Kreis Mettmann: SPD macht sich Mut
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009Düsseldorf (RPO). Dresdner Schwung in Ratingen: Kerstin Griese, Peer Steinbrück und Michael Groschek bringen frischen Elan vom Parteitag mit. Auf der Delegiertenkonferenz des Kreises werden die Landtagskandidaten aufgestellt.
Nach den desaströsen Wahlergebnissen kann es aus Sicht der hart erschütterten SPD einfach nur besser werden. Galgenhumor und halbherzige Aufräumarbeiten sind angesichts der Landtagswahl am 9. Mai 2010 allerdings fehl am Platz.
Kerstin Griese, die Vorsitzende der Kreis-SPD, machte sich und den Delegierten in der Dumeklemmerhalle in Ratingen nach dem Dresdner Stühlerücken an der Parteispitze vor allem eines: Mut.
"Die Werkstatt SPD kommt wieder in Schwung", betonte die 42-Jährige, die erneut im Bundesvorstand sitzt und kurz nach dem Verlust des Mandats im Bundestag einen Job gefunden hat: Griese ist nun Vorstand Sozialpolitik im Bundesverband der Diakonie. Ob die Historikerin noch einmal ins Parlament rücken wird, ist offen.
Steinbrück betreut beide Kreise
Die Kandidaten
Diese Landtagskandidaten wurden jeweils mit deutlicher Mehrheit aufgestellt.
Wahlkreis 36 (Hilden, Langenfeld, Monheim): Birgit Alkenings (Hilden).
Wahlkreis 37 (Erkrath, Gruiten, Haan, Hilden, Hochdahl, Mettmann): Matthias Engel (Mettmann).
Wahlkreis 38 (Heiligenhaus, Ratingen): Elisabeth Müller-Witt (Ratingen).
Wahlkreis 39 (Velbert, Wülfrath, Mettmann): Volker Münchow (Velbert).
Die Landesdelegiertenkonferenz entscheidet im Frühjahr 2010.
Griese will sich auf ihre neue Aufgabe konzentrieren. Umso überraschender kam die Ankündigung Peer Steinbrücks, beide Wahlkreise (also Nord und Süd) künftig betreuen zu wollen. Griese hatte gegen Peter Beyer (CDU) im Norden des Kreises verloren. Das tat weh. Steinbrück, der Bundestagsabgeordnete für den Südkreis und Ex-Finanzminister, hat sich in seinem Hildener Büro zwar noch nicht eingerichtet, aber dies werde kommen, versicherte er.
Die "Revitalisierung der SPD" an der Basis, in den Kommunen nämlich, ist für Steinbrück der entscheidende Hebel zum Erfolg. Dies bedeutet: Die Genossen in den NRW-Städten müssen sehr viel stärker miteingebunden werden – dies soll zum Beispiel in Form von Konferenzen geschehen, bei denen hochrangige Parteispitzen und Vertreter der Ortsvereine auf Augenhöhe an einem Tisch diskutieren.
Elisabeth Müller-Witt, die Vorsitzende des Ortsvereins Ratingen, forderte: "Die Basis muss aber auch wirklich mitmachen." Sonst seien diese Tischgespräche sinnlos.
Dass sich Steinbrück nicht mehr in den Spitzenregionen der Partei- und Ämterpolitik tummeln will, hat plausible Gründe: 16 Jahre in Landes- und Bundeskabinett seien einfach genug, betonte er und fügte an: "Es ist auch eine Konsequenz aus dem Wahlergebnis, das ich so nicht für möglich gehalten habe."
Michael "Mike" Groschek, der Generalsekretär der NRW-SPD, sprach von einem "Erdrutsch bei der Bundestagswahl". "Wir haben nach links verloren", analysierte er, "und wir haben an die Sofa-Partei verloren, an die Leute also, die nicht zur Wahl gegangen sind." Groschek erkor die Landtagswahl 2010 zur "Volksabstimmung von nationaler Bedeutung".
Keine Steuergeschenke, mehr Steuergerechtigkeit, ein neues Steuerkonzept vor der Landtagswahl, eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Mittelstand – nur einige Punkte, die Groschek den Delegierten kämpferisch mit auf den Weg gab. Vor zehn Jahren noch, so hieß es, habe die SPD aller vier Wahlkreise im Kreis Mettmann gewonnen. Dies sei wieder möglich. Die Landtagskandidaten sollen es mit vereinten Kräften richten.
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