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Mettmann: Später zur Schule?

VON MONIKA SPANIER, JOCHEN DELPHENDAHL UND JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 27.03.2009

Düsseldorf (RPO). Die Landesregierung ermöglicht es, mit dem Unterricht künftig erst nach 8.30 Uhr zu beginnen.

In Mettmann, Erkrath und Wülfrath lehnen Schulleiter solche Überlegungen ab.
Früh ins Bett gehen, heißt es auch künftig für die Schüler wie hier am Heinrich-Heine-Gymnasium in Mettmann. Morgens lange ausschlafen wird es in der Woche auch künftig nicht geben.  Foto: RPO
Früh ins Bett gehen, heißt es auch künftig für die Schüler wie hier am Heinrich-Heine-Gymnasium in Mettmann. Morgens lange ausschlafen wird es in der Woche auch künftig nicht geben. Foto: RPO

Morgens erst mal ausschlafen, dann um 9 Uhr so langsam die Schulsachen packen und zum Unterricht schlendern. Was für Schüler verlockend sein mag und was die NRW-Landesregierung den Schulen seit neuestem gestatten will – Schulleiter in Mettmann, Erkrath und Wülfrath halten von der Idee nicht viel. Bislang musste der Unterricht in einem Zeitkorridor von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr beginnen. Künftig darf es auch später sein, wenn die Schule ein überzeugendes Konzept vorlegt, so der Sprecher des Schulministeriums, Thomas Breuer. Ernsthaft überlegt wird dies an Schulen aber nicht.

Dem Unterricht Rhythmus geben

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Schulbeginn

Schulbeginn früh am Morgen als Training auf das spätere Berufsleben oder erst später am Vormittag, weil die Schüler sonst noch nicht richtig wach sind?

Was denken Sie? Schreiben Sie uns, was Sie von den Überlegungen des Landes halten, den Unterricht nach 8.30 Uhr beginnen zu lassen.

Email: redaktion.mettmann@rheinische-post.de

Fax: 02104 92797-29

Mettmann "Warum sollten wir das tun?" fragt die Leiterin des Mettmanner Heinrich-Heine-Gymnasiums, Sabine Thomas überrascht. Das Argument der Befürworter, die Kinder seien am frühen Morgen noch nicht fit, lässt sie nicht gelten. "Das ist doch einfach Training." Wenn man immer früh aufstehe, gewöhne man sich daran. Außerdem handle man sich durch den späteren Beginn den Nachteil ein: Die Schule endet dann auch später. Und das Mittagstief der Schüler fällt dann möglicherweise ausgerechnet in den Unterricht.

Thomas hält mehr davon, dem Unterricht einen vernünftigen Rhythmus zu geben. Dazu gehören längere Unterrichtseinheiten als 45 Minuten. "Wir haben Doppelstunden eingeführt, wo immer es geht", sagt die HHG-Chefin. So nutzen alle Beteiligten die Zeit effizienter. Die Schüler brauchen nicht so oft packen und umziehen, die Taschen werden leichter, Lehrer und Schüler bereiten sich auf drei oder vier Unterrichtseinheiten vor statt auf fünf bis sechs. Sie arbeiten konzentrierter. Dazu zwei große Pausen mit Bewegung an der frischen Luft.

Zu den Neuerungen in der Organisation der Schulen hat Sabine Thomas eine reservierte Meinung: "Es wäre gut, wenn man uns in Ruhe arbeiten ließe."

Morgenstund hat Gold im Mund

Erkrath Die Schulleiter sehen keinen Sinn im Hinausschieben des Unterrichtsbeginns. "Das könnten wir gar nicht im Alleingang entscheiden. Wir sind ja im Schulzentrum und kooperieren außerdem noch mit Hochdahl", sagt Hans Gruttmann, Leiter des Gymnasiums am Neandertal in Erkrath und macht auf ein weiteres Problem aufmerksam. "Die erste Doppelstunde Sport etwa könnten wir bei einem späteren Unterrichtsbeginn nicht mehr geben."

Die benachbarte Realschule Erkrath will die Verschiebung des Schulbeginns "sicher heute und morgen nicht in die Diskussion bringen", betont Schulleiter Torsten Krieger. Wenn es zu Veränderungen komme, müssten diese wegen der Verflechtungen großflächig abgedeckt werden. So etwa seien die Busfahrpläne auf die Anfangszeiten der Schulen abgestimmt.

"Ich habe noch nicht über die Möglichkeit nachgedacht, später mit dem Unterricht zu beginnen", sagt Karin Malzkorn, Leiterin der Carl-Fuhlrott-Schule. Im Schulzentrum Hochdahl müsste sich die Hauptschule mit Realschule und Gymnasium abstimmen.

Einen anderen als den jetzt diskutierten Weg ist die Albert-Schweitzer-Schule gegangen. "Wir haben vor etwa einem Jahr den Schulbeginn auf 7.45 Uhr vorgezogen", sagt Schulleiter Gerd Barthel. Wenn sich der Unterricht nach hinten verschiebe, bleibe für private Unternehmungen der Schüler keine Zeit mehr übrig. Zudem gehe der Familie dann eine ganze Stunde verloren. "Die Schüler sind durch den verstärkten Ganztagsbetrieb dem Familienleben ohnehin schon weit entzogen." Wenn sie dann morgens länger in den Betten lägen, seien die Eltern bereits unterwegs.

"Morgenstund' hat Gold im Mund" schmunzelt Dieter Smolka, Leiter des Gymnasiums Hochdahl. Man sollte nicht auf jeden erstbesten Zug aufspringen. "Für uns hat es sich bewährt, dass wir morgens positiv loslegen", betont Smolka. "Warum sollte man das ändern?"

Zeitproblem am Nachmittag

Wülfrath An den Schulen in Wülfrath beginnt die Schule um 8 Uhr. An eine Veränderung wird nirgends gedacht. Nachdem am Gymnasium die Schulzeit auf acht Jahr verkürzt wurde, ist der Nachmittag bis 16 Uhr dicht mit Unterricht, sagt Schulleiterin Erika Winkler. Würde später angefangen, wäre noch später Schluss und viele Kinder hätten ein Zeitproblem mit ihrem Training in Sportvereinen oder dem Besuch des Konfirmationsunterrichts. Eine Veränderung des Unterrichtsbeginns wäre laut Winkler ohnehin nur in Absprache mit den anderen Schulen möglich, da viele Kinder mit dem Schulbus kommen.

An der Hauptschule Wülfrathwird über einen späteren Beginn nicht nachgedacht, weil der Unterricht kaum noch vernünftig zu organisieren wäre, sagt Ulrike Preuß. Ihr Kollege an der Realschule, Frieder Winterberg, verweist darauf, dass dort die Schulstunden auf 60 Minuten verlängert wurden. Die ersten Erfahrungen seien zufriedenstellend. Für weitere Veränderungen gebe es keinen Grund.

Quelle: RP

 
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