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Mettmann: Prozess nach Messerangriff

VON ULLA PANTEL - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 18:45

Düsseldorf (RPO). Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung an seiner Frau muss sich ein 38-Jähriger vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Die Ehe wurde in der Türkei arrangiert.

Die schwer verletzte Fatma E. wird mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Foto: RPO

Seine Frau hatte ihn nach Jahren des Streits und der Gewalt aus der gemeinsamen Wohnung in Wülfrath gewiesen. 24 Tage später verschaffte sich der 38-Jährige unbemerkt Zutritt und verletzte seine Frau mit einem Fleischermesser lebensgefährlich. Sie erlitt drei Stichverletzungen in Brust und Oberbauch und unter anderem einen Lungenriss. Die Gallenblase musste in einer Notoperation entfernt werden.

Kinder waren in der Schule 

Die junge Frau hatte nach der Messerattacke versucht, telefonisch Hilfe herbeizurufen, die Telefonleitung sei aber unterbrochen gewesen, sagte sie. Von ihrem Ehemann unbehelligt konnte sie sich zur Wohnung ihrer Schwägerin retten, die eine Etage tiefer wohnte. Die fünf Kinder des Ehepaares befanden sich zum Tatzeitpunkt in der Schule und im Kindergarten.

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Das Opfer schilderte, ihr Mann habe das Messer im Badezimmer aus der Gesäßtasche gezogen und aus einer Art Packpapier gewickelt. Sie habe ihn keineswegs beleidigt, schließlich wisse sie, wie empfindlich er sei. Sie habe ihn nur aufgefordert, wieder zu gehen. Da habe er zugestochen. Insgesamt sind für den Fall sieben Prozesstage angesetzt. Am 19. November sollen Zeugen aus dem Umfeld vernommen werden.

Gleich zu Prozessbeginn ließ der Angeklagte, der nur schlecht deutsch spricht, von seinem Anwalt eine Erklärung vortragen, in der er seine Frau um Verzeihung bat. Der Angeklagte ist in der Türkei aufgewachsen. Seine Frau ist in Deutschland geboren und hat eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Nach einem missglückten Versuch, sich dem Einflussbereich der Eltern zu entziehen, stimmte sie einer arrangierten Heirat in der Türkei zu. "Ich wollte meinen Eltern nicht wieder Kummer machen", sagte sie.

Ihren Ehemann lernte sie 1993, einen Tag vor der Hochzeit, kennen. Der 38-Jährige siedelte nach Deutschland über und fand Arbeit in einer Gießerei. Geschlagen habe er sie schon zu Beginn der Ehe, ohne Grund. "Vorsorglich, damit ich Bescheid wüsste," so das Opfer. Das Verhältnis habe sich erst gebessert, als der erste Sohn geboren wurde, doch dabei blieb es nicht.

Über den Balkon gelangten die Einsatzkräfte in die Wohnung. Foto: RPO

Das Paar stritt sich oft. Der Familienvater verspielte seinen Verdienst in Spielautomaten und beschuldigte seine Frau, sie betrüge ihn mit Männern im Internet. Auch die älteste Tochter soll schon einmal von ihrem Vater mit dem Messer bedroht worden sein, nachdem sie eine Diskoveranstaltung in der Schule besucht hatte. Mehrfach zieht die Mutter mit ihren Kindern zu Verwandten. Ihr Mann holt sie immer wieder unter Entschuldigungen und Beteuerungen zurück. Mehrfach weist sie ihn aus der Wohnung und lässt sich wieder begütigen.

Am 15. Februar zieht sie einen Schlussstrich. Sie nimmt ihm die Schlüssel ab. Der Angeklagte übernachtet in seiner Firma oder draußen. Er habe kaum geschlafen, es sei kalt gewesen, er habe nichts zu essen gehabt und sei überreizt gewesen, hieß es im Prozess. Täglich lungert er vor der Wohnung herum, bittet mal um Einlass, mal um Kleidung.

Damals war die Feuerwehr mit ihren Einsatzkräften vor Ort. Foto: RPO

Zweitschlüssel für Wohnung 

Am 11. März betritt er die Wohnung mit einem Zweitschlüssel, als seine Frau und die Kinder aus dem Haus sind, angeblich, um warme Kleidung zu holen und sich etwas auszuruhen. Geräusche, sagt er, hätten ihn geweckt. Seine Frau sei im Bad gewesen. Sie habe ihn gleich beschimpft und seine Ehre beleidigt. Er habe aus dem Affekt zugestochen.

Der gebürtige Türke behauptet, sich an die Herkunft des Messers nicht erinnern zu können. Wenn er seine Frau hätte töten wollen, sagt er, hätte er sie nicht aus der Wohnung gelassen. Vielmehr sei er selbst über das Blut geschockt gewesen.

Quelle: RP

 
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