Wülfrath: Stadthalle auf Prüfstand
VON JOCHEN DELPHENDAHL - zuletzt aktualisiert: 11.03.2010Düsseldorf (RPO). GWG-Geschäftsführer Juan-Carlos Pulido: Erst einmal alle Fakten zusammentragen.
In einem Workshop Ende April wird die Grundsatzentscheidung des Rates übers Rathausareal vorbereitet."Die Frage ist, ob diese Stadthalle heute noch die richtige für Wülfrath ist", gibt Juan-Carlos Pulido, seit 1. Oktober Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) zu bedenken. Er weiß, dass die Frage Erhalt oder Abriss der über 80 Jahre alten Versammlungsstätte in der Kalkstadt ein sehr emotionales Thema ist. Aber er muss sich von Berufs wegen damit beschäftigen, nachdem der Stadtrat die GWG mit der Projektentwicklung fürs Rathausareal beauftragt hat. Die städtische Tochter soll das gesamte Gelände zwischen Schiller- und Parkstraße überplanen. Es befindet sich weitgehend im Eigentum der Stadt beziehungsweise der GWG.
Diskussion versachlichen
Um die Diskussion zu versachlichen spricht sich Pulido wie Bürgermeisterin Claudia Panke dafür aus, alle Fakten zusammenzutragen. Was an Brandschutz dringend getan werden muss und was dies kostet, soll ein vereidigter Sachverständiger noch in diesem Monat klären. Zudem müsse die Wirtschaftlichkeit der Stadthalle betrachtet werden. Was kostet sie? Wie viele Veranstaltungen sind ausverkauft? Wie viele sind entgeltfrei für den Veranstalter? Was gibt das Kulturbudget der Stadt für die Belebung der Stadthalle her?
1928 eröffnet
"Unsere Stadthalle stellt eine Errungenschaft dar, wie sie in weitester Umgebung ihresgleichen nicht findet." Das sagte Bürgermeister August Havemann anlässlich der feierlichen Eröffnung, am 17. November 1928.
Landrat Dr. zur Nieden wünschte sie sich seinerzeit als "künftigen Mittelpunkt für die Körper- und Geistespflege der Stadt".
Viele Wülfrather Kinder hatten in den folgenden Jahrzehnten dort Schulsportunterricht. Die benachbarte Parkschule zeigte Theaterstücke in der Stadthalle.
In ihrer wechselvollen Geschichte hat die Stadthalle einiges erlebt. 1945-46 wurde sie laut Pfarrchronik St.Joseph von der militärischen Besatzung genutzt. Anschließend wurde sie Heimstätte für Vertriebene aus dem Osten.
"Die Stadthalle wurde in den 90-er Jahren aufgehübscht, bleibt aber ein altes Gebäude", stellt Pulido fest. Weite Bereiche werden gar nicht oder nur noch als Lagerstätte genutzt, so ehemalige die Gaststätte, eine Wohnung und ein großer Raum hinter der Theke. Für die derzeit im Gebäude untergebrachte Erziehungseinrichtung des Jugendamtes (FIEGE) könne gegebenenfalls ein anderes Domzil gefunden werden. Die Empore und das Riesenfoyer und die große Garderobe im Untergeschoss zur Goethestraße hin würden selten genutzt. In der oberen Etage gebe es zudem ein zweites, großes Foyer.
Mit Blick auf die demografische Entwicklung (immer mehr ältere Bürger) müsse auch auf Barrierefreiheit geschaut werden. Rollstuhl- und Rollatorfahrer können den Stadthallensaal nur erreichen, wenn sie mit dem Auto zum Parkplatz gebracht werden. Empore, Garderobe und Toilette im Unterschoss können sie nicht aufsuchen.
Große Verwaltungskonferenz
Pulido spricht sich dafür aus, die Einzelhandelsentwicklung auf dem Gesamtareal nicht mit der Frage nach der Zukunft der Stadthalle zu verquicken. Zunächst sei zu klären, welche Investitionen dort notwendig und ob sie wirtschaftlich sinnvoll sind. Die große Verwaltungskonferenz – mit Vertretern von Rat und Verwaltung sowie der städtischen Töchter – werde sich damit in einem Workshop Ende April beschäftigen. Danach sei eine Grundsatzentscheidung zu treffen.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.