Erkrath: Tempo 30 in ganz Erkrath?
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 24.09.2010Düsseldorf (RPO). Notfalls mit einer Klage möchte die neue Mehrheit die Stadt zwingen, auf dem Sandheider Ring Tempo 30 einzuführen. Zeit für eine Diskussion, ob in ganz Erkrath eine Geschwindigkeitsbegrenzung Sinn macht.
Wo früher das alte Hallenbad stand, hat Hasso von Blücher an der Bismarckstraße schöne neue Häuser bauen lassen. Viele der deutlich über 300 000 Euro teuren Domizile sind bereits verkauft und bewohnt. Die neuen Bürger fordern nun die Stadt mit einem Bürgerantrag auf, auf der Bismarckstraße Tempo 30 einzuführen. Die Gründe klingen einleuchtend, denn es wohnen nun viele Familien mit kleinen Kindern dort.
Und die laut Aussage der Anwohner deutlich überhöhte Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos passt nicht zu spielenden Kindern am Straßenrand und auf dem Spielplatz. Aber: "Der Verkehr war schon vorher da, nicht erst, seit dort Wohnhäuser gebaut wurden", sagt Bürgermeister Arno Werner und gibt zu bedenken: Die Bismarckstraße ist keine ruhige Anwohnerstraße, sondern eine Hauptdurchgangsstraße. Dort Tempo 30 einzuführen sei wenig plausibel.
Stadttempo Erkrath
Das Stadttempo Erkrath – als geschlossenes Verkehrskonzept von der SPD Anfang der Neunziger Jahre entwickelt – bleibt Ziel der Sozialdemokraten im Stadtrat, betont Detlef Ehlert.
Wohngebiete und reine Anliegerstraßen sollen als "Spielstraßen" ausgewiesen sein, wenn es keine Bürgersteige gibt. Nur die Hauptverkehrsstraßen mit Busverkehr sollen noch mit 50 km/h befahren werden dürfen.
Lärm stört Anwohner
Klar, dass die Anwohner von "Lärmemissionen" in ihrem Bürgerantrag schreiben. Das heißt, auch der Krach der Autos und der Busse stört die Anwohner. Ganz ähnlich ist es auf der Hochdahler Fuhlrottstraße. Auch dort fühlen sich Anwohner vom Lärm der vorbeifahrenden Autos gestört. Auch Kinder würden verstärkt die Straße queren und so hat sich die neue Mehrheit aus SPD, BmU und Grünen bereits vor geraumer Zeit dazu entschieden, dort Tempo 30 einzuführen und eine Querungshilfe installieren zu lassen. Letztes Beispiel: Der Sandheider Ring. Auf großen Teilen gilt zwar schon 30, aber mit den Stimmen der neuen Mehrheit wurde die Begrenzung auch für das allerletzte Teilstück beschlossen.
Ärger mit der Rheinbahn
Es gibt nur ein ziemlich großes Problem bei der Sache. Die Stadt und der Landrat ziehen bei den politischen Entscheidungen nicht so ganz mit. Weil der Sandheider Ring eine Vorfahrtstraße ist, kassierte der Landrat die Entscheidung der Mehrheit. Tempo 30 nicht erlaubt. Richtig gesträubt hatte sich wegen Problemen mit dem Fahrplan auch die Rheinbahn, die ihre Busse dort nur noch sehr eingeschränkt fahren lassen wollte. Schwierig, dass den Bürgern zu erklären. Die Autos fahren langsamer und die Busse gar nicht mehr?
Für die Fuhlrottstraße hat die Verwaltung in diesem Jahr überhaupt keine Zeit mehr, eine Querungshilfe zu planen oder gar aufzubauen, wie sie neulich mitteilte. Personalmangel im Tiefbauamt hin oder her – man kann ruhig mal darüber nachdenken, ob das eine Möglichkeit ist, die Umsetzung politischer Entscheidungen zu interpretieren.
Was wird also mit Tempo 30? Bekommt nun jeder Anwohner, der laut genug protestiert, das Schild vor seine Türe gestellt? Nein, es gibt ja noch die Straßenverkehrsordnung. Und vor vielen Jahren sind die Straßen in Erkrath mal eingeteilt worden. In Hauptverkehrsstraßen, Wohnsammelstraßen und Anliegerstraßen. Doch das kann man alles ändern, meint die neue Mehrheit und droht notfalls sogar mit Klage. Zumindest wenn es um den Sandheider Ring geht.
Es wird höchste Zeit für eine Generaldebatte, ob Tempo 30 am besten gleich für ganz Erkrath sinnvoll ist oder nicht. Bürgermeister Arno Werner ist bereit, die Diskussion im Rat zu führen. Werner gibt jedoch zu bedenken, dass eine gewisse Schlüssigkeit bei den Straßen, auf den Tempolimit gelten soll, gegeben sein muss. Sonst wartet er nicht auf den Landrat, um die Entscheidung rückgängig zu machen.
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