Mettmann: Teuer: falsch versichert
VON ULLA PANTEL - zuletzt aktualisiert: 30.06.2010Düsseldorf (RPO). Die Verbraucherzentrale erteilt dem Versicherungsvertragsgesetz schlechte Noten. Beschwerden haben sich versechsfacht: Provision wichtiger als Beratung – Kundeninformation ohne Transparenz.
Beratung: 35 Euro
Umfassende fachmännische und unabhängige Beratung gibt es nirgendwo zum Nulltarif. Auch bei der Verbraucherzentrale kostet eine 30-minütige individuelle Beratung 35 Euro.
Angesichts der Risiken lohnt aber die Investition.
Beraten wird übrigens auch im Schaden-Fall.
Verbraucherzentrale Velbert, Friedrichstr. 107, Tel. 02051-56806
Mettmann/Velbert "Falsche oder überteuerte Versicherungsabschlüsse können zu erheblichen finanziellen Verlusten führen. Der Bundesverband der Versicherungsberater schätzt, dass in Deutschland bis zu 30 Milliarden Euro zuviel gezahlt werden", weiß Andreas Adelberger, Leiter der Verbraucherzentrale in Velbert. Als der Gesetzgeber 2008 das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in Kraft setzte, sollte damit für den Verbraucher mehr Transparenz bei Versicherungsverträgen entstehen. Nach zwei Jahren im Praxis-Test erteilen die Verbraucherzentralen dem neuen Gesetz überwiegend schlechte Noten.
Nach wie vor sei die Beratung der Versicherungsvertreter oft nicht an den Bedürfnissen der Verbraucher orientiert, sondern an der Höhe der Provision, bemängelt Andreas Adelberger. Das ist ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden." Verschleiernd wirke noch immer, dass die Provisionen der Versicherungsvermittler für Vertragsabschlüsse nicht deutlich ausgewiesen würden. "Wenn eine Kundeninformation 68 Seiten umfasst und die Zahlen über Provision, Produktpreise und Bearbeitungskosten irgendwo unauffällig dazwischen stehen, trägt das nicht wirklich zur Transparenz bei. Realistisch muss man sehen, dass sich so etwas kaum jemand durchliest", weiß Marco Krieter, unabhängiger Versicherungsjurist und Rentenberater bei der Verbraucherzentrale Velbert.
Andreas Adelberger nennt das Beispiel einer Seniorin, deren Beiträge für eine Sterbegeldvorsorge gerade einmal zur Hälfte wirklich in Kapital bildende Maßnahmen einfließen. "Da wäre sie mit einem Festgeld- oder Tagesgeldkonto besser beraten gewesen."
Gesprächsdokumentation in Kritik
Die Kunden-Beschwerden über Versicherungen haben sich im Zeitraum von 2001-2009 versechsfacht. Der Aufwärtstrend ist durch das VVG nicht gebrochen. Auch die Absicht des Gesetzgebers, durch die Verpflichtung zur Dokumentation des Beratungsgesprächs vor Vertragsabschluss eine bessere Rechtssicherheit für Kunden zu schaffen, wird ausgehöhlt. "Häufig handelt es sich um Vordrucke, auf denen kaum Einzelheiten des Gesprächsinhalts vermerkt sind."
Die Verbraucherzentrale fordert eine Nachbesserung des Gesetzes, aber auch eine bessere Aufklärung des "mündigen Bürgers". Finanzkompetenz sollte in Grundzügen schon in Schulen oder an Volkshochschulen vermittelt werden. "In jedem Fall sollte man sich vor Vertragsabschlüssen bei unabhängigen Beratern Rat holen. "Hören Sie nicht auf Bekannte, denn jeder Fall ist anders und Halbwissen ist gefährlich", warnt Andreas Adelberger. "Die Frage muss lauten: Was brauche ich in meiner ganz persönlichen Situation wirklich?" Generell sollte man sich gegen existenziell bedrohliche Großrisiken versichern statt gegen Bagatellschäden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum