Kreis Mettmann: Rasenfan bis in die Halmspitzen
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 03.08.2012Kreis Mettmann (RP). Auf Gut Bruchhausen baut Martin Reus 19 Hektar Rasenfläche an. Der Fertigrasen wird Matte für Matte abgeschält und an Firmen und Privatgärten verkauft. Zuchtergebnis in 40 Jahren: 9 Millionen Hektar.
Das Geheimnis eines tollen Wembley-Rasens steht auf einem DinA4-Blatt. "Wer sich an diese Tipps und Hilfestellungen hält, wird immer mit einem ausgezeichneten Rasen belohnt", sagt Martin Peus. Der Mann muss es wissen. Peus ist Chef über insgesamt 19 Hektar (das ist so groß wie 23 Fußballplätze) gezüchteter Rasenflächen an der Grenze Düsseldorf/Mettmann. Firmen und Unternehmen können dort Fertigrasen in allen Größen kaufen.
Sähen, düngen, mähen, wässern: Auf dem DINA4-Zettel, den jeder Kunde bei Peus mitbekommt, gibt's alle Kniffe und Tricks. "Aber man muss einen Rasen schon kontinuierlich pflegen" mahnt der Rasenexperte, "es reicht nicht, ihn zu verlegen, und dann ist gut." Um seine Kunden an die Pflegepflicht zu erinnern, kann er bei beispielsweise wohlhabenen Damen mit roten Fingernägeln und Schoßhund deutlich werden: "Ich sage immer: ,Wie sehen Sie denn aus, wenn Sie sich ein halbes Jahr nicht pflegen?'"
Tipps für das Gras
Die beste Schnitthöhe liegt nach dem ersten halben Jahr bei 3,5 bis 4 Zentimeter. Tiefere Schnitte reduzieren das Wurzelwachstum. Bei großer Hitze soll er etwas länger bleiben. Nie mehr als 40 Prozent der Halmhöhe auf einmal abmähen, da der Rasen sonst ausdünnt.
Immer harten, nie weichen Boden
Seit 40 Jahren züchtet man auf Gut Bruchhausen Rasen. Gut 60 Prozent kaufen Unternehmen, so zum Beispiel die Messe Düsseldorf. 40 Prozent gehen in private Gärten.
Das A und O: Der Boden, auf dem der Rasen verlegt wird, muss fest sein, "kein lockerer Boden", sagt Peus. Darauf fühlen sich dann die drei Grassorten wohl, die Peus als optimalen Allround-Rasen verkauft: Deutsches Weidegras, Rotschwingel und Wiesenrispe. Zwischen 2,80 und 5,70 Euro kostet der Quadratmeter, je nach Menge, die benötigt wird. Selbstabholer nehme die Matten mit, aber Peus bringt sie auch frei Garten. In den meisten Fällen können die schweren Stücke (ein Quadratmeter wiegt 25 Kilo) mit einem Kran in den Graten gehoben werden, "aber wir müssen auch schon mal den Rasenteppich durchs Wohnzimmer tragen", sagt er.
Von der Aussaat bis zur Ernte dauert es zwölf Monate. Ein ganzes Jahr, in dem auf Gut Bruchhausen gemäht, gedüngt, gebürstet, gewässert und abgesaugt werden muss. Geerntet wird, wenn ein Kunde die Teppichbahnen haben will. Wo Weizen, wenn er reif ist, in den Verkauf muss, kann Peus beim Rasen kalkulieren wie in Börsenbroker. Nur wenn der Preis stimmt, gibt er die grünen Rasenteppiche frei.
Dann fährt Peus mit einem seiner beiden Mitarbeiter auf der riesigen Maschine los, die 40 Zentimeter breite Streifen Rasen vom Boden schält. Die zusammengelegten, nicht gerollten Matten werden per Hand auf Top-Qualität geprüft. Schon ein Steinchen im Boden führt zum Ausschuss. "Wir garantieren: In unserem Rasen ist keine einzige Ameise."
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