Mettmann: Tafel Niederberg: immer mehr Bedürftige
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010Düsseldorf (RPO). Wülfrath/Velbert Einen dramatischen Anstieg von Bedürftigen meldet die Niederbergische Tafel. Um 30 Prozent stieg die Zahl der Bedürftigen 2009 an den Verteilstellen in Wülfrath, Velbert und Heiligenhaus. In diesem Jahr setzt sich der Anstieg fort, berichteten gestern die Koordinatorin von der Diakonie, Renate Zanjani, und Hans-Jörg Haase von der Ländervertretung der Tafel. Allerdings ist der Anstieg gebremst: Der Zuwachs beträgt zur Jahresmitte nur noch fünf Prozent. Damit schlagen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht wie befürchtet voll durch.
1013 Karten hat die Niederbergische Tafel in diesem Jahr ausgegeben. Diese Karten, die zum Empfang gespendeter Lebensmittel berechtigen, werden nur an Bedürftige ausgegeben, die Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen, oder die als Einzelperson nicht mehr als 960 Euro pro Monat verdienen und davon ihren gesamten Lebensunterhalt einschließlich Miete bestreiten müssen. Die Einkommensverhältnisse werden jährlich im Januar überprüft, so Zanjani. Auf den Karten ist festgehalten, wie viele Personen in dem Haushalt leben, ob es sich um Alleinstehende, Paare oder um Familien mit Kindern handelt.
62 Prozent der Bedürftigen beziehen Harz IV, bei 19 Prozent reicht die Rente nicht zum Leben, elf Prozent sind nicht arbeitsfähig und erhalten Sozialhilfe, fünf Prozent haben ein zu geringes Gehalt und bei einem Prozent reicht das Arbeitslosengeld I nicht.
Die Zahl der Bedürftigen ist seit Gründung der Tafel 2003 in Velbert stetig gestiegen. Damals wurden während des ganzen Jahres 6000 Spenden abgegeben. 2005, als nach anderthalb Jahren Anlaufzeit die Ausgabestellen in Wülfrath und Heiligenhaus hinzu kamen, waren es bereits 14 000 Abgaben. 2009 stieg die Zahl auf 27 418, im laufenden Jahr waren es in den ersten sechs Monaten bereits 15 048. Bleibt es bei dieser Entwicklung, dürfte die Zahl bis Jahresende auf über 30 000 steigen.
In Wülfrath finden sich im Durchschnitt jeden Montag 65 Bedürftige im Gemeindezentrum Ellenbeek ein, in dem Spenden verteilt werden. Dort werden auch Mahlzeiten ausgegeben, die etwa von der Küche der Bergischen Diakonie Aprath gespendet werden. In Heiligenhaus kommen jeweils 100 Hilfesuchende an die Ausgabestelle Rheinlandstraße 26. Insgesamt werden sechs Stellen (vier in Velbert) von 550 Personen besucht.
1350 Tonnen Lebensmittel verteilt
Seit der Gründung hat die Tafel 1350 Tonnen Lebensmittel verteilt, die andernfalls auf dem Müll gelandet wären. Allein im vergangenen Jahr waren es 290 Tonnen. Ein großer Wunsch von Haase: Ein kostenfrei zur Verfügung gestellter Raum von etwa 100 Quadratmetern, in dem Lebensmittel eingefroren werden können. Die Tafel wäre dann mit Abholung und Abgabe der Lebensmittel flexibler. Heute müssen alle Lebensmittel sofort abgegeben werden – ungeachtet der schwankenden Nachfrage.
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