Erkrath: Politik aufs Korn genommen
VON SUSANN KRÜLL - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012Erkrath (RP). Beim Erkrather Karnevalszug wird die Lokalpolitik auf die Schippe genommen. Bei strahlendem Sonnenschein und bei Minusgraden verfolgen viele Narren den bunten Zug. Die Schützen gehen als Skitruppe mit.
Petrus meinte es gut mit den Erkrather Jecken. Bei strahlendem Sonnenschein aber Minusgraden setzte sich pünktlich um 14.11 Uhr der närrische Lindwurm am Gerberplatz in Bewegung. An der Spitze der Mottowagen der Erkrather Karnevalsgesellschaft "Die letzten Hänger 1963 e. V.". Alfred Niek hatte diesmal nicht hinter dem Lenker eines Traktors Platz genommen.
Als Erfinder des Sessionsmottos "Dies Jor lotte mer de Puppe danze" ließ er sich als Neandertaler gemeinsam mit Lebensgefährtin Sita Köppen durch die mit zahlreichen Jecken gesäumten Straßen der Stadt kutschieren. Eingerahmt von Schaufensterpuppen grüßte das Konterfei von Bürgermeister Arno Werner auf den Schultern der Neandertaler Statue, die dem Bass der Ercroder Jongs besonders am Herzen liegt. "Der Bürgermeister bekommt von uns die Keule. So gefällt ihm der Neandertaler vielleicht doch noch", so das rührige Urgestein.
Stimmung beim Biwak
Zum Biwak unter der Markthalle hatten vor dem Zug die "Letzten Hänger" geladen. Auf der RP-Bühne brachte Marita Weiß "Der Sonnenschein vom Niederrhein" mit ihren Karnevalsliedern die närrischen Zuschauer ebenso zum Schunkeln wie der von Pressewartin Gabi Bunk als "Urgestein des Karnevals" angekündigte Ralf Marquis. Auch eingefunden hatten sich die als Fußgruppe "Keller Kids". Die bunte Truppe wohnt an der Hochdahler Straße.
Auch auf anderen Wagen musste der Bürgermeister Kritik einstecken. "Grabpflege – gut und billig. Werner Schiefer" konnte man neben dem Grabhügel lesen, unter dem die Werbegemeinschaft Erkrath City zur letzten Ruhe gebettet lag. Der als Monsignore geverkleidete Vorsitzende Peter Müller hatte als "Totengräber" das (ruhende) Stadtmarketing ausgemacht. Neben einem Bild von Bundespräsidenten Wulf und Ex-Minister zu Gutenberg prangte auch eines von Werner auf dem bunten "Märchen-Wagen" von Bündnis 90/Die Grünen. Als "Lüge" prangerte der Ortsverband "sichere Atomkraft" und den Skandal um die mangelhaften Silikon-Brüste an: "Dachtet wohl, dass ich's nicht merk" – so das Fazit der Wagenbesatzung.
Die IG Erkrath nahm die Bayer-AG aufs Korn. Deren Vorstände hielten Ohren, Mund und Augen von Ministerpräsidentin Kraft, Umweltminister Remmel und der Bezirksregierung zu. Guido Vogt, Leiter der Erkrather Feuerwehr, steuerte den feuerroten, historischen Trecker vor dem Einsatzfahrzeug seiner als Bauarbeiter-Trupp verkleideten Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie empfahlen sich als Verstärkung für die Bauarbeiten auf Pose Maré: "Die Planung fand man einfach toll, vielleicht nahm man den Mund zu voll."
Schützen auf Iglu-Wagen
Weniger provokant aber nicht weniger einfallsreich und bunt kamen die Wagen der Vereine daher: Als Skitruppe samt Schlitten und Snowboard auf Rollen zog das Pagen Corps der St. Sebastianer Schützen auf einem "Iglu-Wagen" mit. Der feierlustige Indianerstamm der Katholischen Jugend Unterbach und Erkrath brachte ihren Anhänger beim Tanzen kräftig zum Wippen und für königlichen Glanz sorgte das Unterbacher Königs- und Prinzenpaar auf ihrem Wagen. Alle bedachten die Feiernden mit reichlich Wurfmaterial.
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