Erkrath: Schön ist, was ins Auge fällt
VON STEPHANIE JOSST - zuletzt aktualisiert: 13.09.2007Düsseldorf (RPO). Sessel oder Couchgarnitur erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Wie ein Sitzmöbel hergestellt wird, erklärte Polsterer Andreas Sanne bei Möbel Flamme in Erkrath.
Vergangene Woche war die Freude noch groß. Eine neue Sitzgarnitur bezogen mit echtem Leder fürs Wohnzimmer für gerade Mal 800 Euro. Ein echtes Schnäppchen oder entpuppen sich Sofa und Sessel im Nachhinein als eine teure Anschaffung? Antworten rund um Ausstattung und Lebensdauer von Polstermöbeln gab Fachmann Andreas Sanne, Polsterer des ostwestfälischen Möbelherstellers Frommholz.
Preis als gute Orientierung
„Die Qualität eines Sessels oder Sofas ist für den Laien auf den ersten Blick kaum erkennbar“, erklärt der Fachmann. Eine gute Orientierung sei jedoch der Preis. „Qualität kostet. Wer Sitzmöbel mit langer Haltbarkeitsdauer haben möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen.“ Hart geht er mit „Billig-Produkten“ aus Fernost ins Gericht. „Daran hat man oft nur ein halbes Jahr Freude. Danach seien oft extreme Abnutzungsspuren zu erkennen.
Mode und Preis
Andreas Sanne hat Qualitätseinbußen bei Möbelstücken besonders in den vergangenen 15 Jahren bemerkt. „Zuvor waren viele Produkte hochwertig.“ Aber auch die Kaufentscheidung der Kunden habe sich verändert.
„Schön ist, was ins Auge fällt, Qualität und Lebensdauer steht besonders bei der jüngeren Generation nicht mehr an erster Stelle.“ Die Wohnungseinrichtung werde eben öfter als noch vor 20 Jahren gewechselt.
Bei seinem Arbeitgeber in Spenge wird Handarbeit immer noch großgeschrieben. „Wir stellen bis zur Auslieferung der Möbel alles selbst her.“ Aber woraus besteht denn nun ein Polstermöbelstück aus gutem Hause? Das tragende Element ist ein Gestell aus Massivholz. Dieser Tragrahmen nimmt die Grundfederung auf, welche bei Frommholz-Produkten mit Federleinen und Wattefilz oder Sisalmatten abgedeckt ist. Der weitere Polsteraufbau kann variieren. Er ist sowohl auf der Basis eines Federkernes wie auch auf der Basis einer Schaumstoffkombination möglich. „Wir benutzen einen Federkernaufbau mit spezieller Drahtverstärkung in den Randzonen“, erklärt Sanne und zeigt die Elemente aus einem zerlegten Sessel. Wenn die Federn sitzen, werden diese mit Schaumstoff oder andern Polstermaterial überdeckt. Schließlich sollen diese beim Sitzen nicht spürbar sein.
Untergestell aus Spanplatten
„Das Innenleben ist weitgehend für Sitzkomfort und Lebensdauer verantwortlich.“ Die Polsterung ist bei Qualitätsprodukten mehrschichtig und relativ dick. Härtere Schichten sorgen für Stabilität, die weicheren Schichten an der Oberfläche für weichen Sitz. „Hier unterscheidet sich der Qualitätssessel vom Billigprodukt“, betont Sanne. „Eine Federung von fünf bis sieben Zentimetern wird mit etwas Schaumstoff und vielleicht ein bisschen Watte überdeckt.“ Das Untergestell sei zudem nicht aus Holz, sondern bestehe häufig aus Spanplatte.
„Wer nur ein geringes Budget zur Verfügung hat, dem bleibt natürlich nichts anderes übrig, als nach dem günstigsten Preis zu gehen“, erklärt der Polsterer, der sich seine privaten Sitzmöbel selbst anfertigt. Einen kleinen Tipp hat er trotzdem auf Lager: „ In jedem Fall sollte der Sessel vor dem Kauf gut abgetastet werden.“
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