Mettmann: Schock für die Volksparteien
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 01.09.2009Düsseldorf (RPO). Bei der Kommunalwahl bläst CDU und SPD der Wind ins Gesicht. Gewinner sind die kleinen Parteien und unabhängige Wählergemeinschaften. Parteiengezänk stößt Bürger ab.
Die Volksparteien CDU und SPD verlieren ihre Stellung als politische Meinungsbildner und Sammelbecken. Beide großen Parteien haben in den Städten des Kreises und im Kreistag teils empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Dies mag daran liegen, dass es der CDU nicht gelungen ist, die eigenen Wähler zu mobilisieren, wie CDU-Kreischef Wilhelm Droste sagt. Auch der Landestrend bremste. Doch der Trend muss Ursachen haben. Offensichtlich wird diesen Parteien nicht die Lösung unserer Probleme zugetraut. Zudem: Beide stehen in Berlin in Verantwortung und muten dem Bürger Lasten zu.
Nichtparteiliche Wählergemeinschaften gewinnen an Boden. Ebenso Kandidaten, die nicht parteigebunden sind. Ein Trend, den die SPD-Kreisvorsitzende Kerstin Griese vor dem Hintergrund des neuerlichen, bitteren Verlustes benennt. Die Volksparteien haben nicht mehr die Bindungskraft wie früher. Die kleinen Parteien dagegen, die sich mit wenigen umrissenen Themen positionieren, freuen sich über Zuwächse Die FDP im Kreis kämpft um eine solide Finanzpolitik, um den Bürger zu entlasten. Das kommt an. Fraktionsvorsitzender Dirk Wedel erkennt: "Die Bürger honorieren erfolgreiche Politik."
80 Sitze statt 66
Dem neuen Kreistag werden 80 Mitglieder angehören.
Weil die Kandidaten der Christdemokraten in allen 33 Wahlkreisen ihr Mandat direkt gewonnen haben, der CDU nach der prozentualen Verteilung nur 27 Sitze zustehen, werden die Mandate der anderen Parteien aufgestockt, bis die Zahl der jeweiligen Mandatsträger dem Stimmenanteil der Partei entspricht.
Kleine sind die Gewinner
Die Grünen setzen auf Umwelt und Soziales. Kämpfen gegen die Neuansiedlung von Gewerbe im grünen Umland. Landratskandidat Nils Lessing: "Viele Leute haben erkannt, dass es Zeit ist, ökologische Ziele durchzusetzen." Die Versiegelung von Flächen muss aufhören.
In diesem Umfeld kommt der Erfolg der Wülfrather Gruppe und ihrer Bürgermeisterkandidatin Claudia Panke gar nicht so überraschend. Der CDU und der SPD traut der Wähler nichts zu, die CDU wird zusätzlich für ihre Querelen mit der noch amtierenden Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff abgestraft, die sie erst auf den Schild gehoben hatte und dann abwählen lassen wollte. Auffallend: Schon Lorenz-Allendorff war eine politische Quereinsteigerin und wurde 2004 überraschend von den Wülfrathern gewählt.
Der Wähler honoriert handwerklich solide Arbeit in den Verwaltungen. Parteigezänk, das diese Arbeit verhindert, ist ihm ein Gräul. Landrat Thomas Hendele fuhr ein sehr gutes Wahlergebnis ein, weil er gute handwerkliche Arbeit macht. Warum sollte man ihn abwählen? Gleiches gilt für den Erkrather Bürgermeister Arno Werner. In Mettmann hatten die Wähler diese Chance nicht, weil Bodo Nowodworski nicht mehr antrat. Lorenz-Allendorf in Wülfrath belastet ihre Fehde mit der CDU. Personen überzeugen, Parteien dagegen nicht.
Die siegreichen Kandidaten freilich profitieren von der Abschaffung der Stichwahl. Nur Landrat Hendele wäre im ersten Wahlgang gewählt worden. Bei den Bürgermeisterwahlen in Mettmann, Erkrath und Wülfrath wären anders Stichwahlen notwendig gewesen.
Special
Ergebnisse, Sieger, Verlierer: Alle Infos zur Kommunalwahl finden Sie in unserem Special. Eine Übersicht über die Wahlergebnisse in den Städten und Gemeinden finden Sie hier.
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