Erkrath: Rotarier gegen Polio
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 23.10.2009Düsseldorf (RPO). Die Rotarier nutzen den Welt-Polio-Tag am Samstag in Erkrath, um auf den Kampf gegen die Kinderlähmung aufmerksam zu machen. Um die Krankheit weltweit endgültig zu besiegen, sind noch Impfungen nötig.
Die Augenbrauen von Dr. Jürgen Schumacher sind so buschig, dass er beinahe Theo Waigel Konkurrenz machen könnte. Aber mit Bayern hat der gebürtige Saarländer gar nichts am Hut. Eher mit Biotech. Als junger Biologe war es seine Aufgabe, Viroide in Pflanzen nachzuweisen. Vom Saarland zog es ihn nach Düsseldorf. Er arbeitete als Doktorand in einem Labor.
Irgendwann entwickelte er einen Test, der heute noch weltweit verwendet wird. "Später habe ich dann die Firma Qiagen gegründet", erzählt Schumacher, als wäre das Hildener Weltunternehmen eine kleine Klitsche mit ein paar Mitarbeitern. In Erkrath Unterfeldhaus betrieb er bis 2008 das biopharmazeutische Unternehmen NewLab, bis er es für 34 Millionen Euro an die Amerikaner verkaufte. In seiner Freizeit engagiert sich Schumacher, der in Erkrath wohnt, bei den Rotariern des RC Neandertal. Weil Rotarier von rotieren kommt, wechselt der Präsident jedes Jahr. Dieses Jahr ist Dr. Jürgen Schumacher dran.
1000 Clubs sammeln
Unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Norbert Lammert veranstaltet Rotary Deutschland am 24. Oktober einen Nationalen Polio-Aktionstag.
Die nahezu tausend deutschen Rotary Clubs mit 50 000 Mitgliedern werben an diesem Samstag in der Öffentlichkeit um finanzielle Unterstützung für den weltweiten Kampf gegen die Kinderlähmung.
Schluckimpfung ist süß
Am Samstag wird er mit seinen Kollegen vom Rotary-Club nun mit der Sammelbüchse durch die Fußgängerzone von Alt-Erkrath und Unterbach ziehen. Die Rotarier haben den Samstag zum Welt-Polio-Tag erklärt. An einem 24. Oktober wurde Jonas Salk (1914-1995) geboren. Er hat in den 50er-Jahren den ersten wirksamen und sicheren Polio-Impfstoff entwickelt. "Kinderlähmung ist grausam – Schluckimpfung ist süß" – hieß es auch in Deutschland noch vor 30 Jahren. Hierzulande ist die Krankheit ausgerottet, doch es gibt immer noch 60 000 Menschen, die vor der Einführung der Impfung an Polio erkrankten und zum Teil bis heute an starkre Müdigkeit oder neueinsetzende Lähmungserscheinungen leiden.
Ganz anders sieht es in Ländern wie Indien, Pakistan, Afghanistan und Nigeria aus. Dort lebt das weltweite letzte Prozent von Kindern, die noch nicht gegen die Kinderlähmung geimpft worden sind. Genau da setzt Rotary an, um mit massen haft verteilten Impfdosen die Kinderlähmung endgültig zu besiegen. Rotary International hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2012 weitere 200 Millionen Dollar im Kampf gegen Polio aufzubringen. Erreichen wollen die Rotarier ihr Ziel auch mit kleinen Sammel-Aktionen wie am Samstag in Erkrath. Auch wenn es in ihren Reihen Großspender wie den Microsoft-Gründer Bill Gates gibt, der alleine 355 Millionen US-Dollar spendete.
"Wenn der Übertragungsweg nicht unterbrochen wird, kann sich die Seuche wieder ausbreiten", sagt Dr. Jürgen Schumacher. Die Krankheitsrreger können sich durch den Flugverkehr schnell in viele Länder ausbreiten. Dann wäre auch wieder Deutschland gefährdet.
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