumberg. Mit 200 bar Druck wird Wasser in die Röhre geleitet, um Lecks aufzuspüren und Spannungen abzubauen.
Monheim Auf dem Monitor kommt die Druckwaage ins Bild, auf ihren rotierenden Kolben sind Kalibriergewichte in unterschiedlichen Größen aufgelegt. Die Kamera zoomt nun den Druckanzeiger des Manometers heran. Die Nadel steht auf exakt 208 bar. Etliche Kameras nehmen nun den auf diese Zahl gerichteten linken Zeigefinger von Projektleiter Werner Breuer ins Visier – seine Botschaft lautet: "Wir tun mehr als nötig."
Bayer MaterialScience hat die Presse an die Wolfhagener Straße in Baumberg eingeladen, um den sechsten und letzten Abschnitt der umstrittenen Kohlenmonoxid-Leitung einer Druckprüfung zu unterziehen. "Damit wollen wir sicherstellen, dass alle Arbeiten zum Bau der Pipeline, angefangen von der Herstellung der Rohre bis zur letzten Schweißnaht erfolgreich waren, erklärt Projektleiter Breuer. Dafür werden die sechs Abschnitte der Pipeline unter einem Druck von 200 bar mit Wasser gefüllt und so auf ihre Dichtigkeit überprüft. Bayer MaterialScience fährt den Test mit dem 15-fachen Wert des späteren Betriebsdrucks von 13,5 bar, das Gesetz schreibt einen Prüfdruck von nur 130 bar vor. Der TÜV Hessen nimmt die Prüfung ab.
Betriebsdruck
Die Bezirksregierung hatte den Betriebsdruck der Pipeline auf maximal 13,5 bar festgelegt. Im normalen Arbeitsfall beträgt der Druck an der Einspeisungsstelle zwölf bar und in Uerdingen, wo das Gas abgenommen wird, acht bis zehn bar. Die Konstruktion der Leitung ist auf 100 bar angelegt.
24-stündige "Stressprüfung"
Am frühen Morgen haben die Techniker der Firma Pipeline Services International GmbH & CoKG den Druck stufenweise auf 200 bar erhöht und lassen ihn zunächst für 90 Minuten stehen, um ihn dann wieder auf 15 bar zu senken. Anschließend folgt eine 24-stündige "Stressprüfung". "Der hohe Druck erhöht die Festigkeit der Leitung, weil dadurch etwaige Spannungen abgebaut werden", erklärt Guido Baumann, technischer Projektleiter.
Wasser sei das beste Mittel für die Druckprobe, weil bei der geringsten Undichtigkeit der Druck sofort abfallen würde, bei Gas hingegen ändert sich das Volumen kaum, erklärt Breuer. "Wasser ist aussagekräftiger als Gas." Zudem sind entlang der Trasse Erdthermometer installiert, weil auch Temperaturschwankungen zu einem Druckabfall führen können. Die Druckwaage misst selbst geringfügige Abweichungen im Leitungs-Druck, sie ist "präzise wie eine Apothekerwaage", betont Breuer. Die Bilder von der Messtechnik im Prüfcontainer überträgt eine Kamera nach draußen.
Nach Beendigung des 30-stündigen Tests wird das Wasser wieder herausgedrückt, die Röhre getrocknet, um Korrosionsschäden zu vermeiden. Am Ende müssen noch die letzten drei Schieberstationen in Langenfeld, Hilden und Ratingen aufgebaut werden. Von dort wird die Leitung nicht nur gesteuert und überwacht, sondern auch im Bedarfsfall abschnittsweise abgeriegelt.
Im Frühjahr ist die Pipeline technisch fertig. In Betrieb genommen werden könne sie aber erst, wenn alle Auflagen erfüllt seien, sagt Breuer. Dazu müssten noch die neuen Verdachtsflächen, wo Kampfmittel vermutet werden, überprüft werden. "Außerdem muss ein positiver Gerichtsbescheid vorliegen, aber wir sind zuversichtlich", versichert Baumann.
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