Kreis Mettmann: Schummrige Museumsnacht
VON ULLA PANTEL - zuletzt aktualisiert: 25.08.2008Düsseldorf (RPO). 13 Museen luden Bürger ein, Ausstellungen jenseits der eigenen Stadtgrenzen zu besichtigen – bei freiem Eintritt. Besucher kamen auch aus Düsseldorf und erlebten eine Wohnstube, eine Fabrik und Schlösser der Alten Ägypter.
Eine Museumsnacht ist eine gute Gelegenheit, einmal über den Tellerrand zu blicken und an einem einzigen Abend gleich mehrere Museen kennen zu lernen. Die Hoffmanns sind zur Museumsnacht aus Düsseldorf ins Neanderland gekommen. „Ich bin oft beruflich hier, aber nach der Arbeit habe ich es noch nie geschafft, ins Museum zu gehen“, erzählt Ingrid Hoffmann.
Ihre Entdeckungstour startet in Wülfrath. Im Niederbergischen Museum laden die ehrenamtlichen Mitarbeiter zur Zeitreise in ein Wohnhaus des 19. Jahrhunderts ein. Bei Kerzenlicht (sicherheitshalber elektrisch) – hellere Beleuchtung gab es früher ja nicht – können die Besucher den Bewohnern bei ihren abendlichen Verrichtungen zuschauen.
Museumsnacht
13 Museen und naturkundliche Einrichtungen im nördlichen Kreis Mettmann, in Ratingen, Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath, Mettmann und Erkrath, hatten in der Nacht zu Samstag bis 24 Uhr geöffnet – bei freiem Eintritt.
Mit 250 Besuchern waren die Verantwortlichen im Niederbergischen Museum mit der Resonanz sehr zufrieden.
Die Museumsnacht fand zum dritten Mal im Neanderland statt.
Geister der Vergangenheit
Besucher Hans-Gerd Vitz ist mit den „Geistern der Vergangenheit“ bald ins Gespräch vertieft. „Das ist mal was ganz anderes“, lobt er die Idee. Die Hoffmanns müssen allerdings noch mal wiederkommen, wenn sie den Inhalt der Vitrinen sehen wollen. Dafür ist es zu dunkel.
Das Schloss- und Beschlägemuseum in Velbert zieht Kinder in seinen Bann. Fleißig werden die Mechanismen ausgetüftelter Sicherheitssysteme erkundet. Justus Schwagereit und Felix Kriegel erklären begriffsstutzigen Erwachsenen gern ein hölzernes Schließsystem aus dem alten Ägypten. Wolfgang Hoffmann sinniert vor den kunstvoll verzierten Schmuckkästchen. „So eine Handarbeit würde heute niemand mehr bezahlen können.“
Urgemütlich ist es im Museum Abtsküche. Sogar die Schulbänke wecken Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“. Die historische Gaststätte mit dem zeitgenössischen Bier lädt Besucher zum Verweilen ein, doch Hoffmanns haben noch viel vor.
In der Textilfabrik Cromford beeindruckt die Technik heute noch. Langsam dreht sich das große Wasserrad, das einst die Maschinen bis in den 3. Stock antrieb. Die Nachfahren von Fabrikgründer Brügelmann sind mit im Einsatz, zeigen Besuchern die Licht- und Schattenseiten der frühen Industrialisierung. Dorothea Jacobine Brügelmann in historischer Kleidertracht zeigt am Rocksaum die üppigen Stoffschichten über ihrem Reifrock. „Das ist ein ziemliches Gewicht auf den Hüften“, erzählt sie. Derweil erklärt Ilona Keuler als einfache Arbeiterin, wie Baumwolle gekämmt, gewalzt und schließlich zum stabilen Faden gedreht wurde.
Im Museum der Stadt Ratingen erleben die Hoffmanns einen Kulturschock: Die Pop-Art Ausstellung der Sammlung Beck schleudert sie aus der Historie in die schrille Welt der 60er. „Interessant, aber zu viel für heute Abend“, urteilt Ingrid Hoffmann. Sie kommt später wieder – vielleicht nach der Arbeit?
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