Mettmann: Sonnenschein als Zugabe
VON HORST KLITZING - zuletzt aktualisiert: 12.09.2006Düsseldorf (RPO). Wuppertaler Kurrende sang in der Evangelischen Kirche an der Freiheitstraße.
50 Knaben- und 30 Männerstimmen boten einfühlsamen, hervorragenden A-cappella-Chorgesang.Es war schon ein Ereignis der besonderen Art, den Knabenchor „Wuppertaler Kurrende“ in der Evangelischen Kirche an der Freiheitstraße in Mettmann zu hören. Wer musikalische Kultur, die Pflege des A-cappella-Chorgesangs, die sehr gute Qualität eines Knabenchores schätzt und ein Faible für Kirchenmusik hat, der kam an diesem Abend auf seine Kosten.
Mit einem alten lateinischen Gesang aus dem 15. Jahrhundert zogen die rund 50 Knaben und 30 Männerstimmen in die Kirche ein. Martin Lehmann dirigierte den Ablauf und den Gesang mit sparsamen Gesten, wie auch später den Chor mit Sorgfalt und Einfühlung, 50 Jungen hielt er über fast zwei Stunden mit Konzentration bei der Stange. Man spürte es und konnte es hören, dass hier eine Chorgemeinschaft trotz des beträchtlichen Altersunterschiedes eine Musik von hoher Intensität und hoher Intelligenz gestaltete.
1924 gegründet
Der Knabenchor „Wuppertaler Kurrende“ wurde 1924 gegründet und hat sich im norddeutschen Raum zu einer tragenden Säule der evangelischen Kirchenmusik entwickelt.
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Mit Johann Hermann Schein, Hans Leo Hassler und Heinrich Schütz begann der Abend. Im Satz „O, lieber Herre Gott“ aus der Geistlichen Chormusik von 1648 gelang dem Chor ein idealer „Schützklang“ mit strahlender Oberterz, wie überhaupt die Intonation von makelloser Reinheit war. Wie ein Männerchor auch klingen kann, brachte ein Psalm von Hans Leo Hassler mit sonorem, vollem Klang ohne Pressluft und zerquetschte Tenöre. Für weitere Abwechslung sorgte ein „Kleines geistliches Konzert“ für Solostimmen von Schütz, das vier Solisten mit Orgelbegleitung von der Empore sangen.
Mozartjahr ließ grüßen
Das Mozartjahr ließ grüßen mit vier kleinen Kompositionen des jungen Mozart und einem Spätwerk, dem Andante F-Dur KV 616, ohne Pedal auf der Orgel gespielt. Es entstammt einer kleinen Reihe von Auftragswerken - für eine Flötenuhr. Der duftigen Leichtigkeit und den perlenden Läufen hört man es nicht an, dass sie für ein mechanisches Spielzeug und 1791 in der finanziellen Not im Todesjahr Mozarts komponiert wurden.
Später spielte Friedhelm Haverkamp aus Hilden, der Kantorin Roselies Evang-Kords vertrat, noch zwei Sätze aus einer Fantasie des Franzosen Camille Saint-Saens (1835 -1921).
Unter Umgehung der beiden Großmeister des Barock, Bach und Händel, gelangte das Programm über Felix Mendelssohn Bartholdy an die Schwelle der Gegenwart. Zwei Psalmen des Romantikers boten dem Chor großartige Gelegenheit zu sattem, nuancenreichem Klang und jauchzender Strahlkraft. Drei Gebete des Franz von Assisi, komponiert von Francis Poulanc, gestaltete der Männerchor filigran und schwingend aber auch mit mächtigem Volumen.
Hochinteressant war der letzte Teil des Programms mit modernen Kompositionen, deren letzte von Javier Busto (gest. 1949) mit dem „Jubilate Deo“ in dissonanter Leuchtkraft und mit gewaltigem Fortissimoschluss, ein Höhepunkt des Abends war. Als Zugabe bot die Kurrende das innige Abendlied „Hinunter ist der Sonnenschein“ von Melchior Vulpius.
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