Mettmann: Stadt sucht Schiedsleute
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 02.07.2012Mettmann (RP). Günter Zepf ist derzeit der einzige Schiedsmann in Mettmann. Ein weiterer Ehrenamtler ist aber dringend erforderlich. Wichtig: Der Kandidat braucht Geduld und Menschenkenntnis. Und manchmal auch Humor.
Der Nachbar grillt im Sommer zu häufig oder fegt im Herbst das Laub nicht weg. Oder der Gartenzaun steht schief. Es könnte aber auch sein, dass der Ast des Baums vom Grundstück nebenan für zu viel Schatten im Wohnzimmer des anderen sorgt. Günter Zepf kennt diese Probleme. Nicht aus eigener Erfahrung, sondern weil er sich darum kümmert, dass sie keine mehr sind. Der 64-Jährige ist derzeit Mettmanns einziger Schiedsmann. "Ich habe in erster Linie eine Moderationsaufgabe", sagt der selbstständige Mathematiker. Wenn es Streitigkeiten gibt, schreitet er auf Nachfrage ein und versucht zu schlichten.
Die Stadt Mettmann sucht für das Amtsgericht derzeit dringend eine weitere Schiedsperson für den Süd-Bezirk. Bisher sind beim zuständigen Amt noch keine Bewerbungen eingegangen. Bedingung: zwischen 30 und 70 Jahren alt, Wohnsitz im Schiedsamtsbezirk und keine Vorstrafen.
Bis zum 15. August
Schriftliche Bewerbungen sind einzureichen bis zum 15. August beim Fachbereich 1.1.1, Zentrale Verwaltung, Organisation und IT-service, Neanderstraße 85, 40822 Mettmann. Der Bewerber sollte seinen Wohnsitz im Schiedsamtsbezirk (Mettmann-Süd) haben. Rückfragen sind möglich unter Tel. 02104 980165.
In erster Linie vermitteln
Dabei geht es darum, dass die Streitparteien einen Vergleich schließen – und diesen dann auch einhalten. Zepf ist kein Richter, er darf auch keine Sanktionen aussprechen. In erster Linie muss er vermitteln. "In der Regel kommt man in sehr aufgeheizte Situationen", beschreibt Zepf sein Ehrenamt, das er nun im achten Jahr ausübt. Häufig schwelten Konflikte schon jahrelang. Da sei dann auch Menschenkenntnis wichtig. Wenn sich zum Beispiel im Gespräch mit den verfeindeten Rentnerpaaren herausstellt, dass hinter dem Problem mit dem Grünzeug im Garten eigentlich ein ganz anderes steckt. "Man muss dann vorsichtig freilegen, was die Wurzel allen Übels ist", sagt Zepf. Es gab schon Fälle, da lagen sich die Streithähne am Ende lachend in den Armen. Ernst nehmen muss der Schiedsmann seine Klienten. Auch, wenn man selbst den Kopf darüber schüttelt, worum sich die Menschen in die Haare kriegen. "Selbst hochrangige Akademiker streiten erbittert über einen Zaunpfahl", wundert sich Zepf. Die Idee von Schiedsverfahren ist, die Amtsgerichte von unbedeutenderen Fällen zu entlasten. "Das ist eigentlich eine sehr gute Sache", meint Thomas Künzel, Direktor des Mettmanner Amtsgerichts. "Aber wenn Menschen sich streiten, möchten viele wissen, wer Recht hat." Und Recht sprechen kann ein Schiedsmann nicht. Insofern landeten die meisten Fälle dann doch bei den Gerichten. "Pro Schiedsamtsbezirk gibt es zwischen acht und 15 Fällen pro Jahr", sagt Künzel.
Rund 20 Fälle
Geld bekommen die Schiedsleute für ihr Amt nicht – aber eine Aufwandsentschädigung, um Kosten wie Telefongebühren oder Benzin zu decken. "Die Leute sollten wirklich nicht mit jeder Kleinigkeit direkt zum Gericht rennen", sagt Günter Zepf. Er wirbt dafür, dass auch andere Menschen bereit sind, ein Schiedsamt zu übernehmen. Sein Rat für Interessenten: "Man muss schon eine Respektsperson sein. Einer, von dem man auch abkauft, was er sagt."
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